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Erkenntnisse über das neue Virus - Wie sollen wir mit dem Corona-Wissen umgehen?

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Seit etwa acht Monaten beschäftigen wir uns mit der Corona-Krise. Und wir haben eine Menge neues Wissen angehäuft. Wie gehen wir mit dieser Masse an Informationen am besten um?

Mitarbeiterin in einem Corona-Testzentrum.
Mitarbeiterin in einem Corona-Testzentrum.
Quelle: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

 

"In den Corona-Monaten haben wir gesellschaftliche Lernprozesse durchlaufen", schreibt die Philosophin Olivia Mitscherlich-Schönherr im "Tagesspiegel". Und der Soziologe Stefan Selke sagt: "Immer mehr gleicht sie (die Pandemie, die Redaktion) einem Laborexperiment mit uns als Probanden."

Experten und Virologen geraten in die Schusslinie

Zunächst ging es um Virenlasten, Aerosole und Reproduktionszahlen. Die Virologen wurden zu Lehrmeistern der Nation. Ihre Podcasts, Schaubilder und Talkshowbeiträge glichen Volksuniversitäten.

Doch umso mehr von ihnen nicht nur Erkenntnisse, sondern auch Konzepte gefordert waren, gerieten sie untereinander in Widerspruch und in die Unschärfe der heftiger werdenden politischen Auseinandersetzung.

"Wer meint, dass wissenschaftliches Wissen so viel Eindeutigkeit erzeugen könne, dass sich medizinische Wirksamkeit eindeutig planen lässt, unterschätzt die Komplexität des Transfers von Wissen in Praxisfelder", schreibt der Soziologe Armin Nassehi. Es sei also nicht nur die Stunde der Mikrobiologie, sondern auch die Stunde der Makrosoziologie, folgerte er.

Aus der Corona-Krise muss mehr Gemeinsamkeit entstehen

Soziologe Selke vergleicht die augenblicklichen Lernprozesse mit dem Overview-Effekt, den die ersten Kosmonauten hatten, als sie auf die Erde blickten: "In kürzester Zeit werden gegenwärtig Einsichten gewonnen, für die sonst lange Zeiträume notwendig waren", sagt er. Als eine zentrale Einsicht nennt er, dass Kooperation statt Konkurrenz die Grundsubstanz für den Wandel sei.

Die Fähigkeit zur Kooperation steht auch im Zentrum des Konzeptes der "Lernenden Organisation". In Teilbereichen der Gesellschaft machen viele Menschen gerade in ihrer täglichen Zusammenarbeit die Erfahrung, wie Entwicklungen beschleunigt werden.

Bei der Digitalisierung der Arbeits- und Bildungsabläufe, bei der Entwicklung von Hygienekonzepten in Kneipen, Theatern und Fußballstadien. All dies schafft neues Wissen innerhalb der Organisationen.

Politik, Wirtschaft, Medizin haben unterschiedliche Ziele

Da aber "eine moderne Gesellschaft nicht aus einem Guss reagieren" kann, wie Nassehi schreibt, gibt es zwischen den einzelnen Organisationen Zielkonflikte. "Das politische System muss kollektiv bindende Entscheidungen ermöglichen, das Wirtschaftssystem mit Knappheiten umgehen", sagt der Soziologe. Zudem müsse das Wissenschaftssystem Wahrheitsfragen beantworten, das Rechtssystem normative Erwartungssicherheit garantieren und das medizinische System sich an Krankheiten orientieren.

Der Streit um die aktuell richtigen Shutdown-Maßnahmen macht diese Zielkonflikte deutlich. Ein flächendeckender konstruktiver Austausch von Erfahrungen im Umgang mit der Pandemie braucht Orte außerhalb der bestehenden Organisationen.

Brauchen wir einen Corona-Bürgerrat?

Häufig wird dafür die Einführung von Bürgerräten in die Diskussion gebracht, die paritätisch durch Losverfahren aus allen Gruppierungen der Bevölkerung gebildet werden.

"In der Gegenwart könnte ein bundesweiter Corona-Bürgerrat allen Betroffenen Gehör verschaffen: den Freiberuflern genauso wie den Facharbeitern in der Automobilindustrie, Party-hungrigen Jugendlichen wie Bewohnern von Altersheimen, Eltern wie Erziehern und Lehrern", schreibt die Philosophin Mitscherlich-Schönherr.

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck drückt das auf seiner Website so aus: "Holt das Wissen, die Erfahrung, die Ideen der Leute ab!"

Man sieht verschiedene Menschengruppen, also Cluster, die mit dem Corona-Virus (symbolisch) infiziert sind.

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