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Forstwirtschaft in Existenznöten

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Wald im Corona-Stress - Forstwirtschaft in Existenznöten

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Nach zwei Hitzesommern leidet der Wald unter der Corona-Krise. Die virengeplagten Kommunen können die Dürreschäden nicht beheben. Es fehlen Geld, Arbeiter und die Nachfrage.

Abgestorbene Fichten in der Eifel
Wegen Dürre und Borkenkäfer sind die Wälder arg gebeutelt. Wegen Corona mangelt es nun auch noch an Personal und Geld für Wiederaufforstung.
Quelle: dpa

Das Jahr beginnt wieder zu trocken. Schon jetzt im Spätfrühling herrscht Waldbrandgefahr. Für Deutschlands Förster nichts Neues. Sie sind schon seit zwei Jahren im Katastrophenmodus. Unmengen Bäume starben durch die anhaltende Trockenheit ab, vor allem Fichten. Aber auch andere Baumarten sind betroffen.

Seit 2019 gibt es keine Baumart mehr, die nicht geschädigt ist. Bis zu einem Drittel ihres Waldbestandes haben schwer betroffene Gebiete eingebüßt: Im Schnitt sind es fünf Prozent allein in den vergangenen beiden Jahren.

Die Sägewerke habe volle Lager oder sind aufgrund der Corona-Krise stillgelegt, ebenso wie die Betriebe der Möbelindustrie. Angesichts des Überangebotes sind die Holzpreise europaweit eingebrochen, teilweise um bis zu 80 Prozent.

Im Video: Wie deutsche Wälder unter Dürre und Borkenkäfern gelitten haben

Aufräumen in deutschen Wäldern.

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Erlöse reichen nicht für Totholz-Entsorgung

Die Erlöse können die Kosten für die Entsorgung des Totholzes nicht mehr decken. Das schmerzt nicht nur die Kommunen, die sich früher noch mit dem Holzverkauf ihr Budget aufbessern konnten, sondern vor allem auch die privaten Waldbesitzer. 

Christian Raupach vertritt als Geschäftsführer des hessischen Waldbesitzerverbands die Interessen von rund 60.000 Privatwaldbesitzern - und schlägt Alarm:

Die Privatbetriebe kommen an den Rand ihrer Existenzfähigkeit. Die haben keine liquiden Mittel mehr. Die können keine Arbeitskräfte mehr bezahlen und auch keine Pflanzen mehr.
Christian Raupach

Für Aufforstung fehlt Geld und Personal

Doch das viele Totholz muss dringend abtransportiert und die Kahlflächen neu aufgeforstet werden. Eigentlich müsste das jetzt im Frühling geschehen. Doch bei  Kommunen herrscht Ebbe in der Kasse - und auch hier bleiben Verwaltungsangestellte wegen der Pandemie zuhause. Der Wald hat das Nachsehen.

Denn Wiederaufforstung ist teuer. Die Gemeinde Neu-Anspach im Hochtaunus hat rund zehn Prozent ihres Waldbestandes verloren - die Bäume fielen erst der Dürre und dann dem Borkenkäfer zum Opfer. Jeder Hektar Neupflanzung kostet rund 20.000 Euro. Geld, das die Kommune nicht hat. Nun befürchtet die Gemeinde, dass das viele Totholz zu einer erneuten Käferplage führen wird, denn der Schädling legt dort seine Eier ab. 

Die Waldschäden in Deutschland werden schlimmer. Archivbild.

Grünen-Anfrage -
Dürresommer: Deutlich mehr Holzschäden
 

Zwei Dürresommer in Folge machen den Wäldern zu schaffen. Die Menge an Schadholz ist drastisch gestiegen. Wie es in den einzelnen Bundesländern aussieht.

Selbst wenn die Finanzmittel vorhanden wären – es fehlen die Waldarbeiter. Die Pflanzkolonnen kommen meist aus Polen, Rumänien und Tschechien. Viele von ihnen blieben in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie zuhause.

Erhöhter Holzbedarf nur bei Hygiene-Herstellern

Deutschland hat die größten Holzbestände Europas - ein riesiges Rohstofflager. Vor Corona war die heimische Forstwirtschaft global vernetzt, lieferte überschüssige Stämme nach China, Ägypten oder Japan. Doch jetzt fallen auch diese internationalen Abnehmer Corona-bedingt weitgehend aus.

Nur in einer Branche steigt der Rohstoffbedarf aufgrund der Corona-Pandemie: Zellstoffwerke, die Hygieneprodukte herstellen, verzeichnen eine hohe Nachfrage. "Die beliefern wir natürlich gerne", schmunzelt Christian Raupach vom hessischen Waldbesitzerverband. Das Holz für Toilettenpapier wird Deutschland nicht so schnell ausgehen.

In einer Bäckerei in Dortmund kann man noch so viel Klopapier kaufen, wie man will – als Marmorkuchen, überzogen mit weißem Marzipan. Zunächst als Gag entstanden, hilft der Klopapier-Kuchen mittlerweile, die Existenz der Bäckerei zu sichern.

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