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Welthungerhilfe zu Corona - Ein "Brandbeschleuniger" für den Hunger

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Die Corona-Pandemie verstärkt die Probleme im Kampf gegen den Welthunger. Im ZDF-Interview bedankt sich die Präsidentin der Welthungerhilfe aber für die hohe Spendenbereitschaft.

ZDFheute: Frau Thieme, womöglich eine Milliarde Hungerleidende - so lautet die düstere Prognose der Welthungerhilfe. Welche Rolle spielt derzeit die Corona-Pandemie?

Marlehn Thieme: Die Corona-Pandemie ist in den Entwicklungsländern zumeist kein so großes gesundheitliches Problem, während die wirtschaftlichen Folgen erschreckend sind. 60 Prozent der Menschen arbeiten im sogenannten informellen Sektor, das heißt, sie sind Wanderarbeiter oder Tagelöhner. Diese Menschen können nicht mehr zur Arbeit gehen und sind dann nach ganz wenigen Tagen am Ende ihrer Vorräte sowie Barmittel. Zudem steigen die Lebensmittelpreise und das vergrößert die Hungersituation in den sowieso schon prekären Hungersituationen der Entwicklungsländer.

ZDFheute: Welches Problem sehen Sie auch im Hinblick auf die Infektionsrate? Bisher hieß es ja immer, in Afrika sei die Infektionsrate eher niedrig. Sind diese Zahlen denn überhaupt belastbar?

Thieme: Wie immer gilt: Wenn ich viel teste, habe ich viele Ergebnisse und auch gegebenenfalls positive. Wenn ich wie in den Entwicklungsländern sehr häufig gar keine oder nur geringe Testungs-Möglichkeiten habe, dann habe ich auch wenig nachgewiesene Testungen und Ergebnisse. Daher können wir nicht nachvollziehen, ob die aktuellen Zahlen der wirklichen Menge an Corona-Infizierten entsprechen. Zumeist ist die Bevölkerung in den Entwicklungsländern sehr viel jünger. Wir hoffen, dass diese Menschen besser durch die Corona-Krankheit hindurch kommen. Die Pandemie breitet sich aber dort aus und wirkt wie ein Brandbeschleuniger auf die Hungersituation.

Über die Corona-Situation in Kenia berichtete das Auslandsjournal:

ZDFheute: Wie schwierig ist es denn, momentan auch vor Ort Hilfe zu leisten?

Thieme: Das ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Wenn der Lockdown sehr streng war oder sogar vielleicht externe, ausländische Entwicklungsarbeiter ausgewiesen wurden, dann war es sehr schwierig. Wir haben aber auch sehr viele lokale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die weiterhin arbeiten können. Wir haben entsprechende Hygienemaßnahmen und Schulungen ermöglicht - das hat geholfen. Die Menschen waren dafür auch sehr dankbar, dass nicht alle verschwanden.

ZDFheute: Was muss denn nun aber passieren, dass ihre düstere Prognose, eine Milliarde Hungerleidende, nicht eintritt?

Neben der Corona-Pandemie bedroht auch eine Heuschreckenplage den afrikanischen Kontinent:

Thieme: Die Prognose ist erschreckend und wir arbeiten hart daran. Wir sind der Bundesregierung sehr dankbar, dass sie in den großen Rettungsschirmen nicht die Ärmsten der Armen in dieser Welt vergessen hat. Anderthalb Milliarden Euro Soforthilfe wurden zur Verfügung gestellt. Das wird erstmal genug sein, aber langfristig brauchen wir natürlich auch die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit, um diese Menschen wieder aus dem Hunger und der bedrängten Armut wieder herauszuführen.

ZDFheute: Die Folgen der Krise sind ja auch hierzulande spürbar. Macht sich denn Corona auch in der Spendenbereitschaft der Deutschen bemerkbar?

Thieme: Wir sind als Welthungerhilfe sehr dankbar, dass unsere Spender - mehr als wir erwartet haben - gespendet haben. Somit konnten wir sehr schnell unsere Projekte für die Pandemie-Situation optimieren und verstärkt in die Entwicklungsarbeit investieren.

Das Interview führte Roman Leskovar aus dem ZDF-Landesstudio Berlin.

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