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China, Trump und Corona - Die WHO zwischen den Fronten

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Die WHO stehe unter der Kontrolle Chinas und verschließe sich Reformen – deshalb hat US-Präsident Trump die Zusammenarbeit Ende Mai aufgekündigt. Sind die Vorwürfe berechtigt?

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Archivbild
WHO-Generaldirektor Tedros wird vorgeworfen von China abhängig zu sein.
Quelle: Valentin Flauraud/KEYSTONE/dpa

Im November 2019 wird in der chinesischen Stadt Wuhan zum ersten Mal das Virus mit dem späteren Namen SARS-CoV-2 bei einem Menschen nachgewiesen. Am 31. Dezember 2019 beschließt Taiwan, Reisende aus Wuhan bei Ihrer Ankunft auf Symptome zu überprüfen und informiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Chinas offizielle Ausbruchsmeldung nahm die WHO am 5. Januar in ihre Liste auf. Erst am 11. März 2020 klassifiziert die WHO die Verbreitung des Virus als Pandemie.

Hat die WHO bei Covid-19 versagt?

Die WHO wandert auf schmalem Grat: 20 Prozent des WHO-Jahresbudgets kommen von staatlichen Stellen. Seit der WHO-Gründung 1948 waren die USA der wichtigste Stützpfeiler – politisch und finanziell. Sollte es dabei bleiben, dass die USA die WHO verlassen, könnte China seine Machtposition ausbauen.

Wie setzt sich das Budget der WHO zusammen?
Die Zahlen stammen von Ende 2019, also noch bevor die USA angekündigt hatten, ihre Zahlungen einzustellen.
Quelle: ZDF

Dazu passt der Auftritt von Xi Jinping während der WHO-Jahresversammlung im Mai 2020: Die Chinesen versprechen zwei Milliarden Dollar für die Bekämpfung von Covid-19. Geht die WHO auf Konfrontation zu einer Weltmacht wie China, riskiert sie deren Unterstützung bei der Bekämpfung des Virus.

Bei der WHO in Genf herrschte außerdem lange Unklarheit darüber, wie gefährlich das Virus ist. Am 22. Januar trat ein Notfallkomitee der WHO zusammen, um über die Ausrufung eines "Internationalen Gesundheitsnotstandes" zu entscheiden. Eine kritische Situation, weiß Dr. Bernhard Schwartländer, der Kabinettschef der WHO:

Das ist natürlich nicht eine Sache, die man mal so zum Frühstück macht und wenn’s dann nichts war, dann sagt man – gut, war halt nichts gewesen.
Bernhard Schwartländer, WHO-Kabinettschef

Wurde der WHO-Chef unter Druck gesetzt?

Damals zögert WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Am 28. Januar trifft er sich in Peking mit Staatspräsident Xi Jinping. An diesem Tag gibt es bereits 2.800 Infektionen weltweit. Was hat Tedros dazu bewegt, China bei seiner Rückkehr nach Genf trotzdem zu loben?

Tedros Adhanom Ghebreyesus am 10.02.2020 in Genf

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von Nils Metzger

Professor Amesh Adalja ist Experte für Globale Gesundheit an der Johns Hopkins Universität. Als ehemaliger Berater mehrerer US-Regierungen kennt er die Schwierigkeiten der Gesundheitsdiplomatie: “Als die WHO China über den grünen Klee dafür lobte, wie gut es den Ausbruch am Anfang der Krise angeblich gemanagt hatte, da tat die WHO das, obwohl sie laut hätte protestieren müssen."

Die WHO stand selbst unter enormen Druck von China, die Chinesen für keine ihrer Handlungen zu kritisieren.
Amesh Adalja, Epidemiologe

Tedros gilt manchen als Chinas Wunschkandidat für den WHO-Spitzenposten: Er war vor seiner Wahl Gesundheits- und Außenminister Äthiopiens, also eines Landes, das von China wirtschaftlich abhängig ist.

Das Corona-Virus hat die Widersprüche des Riesenreiches China sichtbarer gemacht.

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Mit den Stimmen Chinas setzte Tedros sich bei seiner Wahl im Mai 2017 gegen die Konkurrenten aus England und Pakistan durch. Donald Trump behauptet jetzt: Tedros Zögern in der Corona-Krise sei auf den Druck Chinas zurückzuführen. Die WHO hat diese Anschuldigung zurückgewiesen.

Offene Kritik an China zeigte schon mal Wirkung

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt - es geht auch anders: Ende 2002 erfuhr die WHO aus inoffiziellen Quellen von einer tödlichen Krankheit, die in einer chinesischen Provinz ausgebrochen war. Die Chinesen behaupteten, es handele sich um eine Art Grippe. Es war jedoch ein Coronavirus, Auslöser für die SARS-Krankheit. Bald häuften sich die Fälle.

Peking erlebt nun erneut, erstmals seit vielen Wochen, einen größeren Ausbruch des Coronavirus. Das weckt Angst vor einer zweiten Welle.

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David Heymann leitete 2003 für die WHO den Kampf gegen SARS und erinnert sich: "Der Ausbruch war bereits mehrere Wochen her, bevor China überhaupt zugab, dass es da ein Problem gibt."

Die Generaldirektorin hat China dann öffentlich beschuldigt, nicht mit der WHO zusammen zu arbeiten. Erst da waren die Chinesen bereit zu kooperieren und schickten sofort ihren Vize-Präsidenten nach Genf um mit der Generaldirektorin zu reden.
David Heymann, Epidemiologe

Die Generaldirektorin damals war Gro Harlem Brundtland. Sie sprach rasch Reisewarnungen aus und überschritt damit ihre Kompetenzen. Aber so hat sie die Welt wahrscheinlich vor einer Katastrophe bewahrt.

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Aktuelles zur Coronavirus-Krise

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