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Nach erfolgreicher US-Studie - Kommt bald ein erster Corona-Wirkstoff?

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Das Medikament Remdesivir hat sich in einer US-Regierungsstudie als wirksam gegen das Coronavirus erwiesen. Deutsche Experten äußern sich zurückhaltend bis optimistisch.

Mehr als 140 Wirkstoffe gegen Covid-19 werden derzeit getestet. Remdesivir gilt als Hoffnungsträger in der Pandemie. Nach Angaben einer US-Studie hat sich das Medikament als wirksam erwiesen.

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Auf der Suche nach einem Medikament für die Behandlung von Covid-19-Patienten könnte das ein wichtiger Meilenstein sein. Remdesivir wäre das erste Mittel, das einen nachweislich positiven Effekt hätte. Der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten der USA, Anthony Fauci, gab die Ergebnisse am Mittwoch bekannt.

Die Remdesivir-Studie

Die Studie wurde von den Nationalen Gesundheitsinstituten (NIH) der USA durchgeführt. Dabei wurde eine Behandlung mit Remdesivir im Vergleich zu einer herkömmlichen Behandlung in Krankenhäusern weltweit untersucht. An der Studie nahmen 1.063 Patienten teil, die so krank waren, dass sie ins Krankenhaus kamen. Die Studie der NIH war die strengste von mindestens sieben größeren Studien, die an dem Medikament forschen.

Remdesivir wird intravenös verabreicht. Es gibt dutzende Tests anderer Behandlungen, doch die Studien an Remdesivir sind am weitesten fortgeschritten. Bei Tierversuchen im Zusammenhang mit Sars und Mers - Krankheiten, die von ähnlichen Coronaviren verursacht werden - half das Medikament, eine Infektion zu verhindern. Im Fall einer Erkrankung frühzeitig gegeben, verringerte es die Schwere von Symptomen. Es wurde aber weltweit noch nirgends zugelassen.

Die Remdesivir-Ergebnisse

Remdesivir konnte die Zeit der Genesung von Patienten laut der NIH-Studie um 31 Prozent beschleunigen. Im Durchschnitt erholten sich Patienten innerhalb von 11 Tagen, statt zuvor 15 Tagen. Zum Vergleich: Antivirale Medikamente gegen die Grippe verkürzen die Krankheit im Durchschnitt um einen Tag und nur, wenn sie innerhalb der ersten ein bis zwei Tage nach Auftreten der Symptome verabreicht werden.

Das Medikament könnte auch die Sterberate senken - so die Ergebnisse der Arznei-Herstellerfirma Gilead. Etwa acht Prozent der Patienten starben mit dem Medikament und 11,6 Prozent ohne - Wissenschaftler halten diesen Unterschied aber für zu gering, um das Medikament sicher dafür verantwortlich zu machen. Da es nur an Patienten getestet wurde, die so krank waren, das sie ins Krankenhaus kamen, könne keine Aussage über die Sicherheit und Wirksamkeit bei weniger kranken Menschen getroffen werden, sagte Fauci.

Am Münchner Klinikum werden Medikamente gegen das Coronavirus getestet. Hoffnungen liegen auf dem Ebola-Medikament „Remdesivir“, das den Krankheitsverlauf verkürzen soll.

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Wirtschaftliche und politische Interessen

Als börsennotiertes Unternehmen hat Gilead auch ein wirtschaftliches Interesse an einer zeitnahen Vertreibung seines Medikaments. Die Arznei-Herstellerfirma erklärte in einer Pressemitteilung, man sei sich der "positiven Daten" aus der klinischen Studie bewusst, die Kommunikation liege aber beim Nationalen Institut für Infektionskrankheiten (NIAID) der USA.

Anthony Fauci ist nicht nur Immunologe und Chef des NIAID, sondern er ist auch ein Berater von US-Präsident Donald Trump und steht damit unter einem gewissen politischen Druck. Trump geriet immer wieder in scharfe Kritik wegen Äußerungen zu Behandlungsmöglichkeiten, wie zuletzt das Injizieren von Desinfektionsmitteln.

Frühere Studie in Wuhan: Remdesivir wirkungslos

Es gab bereits eine Studie zu Remdesivir, die zu einem anderen Schluss kam: Der Zustand der Patienten hätte sich mit Remdesivir nicht wesentlich verbessert. Aber: Die Studie wurde nicht zu Ende geführt und aus Patientenmangel frühzeitig abgebrochen.

Bei der chinesischen Studie wurden 237 Patienten aus zehn Krankenhäusern in Wuhan eingeschlossen, dem Ursprungsort der Pandemie. 158 bekamen Remdesivir verabreicht, 79 ein wirkungsloses Scheinmedikament. Die Forscher stellten keinen statistisch bedeutsamen Einfluss auf die Krankheitsdauer oder die Sterberate fest.

Neben dem frühen Abbruch hatte diese Studie allerdings eine weitere Schwäche: Die meisten ihrer Patienten waren erst recht spät im Krankheitsverlauf mit Remdesivir behandelt worden. Ein früherer Therapiebeginn verbessere die Behandlungsergebnisse womöglich.

Prof. Clemens Wendtner vom Klinikum Schwabing berichtet über schwere Corona-Infektionen bei Patienten, die mehr als 1 Woche beatmet werden müssen. Sein Team erforscht die Wirksamkeit des Medikaments „Remdesivir“, das für Ebola-Patienten entwickelt wurde. …

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Deutsche Experten: Remdesivir-Zulassung wahrscheinlich

Nach Ansicht deutscher Experten sind die Ergebnisse der US-Studie ausreichend belastbar. Es seien genügend Patienten untersucht worden: Unter Therapie mit Remdesivir seien sie früher aus dem Krankenhaus entlassen worden, sagt etwa Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing.

Somit sind wesentliche Endpunkte der Studie erreicht worden, so dass an einer raschen Zulassung der Substanz aus meiner Sicht wenig Zweifel bestehen dürfte.
Clemens Wendtner, Chefarzt München Klinik Schwabing

Auch Gerd Fätkenheuer von der Uniklinik Köln, Leiter einer klinischen Prüfung von Remdesivir (GS-5734) bei Patienten in Deutschland, rechnet aufgrund der positiven Ergebnisse mit einer baldigen Zulassung.

Der Pharmakologe, Professor Bernd Mühlbauer, hingegen warnt vor zu großen Hoffnungen. Die vielen kleinen bisherigen Remdesivir-Studien rund um den Globus seien - für sich genommen - noch nicht aussagekräftig genug. Es fehlt bisher einfach noch eine umfassende große Studie, sagte er dem ZDF. Sehen Sie hier das Interview:

Der Pharmakologe Bernd Mühlbauer warnt vor zu großen Hoffnungen in das Medikament Remdisivir im Kampf gegen das Coronavirus. Bisherige Studien seien noch nicht groß genug.

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Ein Computermodell des Coronavirus

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