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Wohnungslos und ausgeliefert in der Krise

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Corona-Krise bei den Ärmsten - Wohnungslos und ausgeliefert in der Krise

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Eine Dusche. Ein eigenes Bett. Schon lange vor der Corona-Krise konnten sie davon nur träumen. Jetzt ist es für viele Wohnungslose in Deutschland noch schwieriger geworden.

Nicht jeder kann während der Corona-Krise daheim bleiben. Der Obdachlose Corc Uz spricht darüber, wie er die Situation bewältigt.

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Corc Uz zieht ein, zwei Mal an seiner Zigarette. Dann drückt er sie aus und steckt sie in die Jackentasche. Für später. Wo er heute Nacht schlafen wird, weiß er nicht. "Momentan bin ich mal da, mal da. Ich gehe zu einem Freund, dusche, dann gehe ich wieder raus", sagt er.

Seit acht Jahren lebt Uz auf der Straße, in Wiesbaden. Gerade steht er am Platz der Deutschen Einheit. Menschen strömen hier normalerweise in den Supermarkt oder in die vielen kleinen Geschäfte und Imbisse. Auf den Straßen hört man viel türkisch, arabisch, osteuropäische Sprachen. Ein bisschen Berlin-Neukölln in der Kurstadt Wiesbaden.

Vor allem jetzt, wo viele soziale Einrichtungen nur bedingt geöffnet sind, ist der Platz für Wohnungslose wie Corc Uz eine zentrale Anlaufstelle, ein bisschen Familie. Die Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen sind für Wohnungslose nur schwer bis gar nicht einzuhalten.

Polizei versucht Gruppenansammlungen zu verhindern

Eine Ecke weiter steht die Polizei vor einer Hofeinfahrt. Zwei Beamte fordern eine Gruppe Bedürftiger auf, sich aufzulösen. Obwohl viele wissen, dass sie nicht beieinander stehen dürfen, kommen sie zur Teestube, die zur Diakonie gehört. Denn hier bekamen sie vor der Corona-Krise Essen und einen Schlafplatz. Ein Mann kauert in seinem Schlafsack, ein anderer sitzt mit einem Bier auf dem Gehweg. Langsam beginnen sie, die Befehle zu befolgen.

Auf der anderen Seite der Einfahrt laden zwei junge Frauen Kisten mit Bananen, Kuchen, Instantsuppen in den Kofferraum eines Transporters. Sie dürfen das Essen nicht mehr hier verteilen, sondern müssen es zu den Bedürftigen bringen, um Menschenansammlungen zu vermeiden.

Wenn in der Corona-Krise das soziale Zusammenleben schwerer wird, trifft das Obdachlose besonders. Eine Sozialarbeiterin spricht über ihre Erfahrungen.

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"Die größte Herausforderung ist die Ungewissheit", sagt Alice Krome, Sozialarbeiterin bei der Diakonie:

Das Leben auf der Straße ist sowieso schon hart. Wir können unseren Besuchern nicht sagen, wann wir wieder öffnen. Wir versuchen, auf die Verzweiflung zu reagieren, die viele haben und ihnen Mut zu machen.
Alice Krome, Sozialarbeiterin

Diakonie muss Schlafunterkünfte wegen Corona schließen

In Zeiten von Corona sei das manchmal nahezu hoffnungslos. Die Diakonie musste ihre Schlafunterkünfte in der Teestube schließen, weil sie keine Einzelunterbringung gewährleisten kann. "Ich glaube die Unsichtbarkeit des Virus macht unseren Klienten ziemlich zu schaffen", sagt Nicole Nelles, Alice Kromes Kollegin. "Auch, weil sie es teilweise nicht begreifen können. Sie sind dem Ganzen schutzlos ausgeliefert. Denn die meisten haben keine Masken, keine Handschuhe und kein Desinfektionsmittel."

Den Kontakt zu ihren Klienten wollen die beiden Frauen wahren. Schließlich gehört zu ihrer Arbeit nicht nur die Essensausgabe, sondern auch die Beratung bei Behördengängen und Anträgen. "Das Leben geht schließlich weiter", sagt Alice Krome und schiebt einen bunt gemusterten Mundschutz über Mund und Nase. Mit Schutz und Abstand sei die Beratung auf der Straße weiterhin möglich, selbst wenn dabei die Privatsphäre nicht so gewährleistet sei wie in der Teestube.

Viele Hilfsorganisationen mussten wegen der Corona-Krise ihre Angebote für Obdachlose einstellen. Gabenzäune können mancherorts helfen.

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Sie lenkt den Transporter vom Hof, vorbei an den Polizeibeamten, Unterwegs halten Krome und Nelles Ausschau nach Obdachlosen, die eventuell in Hauseingängen Zuflucht suchen. Bloß niemanden vergessen.

Wenn das Coronavirus nur ein Problem von vielen ist

Am Platz angekommen, vergeht kaum eine Minute, da nähern sich die ersten Interessenten den beiden Frauen. "Habt ihr mal 'nen Kaffee?", fragt einer. Doch erst mal muss Abstand gehalten werden.

Der Mann tritt zurück, den dampfenden Kaffee in den Händen. Die Haut an seinen Fingern ist rot und trocken. Alice hält ihm ein Stück Kuchen hin: "Hier, wenn du willst." Die Geste ersetzt zwar keine Wohnung, aber sie gibt den Menschen das Gefühl, nicht schon wieder aus dem Raster zu fallen.

Für Obdachlose ist die Situation gerade besonders schwierig.

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Auch Corc Uz nimmt sein Lunchpaket entgegen, greift jedoch noch nicht direkt hinein, sondern verstaut es. Sein Zuhause, eingepackt in einem Rucksack. "Für mich ist die Frage: Wann kriege ich eine Wohnung? Das ist mein größter Wunsch, weil ich arbeiten gehen möchte und meine Zukunft erledigen", sagt er. Das Coronavirus steht auf der Liste seiner Sorgen nicht gerade an erster Stelle. Aber schützen wolle er sich eben doch ein bisschen:

Ich versuche mein Bestes, nichts von anderen Leuten zu trinken, nicht die Hand zu geben. Ich glaube, ich bin gesund.
Corc Uz, Wohnungsloser

Corc Uz schwingt seinen Rucksack auf den Rücken, wirft zum Abschied eine Kusshand. Er muss weiter.

Ein Computermodell des Coronavirus

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