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Wenn neue Fälle "nicht erlaubt" sind

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Chinas Kampf gegen Corona - Wenn neue Fälle "nicht erlaubt" sind

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Präsident Xi hat die Situation unter Kontrolle, China wird den Kampf gegen das Coronavirus gewinnen - so jedenfalls lautet die Botschaft. Sein Volk spielt mit.

Ende der Quarantäne-Maßnahmen in der zentralchinesischen Metropole Wuhan
Ende der Quarantäne-Maßnahmen in Wuhan.
Quelle: Reuters

Frau Feng Xin hat sich für ihren Auftritt hübsch gemacht. Sie ist jetzt für einen kurzen Moment Chinas Gesicht im Kampf gegen das Coronavirus.

Die Chefin der Wohnsiedlung Tan Hualin in Wuhan trägt natürlich eine Maske, dazu ein sportliches Outfit: weiße Jeansjacke, schwarze Hose, unten ausgefranst, und Sportschuhe.

Seit 20 Jahren leitet sie die Wohnsiedlung. Sie ist natürlich Parteimitglied und hat in den letzten zwei Monaten bis zur Erschöpfung gegen das Coronavirus gekämpft.

Gute Zahlen aus Wuhan

"Seit 45 Tagen haben wir keine neuen Fälle", verkündet sie stolz. Den guten Zahlen hat sie ihren Auftritt vor der internationalen Presse zu verdanken, die ihre Kameras und Mikrophone in diesem Moment auf sie gerichtet haben. Sie nutzt sie als Lautsprecher, um die frohe Botschaft von Wuhans Erfolg zu verkünden. Deshalb hat sie das Außenministerium ausgesucht.

Seit dem 23. Januar 2020 war Wuhan abgeriegelt. Nun ist die Stadt "wiedereröffnet":

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Präsident Xi hat die Kontolle

Der chinesische Präsident schwärmt von Kommunistinnen wie Frau Feng Xin, von den Millionen Helfern und Helferinnen, die seine Armee im Vernichtungsfeldzug gegen das Virus sind.

Xi Jinping sitzt in Peking. Aber er und seine Partei haben wie eine Spinne ein Netz über das Land  gesponnen und kontrollieren so die letzten Winkel.

Kein Wort zu Toten

Frau Feng Xin hängt an Xis Faden und weiß, dass sie liefern muss. Sie begräbt die Journalisten unter einem Zahlenwust. Er soll Handlungsstärke beweisen. "5.400 Menschen leben in der Siedlung, 1.956 Familien, 14 Wohnblöcke. 26 Fälle."

Von Toten sagt sie nichts, sondern dass bei jedem, der rein und raus will, Fieber gemessen würde. Mehr hat sie eigentlich nicht zu verkünden. Wenn es nach ihr ginge, wäre der Auftritt wohl jetzt zu Ende.

Die Virus-Zählweise in China sorgt für Zweifel:

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Aber ein Kollege vom amerikanischen Wallstreet Journal will noch wissen, wie sie damit umgehe, dass viele der neuen Infizierten in China, asymptomatische Fälle seien, also Menschen, die zwar krank seien, aber keine Symptome zeigten.

Neue Fälle "nicht erlaubt"

Diese Frage überfordert sie. Sie sagt nur, dass sie doch Fieber messen würden. Aber das helfe bei asymptomatischen Fällen nichts, hakt der Kollege nach, ob sie keine Angst vor neuen Infektionen in ihrer Wohnsiedlung habe? "Nein", sagt sie und lacht. "Weitere Infektionen sind nicht erlaubt."

Ein bemerkenswerter Satz. Als könne irgendjemand weitere Infektionen verbieten. Dieser Jemand heißt in China Präsident Xi. Genau das erwartet er von Frau Feng Xin.

Für jeden neuen Fall macht er sie verantwortlich. Für ihre Parteikarriere hätte das schlimme Folgen. In China wirkt Macht immer von oben nach unten. 

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Ein Triumph für Präsident Xi

Besonders jetzt will Xi strahlend dastehen. Politisch gesehen ist die weltweite Corona-Krise eine willkommene Möglichkeit, das nach dem Hongkong-Desaster ramponierte Image wiederaufzupolieren.

Xi will mit seinem Krisenmanagement die Überlegenheit des Chinesischen Systems beweisen. Im Staatsfernsehen vergeht kein Tag, an dem sich nicht ein ausländischer Regierungschef bei China für die Unterstützung bedankt.

Wie die Millionenstadt Wuhan den Weg zur Normalität angeht:

ZDF-Korrespondent Ulf Röller in Wuhan.

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Genüsslich breiten die Medien das Chaos in den USA bei der Bekämpfung des Virus aus. Der Nationalstolz feiert Feste, weil Amerika Hilfe von Peking benötigt. Die alte Weltmacht braucht die Neue, um die Krise zu bewältigen. Die US-Demokratie erweist sich als zerstritten, als handlungsschwach. Das autoritäre China als entschlossen, skrupellos, siegesgewiss und auch dreist.

Es gehört schon viel Chuzpe dazu, sich so breitbeinig in die Welt zu stellen, nachdem die chinesische Führung das Entstehen des Virus zu Beginn vertuscht hatte.  

Chinas Chance, Stärke zu zeigen

Präsident Xi glaubt fest, dass der Zeitgeist chinesisch spricht. Nach Jahrhunderten der Erniedrigungen durch den Westen fühlt sich China im Aufwind und das Virus gibt ihm die Chance, seine Stärke zu zeigen.

Sehen Sie hier eine Doku-Reihe über Chinas Präsidenten Xi:

China ist zu einer der größten Wirtschaftsmächte der Welt aufgestiegen. Xi Jinping verfolgt dabei einen reinen Staatskapitalismus, der im Westen mit Skepsis und Argwohn betrachtet wird.

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44 min
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Die Bevölkerung beweist Gefolgschaft und Gehorsam. In Wuhan haben sich die Menschen zwei Monate nicht bewegen dürfen. Sie wurden weggesperrt, ohne sich öffentlich zu beschweren. In Deutschland undenkbar.

Das Volk spielt mit

Ein Beispiel: Herr Zheng, der Wärter des gelben Kranichs, ein Turm, den jedes Kind in China kennt. Vor mehr als 1.800 Jahre gebaut, wurde er immer wieder zerstört und immer wieder neu aufgebaut. Er steht für Chinas Machtkämpfe und blutrünstige Geschichte.

An seinem Fuße hat Herr Zheng Stellung bezogen. Zwei Monate lang, während der gesamten Quarantäne, passte er auf, saß in seinem Häuschen und beobachtete das Nichts. Er durfte nicht weg. So lautete der Befehl.

Die Stimmung in Wuhan: zwischen Angst und Zuversicht:

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Er beklagte sich nicht. Das kam ihm nicht in den Sinn. Nur ein wenig Sorge um seine Frau und sein Kind machte er sich. Die warteten zu Hause auf ihn. Am Befehl aber zweifelte er nicht, so wie er auch nicht daran zweifelt, dass die Epidemie besiegt ist.

"Manchmal bin ich einsam", sagt er ein wenig traurig, um dann gleich nachzuschieben. "Aber da müssen ja alle Chinesen durch, man soll nicht nur an sich denken."

Chinas Heiligkeit

Dieser Mentalität begegnet man immer wieder. Das Volk dient den Mächtigen, der Sache, ist stolz auf Chinas Aufstieg und loyal zu seinen Führern. Von klein auf werden sie dazu erzogen. Der Sieg über das Virus ist ein Sieg, dem die Chinesen ihrem Präsidenten zu verdanken haben. So die Melodie, die Xi Tag ein, Tag aus spielen lässt.

Als die Ärzte, die in der Corona-Krise aus anderen Provinzen nach Wuhan eilten, vor wenigen Tagen die Stadt verließen, sangen sie noch ein altes Revolutionslied. Darin die Zeile: "Die kommunistische Partei führt das chinesische Volk in die Helligkeit."

Präsident Xis Traum ist, die ganze Welt mit Chinas Helligkeit zu infizieren.       

Ein Computermodell des Coronavirus

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