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Herkunft von SARS-CoV-2 - Neue Argumente für Labor-Theorie?

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US-Medien berichten, das neue Coronavirus könne aus einem Labor in Wuhan stammen. Belastbar sind diese Hinweise nicht. Wissenschaftler gehen von einem natürlichen Ursprung aus.

Passantin vor dem geschlossenen Fischmarkt in Wuhan
Hier könnte die Pandemie begonnen haben: Der geschlossene Fischmarkt von Wuhan im Januar 2020.
Quelle: epa

Seit Beginn der Corona-Krise in China steht das Wuhan Institute of Virology (WIV) im Fokus von Mutmaßungen. Das Labor im chinesischen Wuhan, dem ersten Epizentrum der Covid-19-Pandemie, befasst sich seit Jahren mit der Erforschung verschiedener Coronaviren.

In sozialen Medien hält sich darum seit Monaten der unbestätigte Vorwurf, das Virus sei eine vom chinesischen Staat gezüchtete biologische Waffe.

US-Medien verweisen auf anonyme Quellen

Neue Medienberichte aus den USA unterstellen dem chinesischen Labor zwar keine Absicht, werfen dem Labor nun aber eine versehentliche Freisetzung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 vor - und dem chinesischen Staat, dass er diese Herkunft vertuscht.

Unter Berufung auf anonyme Quellen schreibt der US-Fernsehsender "Fox News" am Donnerstag: "Es gibt die wachsende Überzeugung, dass der Covid-19-Ausbruch seinen Ursprung in einem Labor von Wuhan hatte. Nicht als biologische Waffe, sondern als Teil von Chinas Bemühungen, zu beweisen, dass seine Bemühungen, Viren zu erkennen und zu bekämpfen, ebenbürtig oder besser seien als die Fähigkeiten der Vereinigten Staaten."

Auf diese Berichterstattung angesprochen, sagte US-Präsident Donald Trump in einer Pressekonferenz, dass man "diese Geschichte immer öfter höre". Konkrete Details nannte Trump nicht.

Außenminister Maas: "Nicht ausschließen, dass sich WHO mit diesen Fragen auseinander setzen muss"

Ob also tatsächlich neue Erkenntnisse etwa von US-Geheimdiensten vorliegen, oder Trump sich mit seiner Aussage lediglich auf die Medienberichterstattung von "Fox News" am gleichen Tag berief, blieb unklar. Bereits in der Vergangenheit war der unbestätigte Vorwurf, das Virus entstamme einem Labor, häufig Thema des konservativen US-Senders.

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas äußerte sich im "heute journal" vom Donnerstag vorsichtig zu den Vorwürfen. Er könne nicht ausschließen, dass sich die WHO mit diesen Fragen auseinandersetzen müsse. Die steht gerade jedoch ebenfalls in der Kritik, zu China-hörig zu sein.

In der Coronakrise die WHO infrage zu stellen oder ihre Finanzierung zu kappen, findet Außenminister Maas nicht nachvollziehbar. Er sei nicht der Auffassung, dass sie alles richtig mache, aber ein Rückzug aus der WHO sei kein "besonders geeigneter Weg".

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Am Dienstag berichtete die "Washington Post" über diplomatische Depeschen aus dem Jahr 2018, in denen US-Beamte Sorgen bezüglich der Arbeitssicherheit in besagtem chinesischem Labor äußerten. Die Forschung an Coronaviren von Fledermäusen berge die Gefahr einer neuen SARS-ähnlichen Pandemie, so das Dokument laut "Washington Post".

In der chinesischen Stadt Wuhan gab es mehr als 50.000 Infizierte und über 2.500 Tote. Seit dem 23. Januar 2020 war die Stadt abgeriegelt. Nun ist Wuhan "wiedereröffnet".

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Labor in Wuhan ist Chinas einziges mit höchster Sicherheitsstufe

Zwischen 2004 und 2007 wurde China mehrfach Opfer von Epidemien wie SARS. Der Ausbau des WIV zur höchsten Sicherheitsstufe im Jahr 2015 in Kooperation mit einem französischen Forschungsinstitut war eine direkte Reaktion darauf: China wollte sich besser gegen zukünftige Viren aus der Corona-Familie absichern.

Das WIV ist nach eigenen Angaben das einzige offiziell bekannte Labor in China, das die höchste biologische Schutzstufe BSL-4 erfüllt und damit auch mit den gefährlichsten Erregern arbeiten darf.

Ein Sprecher des chinesischen Außenministerium betonte am Donnerstag:

Es hat nie eine Vertuschung gegeben, und wir werden nie eine Vertuschung zulassen.

Die WHO habe mehrfach gesagt, dass es keinen Beleg dafür gebe, dass das neue Coronavirus in einem Labor entstanden ist, so der Sprecher.

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Forscher gehen bislang von natürlicher Quelle aus

Erste wissenschaftliche Studien stützen bislang die Theorie, dass das Virus einen natürlichen Ursprung habe und auf einem belebten Markt auf den Menschen übergesprungen sein könnte.

Ein internationales Forscherteam hat das Genom des aktuellen Coronavirus untersucht und die Ergebnisse Mitte März im Fachjournal "Nature Medicine" publiziert. Sie kommen zu dem Schluss, dass "SARS-CoV-2 kein Laborkonstrukt oder gezielt manipuliertes Virus" sein könne.

Auch ein Artikel des Fachjournals "The Lancet" verweist auf zahlreiche Studien, die zu dem Schluss gekommen seien, dass dieses neue Coronavirus einen natürlichen Ursprung in Wildtieren habe. Eine weitere Studie von Mitte Februar in "The Lancet" legt nahe, dass der Infektionsschwerpunkt der ersten erkrankten Patienten ein Fischmarkt in der Stadt Wuhan war.

Die Corona-Krise hat Chinas Wirtschaft schrumpfen lassen – zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten. Das hat auch für Europa Folgen.

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Keine wissenschaftlichen Belege für Labor-Theorie

In etablierten Journalen veröffentlichte Untersuchungen, die besagen, das Virus stamme aus einem Labor, gibt es bislang nicht.

Die in dieser Woche neu bekannt gewordenen Hinweise sind kein zweifelsfreier Beleg der Labor-Theorie. Sie basieren auf vagen anonymen Quellen und allgemeinen Sicherheitshinweisen. Sie können darum auch nicht weiter verifiziert und überprüft werden. Die vorliegenden Daten sprechen aktuell für einen natürlichen Ursprung.

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