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Rechte US-Netzwerke streuen die Labor-Theorie

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Herkunft des Coronavirus - Rechte US-Netzwerke streuen die Labor-Theorie

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Die Studie einer exil-chinesischen Forscherin zum Ursprung des Coronavirus macht Schlagzeilen. Das ist sorgfältig orchestriert vom früheren Präsidentenberater Steve Bannon.

Yan Li-Meng
Hat enge Verbindungen zu rechten US-Politikern: Die geflüchtete Forscherin Yan Li-Meng.
Quelle: ITV

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie steht die Frage im Raum, ob das Virus natürlichen Ursprungs ist, oder auch aus einem Labor im chinesischen Wuhan ausgebrochen sein könnte.

Neuen Schub hat diese von der Mehrheit der Wissenschaftswelt und offiziellen Organisationen bislang verworfene Theorie durch eine neue Veröffentlichung einer bereits im April in die USA geflohenen chinesischen Forscherin erhalten.

In einer online veröffentlichten und nicht peer-reviewten Studie schreibt die Virologin Yan Li-Meng, sie habe bei der Analyse des Virus bestimmte Strukturen identifizieren können, die eine menschliche Manipulation des Virus – und damit eine Labor-Herkunft – belegen würden.

Auch in Deutschland erhält die Veröffentlichung große mediale Aufmerksamkeit.

Was sind die Vorwürfe der Autorin?

In ihren zahlreichen Medienauftritten behauptet Yan, die bislang als Forscherin an der Universität Hongkong (HKU) zu Infektionskrankheiten gearbeitet hat, Belege für eine Labor-Herkunft schon vor Monaten gefunden zu haben. Diese Ergebnisse seien von ihrer Universität missachtet und von ihrem Computer gelöscht worden, so Yan.

Yan sagt, sie sei von einem HKU-Professor im Dezember 2019 mit einem Geheimauftrag versehen worden, als eine der ersten Forscher das neue Virus zu untersuchen. Die Universität und der benannte Professor haben dieser Darstellung widersprochen. Yan hätte im besagten Zeitraum zwischen Dezember und Januar keinerlei Forschung zu diesem Thema betrieben.

Archiv: Der geschlossene Fischmarkt von Wuhan, aufgenommen am 27.01.2020

Herkunft von SARS-CoV-2 -
Neue Argumente für Labor-Theorie?
 

US-Medien berichten, das neue Coronavirus könne aus einem Labor in Wuhan stammen. Belastbar sind diese Hinweise nicht. Wissenschaftler gehen von einem natürlichen Ursprung aus.

von Nils Metzger

Wie reagieren andere Wissenschaftler?

Die überwältigende Mehrheit der Experten, Forscher und Regierungen weltweit halten eine natürliche Entwicklung des Virus für den wahrscheinlichsten Ursprung. Zu dieser Einschätzung kommen sie auf Basis mehrerer wissenschaftlicher Studien, die in den vergangenen Monaten in verschiedenen wissenschaftlichen Journalen veröffentlicht wurden.

Die Korrektheit von Yans Genomanalyse des Coronavirus kann ausschließlich von Forschern beurteilt werden. Das Urteil etablierter Experten auf Twitter in den vergangenen Tagen war jedoch eindeutig negativ:

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Yan behauptet in ihrem neuen Papier, etablierte Journale würden gezielt abweichende Meinungen unterdrücken – ohne jedoch zu beschreiben, wie das konkret funktionieren soll. Dass alle weltweit führenden medizinischen Fachjournale unabhängig voneinander unter Mitwisserschaft von unzähligen Forschern gezielt bestimmte Meinungen zu einem kontroversen Thema zensieren, ist nur schwer vorstellbar und praktisch nicht durchführbar.

Renommierte Journale wie Nature und The Lancet veröffentlichten zuletzt im März und Mai Forschungsarbeiten zum Coronavirus, an denen Yan beteiligt war. Sie ist also in diesem Forschungsgebiet etabliert und wurde von jenen Fachmagazinen publiziert, denen sie aktuell vorwirft, ihre Arbeit zu unterdrücken.

Auch beruft sich Yan in ihrem am Montag veröffentlichten Papier auf eine bunte Mischung aus wissenschaftlichen Quellen und abseitigen Blogbeiträgen und obskuren Nachrichtenseiten wie "gmwatch.org" oder "nerdhaspower.weebly.com".

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Wer steckt hinter der Yan-Studie?

Es bestehen klare Verbindungen zwischen der Yan-Studie, dem prominenten Exil-Chinesen Guo Wengui und einflussreichen US-Rechten wie dem Ex-Präsidentenberater Steve Bannon.

In der Studie werden Yan und ihre drei Co-Autoren als Vertreter einer Organisation namens "Rule of Law Society" bezeichnet. Diese in New York ansässige Organisation gehört dem exil-chinesischen Geschäftsmann Guo Wengui, der auch mehrere Nachrichtenseiten betreibt, die sich kritisch mit der chinesischen Diktatur befassen – dabei aber auch viele Falschinformationen verbreiten und eindeutig dem extrem rechten Spektrum in den USA zuzuordnen sind.

Seit mehreren Tagen berichten mehrere von Guos Social Media Kanälen wie "Voice of Guo" oder "GNews" quasi ausschließlich Inhalte zu Yans neuer Studie. Guo betreibt diese Plattformen in enger Zusammenarbeit mit Steve Bannon. Das Twitter-Titelbild von "Voice of Guo" zeigt etwa Bannon und Guo beim gemeinsamen Gebet. Bannon wurde am 20. August auf Guos Yacht wegen Betrugsvorwürfen kurzzeitig festgenommen.

Das Twitter-Profil von Voice of Guo mit Steve Bannon und Guo Wengui beim Beten und einem Bericht über Yan Li-Meng darunter
Das Twitter-Profil von Voice of Guo mit Steve Bannon und Guo Wengui beim gemeinsamen Beten
Quelle: Twitter

Guo tritt regelmäßig in Bannons Podcasts auf, etwa in "War Room: Pandemic" vom 21. Februar. Die Sendung wurde von Youtube wegen der Verbreitung von Falschinformationen gelöscht. Auch damals ging es um die Labor-Theorie. Auch am 29. Juli traten Bannon, Yan und der unter Regimegegnern einflussreiche chinesische Journalisten Lude Fangtan gemeinsam in einer weiteren Ausgabe von "War Room: Pandemic" auf.

Youtube-Sendung von Lude Fangtan, auf dem er ein Foto zeigt, auf dem er, Rudy Giuliani, Steve Bannon und Yan Li-Meng zu sehen sind
Youtube-Sendung von Lude Fangtan, mit einem Foto, das ihn und Rudy Giuliani im Vordergrund, Steve Bannon und Yan Li-Meng klein im Hintergrund zeigt.
Quelle: YouTube
Twitter-Profil der Forscherin Yan Li-Meng
Inzwischen gelöschtes Twitter-Profil der Forscherin Yan Li-Meng
Quelle: Twitter

In seiner eigenen Youtube-Sendung zeigte Lude am 10. September Fotos, auf denen er, Rudy Giuliani, Anwalt von US-Präsident Donald Trump, Steve Bannon und Yan Li-Meng gemeinsam zu sehen sind. "GNews" publizierte höher aufgelöste Versionen der Fotos, auf denen mehr Details zu erkennen sind. Am Tag vor der Publikation ihrer Studie trat die Forscherin Yan im Podcast von Giuliani auf und warb für ihre Thesen.

Ein im September neu eingerichteter englischsprachiger Twitter-Account Yans wurde von Twitter nach kurzer Zeit gesperrt. Zum Hintergrund der drei Autoren neben Yan ist bislang nichts bekannt, lediglich sie trat bislang öffentlich in Erscheinung.

Fazit

Inhaltlich kann das Paper von Yan Li-Meng nur von anderen Wissenschaftlern überprüft werden. Deren erste Reaktionen waren durchweg kritisch. Die große Öffentlichkeit, die Yan gerade erfährt, ist von einflussreichen Gegnern der chinesischen Regierung um Steve Bannon bewusst geplant.

Ein Modell eines Körpers mit Organen.

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