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Übertragung von Tier auf Mensch - Artenschutz als Helfer im Kampf gegen Viren

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Corona ist nur ein Krankheitserreger von vielen, die vom Tier auf den Menschen übertragen wurden. Forscher glauben, die Gefahr nimmt zu. Ein Grund dafür ist das Artensterben.

Das neuartige Coronavirus breitet sich aus. Krisenstäbe sind eingerichtet, Eindämmungsstrategien laufen auf Hochtouren. Doch wie entstehen gefährliche Viren wie Corona, Ebola und Co.?

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Bei der Frage, woher genau das neue Coronavirus SARS-CoV-2 eigentlich kommt, tappt die Wissenschaft weitgehend im Dunklen. Die Spur führt auf einen Markt im chinesischen Wuhan, auf dem Wildtiere angeboten wurden. Und es gibt einen Verdacht, was die ursprüngliche "Quelle" angeht. "Wir finden sehr ähnliche Viren in Fledermäusen", erklärt Professor Isabella Eckerle vom Zentrum für Viruserkrankungen der Universität Genf. Ob allerdings das Virus von einer Fledermaus direkt auf den Menschen übertragen wurde, oder ob es ein weiteres Tier als Zwischenwirt gegeben hat, sei bislang unklar.

Virus macht Kopien von sich selbst

Dass neue Krankheiten von Wildtieren auf Menschen überspringen, ist keine Seltenheit. Wenn man so will, liegt es in der Natur eines Virus, neue Wirte zu finden. Hat ein Virus die Wirtszelle eines Tieres befallen, programmiert es sie um, sodass diese Kopien des Virus produziert. Diese verlassen dann die Wirtszelle und befallen andere Zellen. Das Tier wird krank. Viren tragen auf ihrer Oberfläche Strukturen, ähnlich wie Schlüssel. Nur Viren mit einem passenden Schlüssel können in eine Wirtszelle eindringen. Das schließt die Übertragung auf andere Arten, bei denen der Schlüssel nicht passt, normalerweise aus.

 

Grafikvideo: Warum sind Viren so gefährlich?

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Beim Kopiervorgang machen die Wirtszellen aber Fehler. Andere Schlüssel entstehen, die nun zufällig bei anderen Arten passen. Krankheiten, die eigentlich nur bestimmte Tiere befallen, können so auch auf den Menschen übertragen werden. Solche Infektionskrankheiten, die die Artenschranke überwinden, werden Zoonosen genannt. Wissenschaftler wollen nun genauer wissen, was dabei passiert. "Wir werden durch unsere Forschung nicht die Zoonosen aus der Welt schaffen", sagt Professor Simone Sommer, Zoologin an der Universität Ulm.

Aber was wir möchten, und ich denke, was wir auch erreichen können, ist, dass wir die Ursachen und Mechanismen verstehen.
Simone Sommer, Zoologin

Mensch stört intakte Ökosysteme

Eine überraschende Erkenntnis: Daran, dass Zoonosen zunehmen, hat der Mensch ganz offenbar Mitschuld - nicht nur, weil er den Lebensräumen vieler Tiere immer näher kommt. Er stört intakte Ökosysteme und sorgt dafür, dass die Artenvielfalt immer weiter abnimmt. Und das hat auch für die Übertragung von Viren Konsequenzen.

Forschungen der Uni Ulm haben ergeben, dass sich im ungestörten Regenwald Tiere und Tierarten gut verteilen und gut durchmischen. Viren finden so viel schwieriger passende Wirte. Das führt früher oder später zu einem Stopp der Ausbreitung. Eine Vielzahl der Arten verringert damit auch das Risiko, dass sich die Krankheit am Ende auch auf den Menschen überträgt, erklärt Professor Sommer.

Artenvielfalt als Schutz vor Zoonosen

In vom Menschen gestörten Lebensräumen ist das anders. Gibt es weniger Arten, hat es das Virus leichter, sich auszubreiten. Oft haben außerdem Tierarten Kontakt, die in intakten Ökosystemen nie aufeinandertreffen würden.

Was wir aus unserer Arbeit lernen, ist, dass Umweltschutz, Naturschutz, Vermeidung der Abholzung von Regenwäldern der beste Schutz vor Zoonosen ist.
Simone Sommer, Zoologin an der Universität Ulm

Viele der neuen Krankheiten entstehen in Afrika, sagen die Forscher. Ein Grund: Auf Märkten wird traditionell "Bushmeat", also Wildtiere wie Affen und Antilopen, verkauft. Fleisch wird meist nur kurz über offenes Feuer gehalten, sodass es in Teilen roh bleibt und Erreger nicht abgetötet werden. Beim Schlachten oder Essen könnten neue Viren dann die Artengrenze überwinden. Gut möglich, dass es so auch auf dem Markt in Wuhan passiert ist.

"Haben steile Lernkurve vor uns"

Gut möglich auch, dass es beim neuen Coronavirus künftig nicht bleiben wird. "Wir wissen, dass Wildtiere eine große Diversität an Viren in sich tragen", so Professor Eckerle. "Viele von ihnen kennen wir noch gar nicht." Zoonosen stellen die Wissenschaftler deshalb immer wieder vor neue Herausforderungen.

So wie jetzt bei der aktuellen Corona-Pandemie. Wie genau sieht die Krankheit aus? Wie ansteckend ist das Virus? Wie wird es übertragen? "Wir haben im Moment noch eine sehr steile Lernkurve vor uns", sagt die Virologin.

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