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Virologe Alexander Kekulé - Wie eine zweite Welle verhindert werden kann

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Wissenschaftler warnen vor einer zweiten Infektionswelle. Stets mit dem Fokus auf die so genannte Reproduktionszahl. Die ist für den Virologen Kekulé aber nicht so entscheidend.

ZDFheute: Herr Kekulé, wie bewerten Sie die aktuellen Infektionszahlen?

Alexander Kekulé: Wir haben rückläufige Infektionszahlen auf einem im Moment vergleichsweise niedrigem Niveau. Wir sind auf dem richtigen Weg. Wir können aber offensichtlich mit diesem Lockdown, den wir machen, leider - ich hätte mir mehr gewünscht - nicht mehr erreichen, als das was hier gerade rauskommt. Niedriger wird es nicht gehen.

ZDFheute: Derzeit ist die sogenannte Reproduktionszahl, also die Anzahl der Personen, die im Durchschnitt von einem Fall angesteckt werden, in aller Munde. Wie bewerten Sie den Fokus auf diese Zahl?

Kekulé: Ich bin total dagegen, diese Zahl R als "goldenes Kalb" zu verehren. Diese Zahl R ist ein bundesweiter Mittelwert, der den Erfolg der Eindämmung nur sehr grob widerspiegelt. Viel wichtiger ist die Frage: Wo sind die lokalen Ausbrüche? So lange wir noch Ausbrüche in Heimen oder Krankenhäusern haben, sind unsere Gegenmaßnahmen nicht ausreichend. Auch die so genannte Verdopplungszeit ist aus epidemiologischer Sicht ein in der jetzigen Phase ungeeigneter Wert, um Maßnahmen zu steuern.

ZDFheute: Können Sie diesen Gedanken konkretisieren?

Kekulé: Das R ist sicherlich ein guter Indikator für die Gesamtentwicklung. Im Kleinen kommt es aber darauf an, wie viele Ausbrüche wir ganz konkret wo haben.

Nehmen wir mal das Beispiel aus dem Asylbewerberheim in Halberstadt: Da haben wir innerhalb kürzester Zeit 150 Corona-Infektionen, das verhagelt Ihnen natürlich das bundesweite R enorm. Das wirkt sich auf das R aus. Der Ausbruch ist aber natürlicherweise begrenzt, weil die alle in diesem Heim sind. Und deshalb muss man das differenziert sehen.

Im ZDF-Morgenmagazin hat Alexander Kekulé über den Schutz von Gesichtsmasken gesprochen - und die Reproduktionszahl:

ZDFheute: Sehen Sie eine zweite Infektionswelle auf uns zurollen?

Kekulé: Wenn wir wachsam bleiben, können wir eine große zweite Welle verhindern. Wir werden immer wieder einzelne Ausbrüche haben und die schlimmsten von allen werden wohl in Altersheimen sein, weil hier viele Menschen besonders schwer erkranken.

Das Zünglein an der Waage für die Entscheidung zur Lockerung von Maßnahmen ist die Frage, wie gut unsere Risikogruppen geschützt sind, zumindest zunächst einmal die Ü70. Dazu höre ich aber keine konkreten Informationen.

ZDFheute: Welche Maßnahmen wünschen Sie sich von der Politik?

Kekulé: Wir müssen die Alten schützen, die Menschen in Altersheimen und die Menschen, die zuhause leben und über 70 sind. Nicht, dass ich es darauf begrenzen will.

Aber statt immer nur das R vorzulesen, wünsche ich mir konkrete Ansagen wie: "Wir haben alle Altersheime gesichert, wir haben alle Tagesstätten für Alte gesichert. Und wir haben ein Programm für alleinwohnende Alte, die keine Verwandten haben, die ihnen helfen."

Risikopersonen sollten FFP2-Masken bekommen, um sich besser schützen zu können, ohne ihre Freiheiten zu weit einschränken zu müssen.

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ZDFheute: Wagen Sie einen Blick in die Zukunft?

Kekulé: Ehrlich gesagt befürchte ich, dass uns das Thema Masken und allgemeine Hygienevorschriften - damit meine ich vor allem Distanz zu Fremden halten, also das Gegenteil von Oktoberfest - wahrscheinlich noch ein ganzes Jahr beschäftigen werden.

Das Interview führte Julia Lösch.

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