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Kommt nach dem Urlaub die zweite Welle?

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Virologe Alexander Kekulé - Kommt nach dem Urlaub die zweite Welle?

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Die Corona-Fallzahlen steigen in mehreren Urlaubsländern. Könnte das eine zweite Welle begünstigen? Virologe Alexander Kekulé sagt bei ZDFheute: Das hängt vom Urlauber ab.

Touristen feiern auf Mallorca ohne Sicherheitsabstand.
Touristen feiern auf Mallorca ohne Sicherheitsabstand.
Quelle: Michael Wrobel/Birdy Media/dpa

ZDFheute: Das Coronavirus kehrt zurück in beliebte Reiseländer. Platzt damit der Sommerurlaub 2020?

Alexander Kekulé: Ich glaube nicht, dass das grundsätzlich eine Gefahr darstellt, solange sich die Menschen im Urlaub vernünftig verhalten. Die Wahrscheinlichkeit, eine importierte Infektion durch Kontakt mit einem Kellner oder jemandem aus dem Hotel zu bekommen, schätze ich gering ein.

Der typisch deutsche Urlauber fährt ja auch gerne in ein Hotel, verbringt dort eine entspannende Zeit und hat nicht unbedingt intensiven Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung.

Kommt nach dem Urlaub die zweite Welle?

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ZDFheute: Der Ballermann macht wieder dicht, in Kroatien oder Griechenland steigen die Infektionszahlen. Droht durch Urlauber eine mögliche zweite Welle, die nach Deutschland schwappt?

Kekulé: Die Gefahr von Einschleppung ist meines Erachtens sehr gering. Die viel größere Gefahr entstünde, wenn sich Menschen unvernünftig verhalten, was man gerade aus Mallorca gehört hat, dass dort Angetrunkene überhaupt keine Regeln mehr befolgen.

Gleichzeitig muss man daran erinnern, dass man im Sommerurlaub meist an der frischen Luft ist, im Freien, mit Luftzirkulation. Da ist die Infektionsgefahr nicht sehr groß.

Ich mache mir keine großen Sorgen, wenn ich sehe, dass viele Menschen auf der Straße sind, sofern sie nicht dicht gedrängt stehen.

Auch nicht, wenn Menschen am Strand liegen. Da ist es auch vielleicht etwas übertrieben, wenn Behörden die Maskenpflicht überall im öffentlichen Raum anordnen.

Das Problem sehe ich eher abends, wenn die Menschen in geschlossenen Räumen sind, wo es keine oder kaum Lüftung gibt und es voll ist. Da müssen wir damit rechnen, dass ein Infizierter im Raum sehr viele andere anstecken kann.

Touristen feiern auf der Bierstraße - ohne Masken und ohne Einhaltung der Abstandsregeln.

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Solche Ausbrüche durch sogenannte 'Super Spreader' sind es, worum wir uns sorgen müssen. Und in Folge eines solchen Ausbruchs können natürlich auch Urlauber die Krankheit in ganz viele Regionen zurücktragen. Das ist dieses Phänomen, wie wir es in Ischgl beobachtet haben.

ZDFheute: Ist ein wellenartiger Verlauf typisch für eine Pandemie?

Kekulé: Das ist eine gute Frage. Wir haben ja eine Pandemie, so wie wir sie jetzt haben, noch nie beobachtet. Und daher wissen wir nicht, ob diese Feinheiten typisch sind. Ich spreche nicht so gern von einer Welle. Das Bild ist meiner Ansicht nach falsch.

Erstens hat man dadurch den Eindruck, dass alle zugleich überrollt werden und zweitens, dass man fast nichts dagegen machen könnte, wenn so ein Tsunami kommt. Hier ist es doch eher so, dass wir einzelne Ausbrüche haben.

Tönnies in Gütersloh ist da ein gutes Beispiel. Wenn es nach einem für längere Zeit unbemerkten Ausbruch auf einmal sehr viele Infizierte gibt, können diese die Infektion relativ weit ins Land hineintragen.

Dann hat man plötzlich wieder eine Situation, wie wir sie in Deutschland vor dem Lockdown hatten.

Wir müssen damit rechnen, dass einzelne, gefährliche Ausbrüche übersehen werden. Das kann im Urlaub passieren, aber auch genauso bei uns zu Hause.

ZDFheute: Sollte denn allgemein mehr getestet werden? Auch in den Urlaubsländern?

Kekulé: Ich bin ein sehr großer Verfechter des massiven Testens. Ich bin der Meinung, dass wir mittelfristig mit dieser Pandemie, bis wir einen Impfstoff bekommen, nur klar kommen, wenn wir in jeder Situation ohne Voraussetzungen testen können, also beispielsweise Hotelpersonal oder Menschen, die aus welchem Grund auch immer eng zusammen sind.

Das kann eine Fußballmannschaft sein, aber auch eine Hochzeitsgesellschaft. Das sind Konzepte, die man zwar noch ausarbeiten muss, die aber durchaus sinnvoll sein können, weil wir Wege finden müssen, mit diesem Virus zu leben. Und so ein Rachenabstrich ist ja überhaupt kein Eingriff.

Aber wenn man das Ergebnis in 20 Minuten hat und die Kosten gering sind, könnte das unser Leben ganz massiv verändern, weil wir eine unsichtbare Gefahr dadurch sichtbar machen. Das beinhaltet natürlich auch Tests am Urlaubsort.

Das Interview führte Julia Lösch.

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