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Darum rechnen Experten mit einer zweiten Welle

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Sorge von neuen Infektionen - Darum rechnen Experten mit einer zweiten Welle

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Der Präsident des Robert-Koch-Instituts rechnet mit einer zweiten oder gar einer dritten Infektionswelle in der Corona-Krise. Das sind die Gründe, warum sie kaum zu vermeiden ist.

Beatmungsmaschine.
Werden vermutlich im Herbst wieder öfter gebraucht: Beatmungsgeräte zur Behandlung von Covid-19-Erkrankten.
Quelle: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Das Robert-Koch-Institut (RKI) rechnet in der Corona-Krise fest mit weiteren Ansteckungswellen. "Das ist eine Pandemie. Und bei einer Pandemie wird dieses Virus so lange Krankheiten hervorrufen, bis 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infiziert sind", bekräftigte RKI-Präsident Lothar Wieler. Es werde "mit großer Sicherheit" eine zweite Welle geben, dessen sei sich die Mehrheit der Wissenschaftler sicher.

Viele gehen gar von einer dritten Welle aus, so Wieler. Deshalb werde auch die geplante App zur Kontaktnachverfolgung von Infizierten zu einem späteren Zeitpunkt noch gebraucht werden. Auch Charité-Virologe Christian Drosten warnte bereits vor zwei Wochen vor einer neuen Welle, die Deutschland mit größerer Wucht treffen könnte als bisher.

Was für eine zweite Welle spricht

Es gibt mehrere Faktoren, die die Wissenschaftler zu diesen Annahmen bringen. Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik für Infektiologie in der München Klinik Schwabing erklärt auf Anfrage von ZDFheute:

  1. Jahreszeiten: Die Bedingungen für eine Infizierung und eine Erkrankung seien im Herbst günstiger als im Sommer. UV-Licht und höhere Temperaturen könnten Viren abtöten und würden das Coronavirus vermutlich im Sommer etwas eindämmen. "Ohne einen Impfstoff werden die Infektionen aber nie auf Null sinken." Im Herbst seien die Temperaturen dann wieder günstiger für das Virus und auch die Immunsysteme der Menschen anfälliger für Krankheiten.
  2. Lockerungen der Restriktionen: Der zweite und wichtigere Faktor seien die Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen. Anders als bisher würden sich die Infektionen nicht mehr an einzelnen Hotspots sammeln, sondern die "Brandherde flächendeckender" werden, prognostiziert Wendter. Auch der vermutlich im Sommer wieder startende Reiseverkehr werde eine Rolle spielen.
Ein Computermodell des Coronavirus

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Kann eine Mutation des Virus eine zweite Welle auslösen?

Eine Mutation des Coronavirus spiele im Moment keine Rolle, meint Wendtner. Dazu muss man wissen, dass ein Virus in der Regel nur mutiert, wenn es einen Grund dafür hat: Biologen sprechen dann von einem Mutationsdruck. Da aktuell noch sehr wenige Menschen immunisiert sind in der Bevölkerung, etwa durch eine durchlebte Erkrankung an Covid-19, kann sich das Virus frei bewegen. Mutationen werden also erst zu einem Thema, wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung durch Antikörper immun sind gegen das Virus.

Ist es möglich, die zweite Welle zu verhindern?

In der Politik wurde zur Bekämpfung der Corona-Pandemie "Hammer and Dance"-Konzept diskutiert: "Hammer" bedeutet strenger Lockdown mit Kontaktbeschränkungen, "Dance" sind die Lockerungen. "Der Modus des Tanzens funktioniert bei einer Reproduktionszahl von 0,2 bis 0,3. Unsere aktuelle 0,7 ist davon noch weit weg", meint Chefarzt Wendtner. Dennoch würden jetzt schon in vielen Bundesländern Regeln gelockert.

Um die zweite Welle zu verhindern, müsste der strenge Lockdown noch bis zum Herbst durchgehalten werden. Als Epidemiologie, meint Wendtner, wäre das die "puristischste Lösung". Doch auch er weiß, dass Menschen und Wirtschaft das nicht schaffen können.

Ewig mit dem Lockdown leben? Keine wirkliche Option – doch droht uns nach den Lockerungen eine zweite Infektionswelle? Die Corona-Sprechstunde mit dem Virologen Martin Stürmer.

Beitragslänge:
21 min
Datum:

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

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von Ulf Röller
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