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Im Einsatz gegen die Flammen

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Deutsche in Australien - Im Einsatz gegen die Flammen

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Harald Walter und Michael Ihm sind zwei von Tausenden Feuerwehrmännern, die in Australien gegen die Buschfeuer kämpfen. Die beiden Einwanderer aus Deutschland sind unentbehrlich.

Deutsche Rentner bei der Feuerwehr in Australien
Harald Walter (82) und Michael Ihm (79) sind bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv.
Quelle: ZDF

Zwei Bierkartons stehen vor dem Feuerwehrhaus in Mountain Lagoon, einer Ansammlung von ein paar Häusern mitten im Wald, mitten in den Blue Mountains. Ein Unbekannter hat mit Filzstift "Thank you" darauf geschrieben und sie vor dem verschlossenen Rolltor abgelegt. Ein stiller Dank für die unermüdliche Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr in dem verschlafenen Nest, eineinhalb Autostunden von Sydney entfernt.

Harald Walter und Michael Ihm ziehen die Rollläden hoch und tragen das Bier hinein. Sie freuen sich über die Wertschätzung, die ihnen entgegengebracht wird. Dann sind die beiden Deutschen bereit für den nächsten Einsatz in ihren australischen Uniformen und steigen in das Einsatzfahrzeug. Schon seit Jahren engagieren sie sich bei der Freiwilligen Feuerwehr von Mountain Lagoon, doch die vergangenen Wochen haben sie gefordert wie noch nie. Dabei sind die beiden Auswanderer schon längst im Rentenalter. "Aber wir können doch jetzt nicht sagen, dass wir nicht mehr wollen. Wir müssen doch helfen", sagt Harald Walter, 82 Jahre alt und gebürtiger Thüringer. "Gerade jetzt benötigen wir jeden Mann", sagt Michael Ihm, drei Jahre jünger und aus Rheinland-Pfalz.

Wichtige Helfer im Kampf gegen die Flammen

Denn die verheerenden Buschfeuer haben auch rund um Mountain Lagoon gewütet. Wochenlang rückten Michael Ihm und Harald Walter zu Einsätzen aus, zum Teil mehrere Fahrtstunden von ihrem Wohnort entfernt. Sie löschten Brände, schlugen Schneisen in den Wald und räumten Hindernisse aus dem Weg. Dass sie auch noch im hohen Alter helfen, ist für sie eine Selbstverständlichkeit. Michael Ihm muss lachen, dann sagt er: "Wir machen weiter, so lange wir ohne fremde Hilfe in das Feuerwehrauto hineinkommen."

Sie können nur versuchen, das Feuer einzudämmen.
Michael Ihm, freiwilliger Feuerwehrmann

Die Feuerwehr von Mountain Lagoon zählt auf ihre deutschen Helfer. Sie ist ein typische Dorffeuerwehr, ein Treffpunkt der Bewohner, mit Bildern vergangener Einsätze an den Wänden und einem gut gefüllten Kühlschrank. Zwei Einsatzfahrzeuge haben sie, immerhin. Die Orte in der Umgebung sind ähnlich ausgestattet, doch bei der riesigen Dimension der Feuer in den vergangenen Wochen glich ihre Arbeit einem Kampf David gegen Goliath. "Wenn der Wald erst einmal brennt", sagt Michael Ihm, "haben Sie keine Möglichkeit ihn zu löschen. Sie können nur versuchen, das Feuer einzudämmen".

Der Traum vom Leben im Grünen in Gefahr

Es sind die größten Buschfeuer Australiens seit Jahrzehnten. Es brannte überall im Land: im Großraum Sydney und entlang der Küste, in der Nähe von Melbourne, im Norden in Queensland und im Westen bei Perth. Mehr als zwei Dutzend Menschen starben, Tausende Häuser wurden zerstört, Millionen Tiere kamen in den Flammen um. Eine verbrannte Fläche von der Größe Belgiens. Auch in den Blue Mountains loderten die Feuer, zum Teil wochenlang und unkontrolliert. Dabei kamen die Flammen gefährlich nah an die Wohnhäuser der Familien von Michael Ihm und Harald Walter heran.

Mann füttert Koala mit der Flasche
Quelle: ZDF

Keine drei Kilometer von der Feuerwehrstation von Mountain Lagoon entfernt hat sich Michael Ihm mit seiner Frau Beth, einer gebürtigen Australierin, den Traum vom Leben im Grünen erfüllt. Der Blick von ihrer Terrasse reicht kilometerweit über die Baumgipfel. Sein privates Paradies ist ein mehrere Hektar großes Refugium mit Koalas und Wombats im Garten, Papageien und Känguruhs. Eine herrliche Oase der Ruhe.

Immer in Alarmbereitschaft

Michael Ihm geht durch seinen Garten. Vorbeugend hat er Gestrüpp und Gras rund um sein Haus kontrolliert abbrennen lassen, um einem möglichen Feuer keine Nahrung zu geben. Er hat Wassersprinkler auf seinem Dach installiert und einen Tank mit Spritzpistole vor der Terrasse postiert. Regen, kühlere Temperaturen und abflauende Winde brachten in den vergangenen Tagen eine Verschnaufpause. "Aber das ist nur eine Momentaufnahme", sagt Michael Ihm. Der Sommer dauere noch lange, erst im März sei man aus dem Gröbsten raus.

Keine Frage, die vergangenen Wochen haben Spuren hinterlassen. "Wenn wir zum Einkaufen gefahren sind", erzählt Ihm, "haben wir immer unsere Dokumente, Pässe und den Schmuck dabeigehabt. Denn wir wussten ja nicht, ob unser Haus noch steht, wenn wir zurückkommen." Alles mitzunehmen sei aber keine Alternative gewesen, ergänzt Beth Ihm. "Wo fangen Sie an, wo hören Sie auf?", fragt sie. So blieben die 20 Familienalben mit Fotos ihrer Reisen und ihrer drei Kinder im Haus.

Als Helden gefeiert

Die freiwilligen Feuerwehrleute Australiens, die wochenlang auf ihren Job verzichtet und ihre Familien nicht gesehen haben, werden in Australien als Helden gefeiert. Fühlt er sich als einer? Michael Ihm winkt ab. "Überhaupt nicht", sagt er. "Im Einsatz denken sie zunächst erst einmal an ihre eigene Sicherheit. Zudem hat man überhaupt gar keine Zeit darüber nachzudenken, denn man ist ja immer äußerst fokussiert auf seine Arbeit." Doch die Gefahr bleibt, mehrere Feuerwehrleute sind in den Flammen gestorben, viele wurden verletzt. Beth Ihm macht sich immer Sorgen, wenn ihr Mann zu einem Einsatz ausrückt. "Er ruft nie an, das beunruhigt mich", sagt sie. "Ich habe gar keine Zeit anzurufen", sagt er.

Das Feuer fragt nicht nach dem Alter.
Harald Walter, 82 Jahre alt

Ein paar Hundert Meter durch den Wald, ein kurzer Sprung über den Zaun zum Nachbargrundstück, schon steht man im Garten von Harald Walter, der mit seiner Frau Bettina ein paar Kühe hält, Zimmer für Urlauber anbietet und im Dorf nicht nur als Feuerwehrmann, sondern auch als Mechaniker unentbehrlich ist. Harald Walter hat früher bei der BASF in Ludwigshafen gearbeitet und 1994 angefangen, sein Haus in Mountain Lagoon selbst zu errichten, direkt neben dem Grundstück der Ihms. Er hat die australische Mentalität des Helfens verinnerlicht. "Das Feuer fragt nicht nach dem Alter", sagt er. Und grinst.

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