ZDFheute

Coronavirus: Wie Deutschland reagieren würde

Sie sind hier:

Quarantäne in China - Coronavirus: Wie Deutschland reagieren würde

Datum:

Wuhan und weitere Städte in China stehen wegen des Coronavirus unter Quarantäne - etwa 50 Millionen Menschen sind betroffen. Wie gut ist Deutschland auf eine Pandemie vorbereitet?

Etwa 2.800 Menschen sind inzwischen mit dem Coronavirus infiziert, 81 starben.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Stellen Sie sich vor, man würde gut die Hälfte Deutschlands einfach abriegeln, alle Menschen vom Alpenrand bis zum Ruhrgebiet unter Quarantäne stellen. Der Grund: ein ansteckendes Virus. Genau das passiert gerade in China: Für 50 Millionen Menschen gilt wegen des Coronavirus der Sperrmodus. Wuhan und 16 weitere Städte sind weitgehend abgeschottet: Es gibt keine regulären Passagierflüge, keine Züge oder Busse in das Gebiet hinein oder aus dem Gebiet heraus. Wäre ein solches Szenario hierzulande denkbar? Welche Maßnahmen würde Deutschland im Falle einer Pandemie ergreifen?

Eine Sache der Organisation und Kontrolle

Frank Roselieb vom Institut für Krisenforschung der Universität Kiel hält Maßnahmen wie in China für sehr unwahrscheinlich. "Es wäre in Deutschland wahrscheinlich gar nicht nötig, so viele Menschen unter Quarantäne zu stellen." Frühwarnsysteme würden schneller und präziser greifen. Auch wäre es logistisch sehr schwierig, eine solche Massen-Quarantäne angemessen zu kontrollieren.

Politologe und China-Experte Thomas Heberer von der Universität Duisburg-Essen sagt, in China sei die Organisation einer so umfangreichen Quarantäne einfacher zu gewährleisten, da der Staat über ein sehr dichtes Netz von Parteiorganisationen bis hinein in die Dörfer verfüge. "Von daher lässt sich das in China einfacher organisieren als bei uns", sagt Heberer.

Chinesen erwarten entschlossenes Handeln

Außerdem sei die Erwartungshaltung der Menschen eine andere: "Sie erwarten, dass der Staat sich schnell und entschlossen darum kümmert." Würde der chinesische Staat hinsichtlich des Krisenmanagements versagen, verlöre er in den Augen der Menschen seine Legitimität. "Ich habe sehr viele Kontakte in China, und es lässt sich feststellen, dass die Menschen diese Maßnahmen durchaus begrüßen", erklärt Heberer. Auch wenn das bedeutet, dass zum Frühlingsfest - vergleichbar mit dem Weihnachtsfest hierzulande - die Familie nicht besucht werden könne. "Die Frage nach den Persönlichkeitsrechten stellt sich in China einfach anders als hier."

In Deutschland ließe sich bei Pandemien viel durch Vorsorge und Aufklärung erreichen, was zugleich Zeit koste. "Politisch wäre eine derart rasche und großräumige Quarantäne von Städten auf keinen Fall so einfach durchzusetzen", meint Heberer. "Auch sind wir hier im Hinblick auf Pandemien relativ gut vorbereitet."

Bagger bearbeiten die Erde in Wuhan.
Bauarbeiten im Stadtbezirk Caidian. Bereits am 3. Februar soll ein Spezialkrankenhaus für mit dem Coronavirus infizierte Patienten fertig sein.
Quelle: Xiao Yijiu/XinHua/dpa

Mobiler Katastrophenschutz in Deutschland

Zunächst sei die Seuchenprävention in Deutschland sehr gut, was Trinkwasser-, Nahrungsmittel- und Tierkontrollen betrifft, erklärt Roselieb vom Institut für Krisenforschung. Einzelne Menschen, die Viren aus anderen Ländern einschleppen, könnten meist schnell isoliert werden. "Man würde die Personen im Idealfall noch am Flughafen oder am Schiffsterminal aus dem Verkehr ziehen und behördlich befragen, mit wem sie in Kontakt standen", sagt Roselieb. In Deutschland leben die Menschen nicht so dicht beieinander wie in chinesischen Millionenstädten - der Kreis der Angesteckten, bis das Virus auffällt, sei kleiner.

Das neuartige Coronavirus breitet sich in China aus. Was bedeutet das für die Wirtschaft? Börsen-Experte Frank Bethmann mit einer Einschätzung.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Dass wie in China innerhalb weniger Tage einfach ein Krankenhaus neu gebaut werde, würde hier wohl nicht passieren - dafür sei der Katastrophenschutz in Deutschland aber sehr mobil angelegt. Im Falle einer Epidemie würde die Krisenbewältigung erstmal auf kommunaler Ebene beginnen. Die Stadt oder der Kreis würden vom Robert-Koch-Institut (RKI) beraten werden und dann gegebenenfalls Katastrophenhilfe vom Bund anfordern. Das Technische Hilfswerk und die Feuerwehren würden helfen, Hygieneschleusen und eine Quarantäne aufzubauen. "Aber das würde man nicht in den Innenstädten machen", sagt Roselieb.

So rüsten sich deutsche Flughäfen

Massenkommunikation, um Menschen aufzuklären

Zum Beispiel könnten alte Bundeswehr-Kasernen genutzt werden, um die Quarantäne dezentral zu halten. Zudem würde man, ähnlich wie bei der Schweinegrippe in Großbritannien, die Menschen bitten, zuhause zu bleiben und Ärzte zu ihnen schicken. "Ähnlich wie der 'National Health Service' könnte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung über Fernsehspots vermitteln: Wenn Sie folgende Symptome haben, keine Panik, es kommt jemand vorbei, bitte bleiben Sie zuhause", erklärt Roselieb.

Daniel F. Lorenz von der Katastrophenforschungsstelle des Instituts für Sozial- und Kulturanthropologie der FU Berlin verweist darauf, dass bei sehr gefährlichen Infektionskrankheiten durchaus die individuelle Bewegungsfreiheit der Menschen auch in Deutschland eingeschränkt werden könne, wenn auch nicht so stark wie in China.

Körpertemperatur-Scanner am Flughafen. Archivbild
Chinesische Reisende gehen durch einen Körpertemperatur-Scanner am japanischen Flughafen Narita, als Schutzmaßnahme gegen die Verbreitung des Coronavirus.
Quelle: -/Kyodo News/dpa

Vertrauensverlust durch zu drastische Maßnahmen

"Aber das wird in Europa sicherlich ganz anders abgewogen", sagt Lorenz. Denn so drastische Maßnahmen könnten auch negative Folgen haben. "Die Menschen könnten das Vertrauen verlieren und versuchen, heimlich das Gebiet zu verlassen, oder sich mit ihren Symptomen verstecken", sagt Lorenz. Deshalb gelte: Je drastischer die Maßnahme, desto besser müsse die Risikokommunikation eines Staates sein, um Verständnis für die Maßnahmen hervorzurufen.

Beim Krisenmanagement der chinesischen Regierung müsse man verschiedene Auswirkungen bedenken. Es kann je nach Lage sinnvoll sein, Transportwege zu unterbrechen und so dafür zu sorgen, dass das Virus sich nicht weiterverbreite. Aber man höre auch, dass die Krankenhäuser in Wuhan überlastet sind. "Neben den Infizierten gibt es auch weiterhin andere Notfälle", sagt Lorenz. "Es besteht die Gefahr eines Zusammenbruchs des Gesundheitssystems."

Was über das Coronavirus bislang bekannt ist

Mehr zum Coronavirus finden Sie hier:

Das chinesische Coronavirus.

Nachrichten -
Das Coronavirus
 

Das Coronavirus - Schutz, Symptome, Übertragung und Verlauf.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.