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Neuvermessung des Bundesgebietes - Wo sich Deutschland hebt und senkt

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Millimetergenau wurde Deutschland in den vergangenen Wochen neu vermessen. Das ist wichtig vor allem für autonomes Fahren, die Landwirtschaft - und den Deichbau.

Bund und Länder wollen neue Daten zur Erforschung des Klimawandels und für die Weiterentwicklung des autonomen Fahrens nutzen. Dafür wird die Republik neu ausgemessen, teilweise 24 Stunden am Stück. Dauern soll das neue Maßnehmen bis Mitte Juli.

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Irgendwo auf dem niedersächsischen Land: vier Männer in orangenen Warnwesten, jede Menge Stative, Lote und mysteriöse Zahlencodes. "Eins, zwoundzwanzig!". Der Aufbau ist Teil einer deutschlandweiten Kampagne: An insgesamt 250 so genannten geodätischen Grundnetzpunkten in allen Bundesländern wird gemessen.

Optisch sind die Punkte unscheinbar, kleine graue Messmarken, verborgen unter Gullideckeln oder Brunnenschächten. Es ist erst das zweite Mal nach 2008, dass ganz Deutschland in dieser Form mit Hightech-Geräten vermessen wird.

Drei Satellitensysteme unterstützen die Kampagne

Bei der Kampagne werden drei globale Satelliten-Systeme zeitgleich genutzt: das europäische System Galileo, das amerikanische GPS und das russische GLONASS.

Unsere Messdaten sind deswegen so genau, weil wir diese Satelliten-Dienste dahinter haben. Sie können sicherstellen, dass wir uns bis auf den Millimeter herunter in der Genauigkeit bewegen,

erklärt André Sieland vom Landesamt für Geoinformation und Landvermessung Niedersachsen. "Das, was man draußen im Straßenverkehr eben nicht hat. Dort hat man in der Regel eine Meter- bis Fünf-Meter-Genauigkeit."

Deutschland wird derzeit neu vermessen - und zwar auf den Millimeter genau. Bund und Länder wollen die genaueren Daten zur Erforschung des Klimawandels, aber etwa auch für autonomes Fahren nutzen.

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Auch die Landwirtschaft soll von der Neuvermessung profitieren

Die Messdaten sollen künftig zum Beispiel autonomes Fahren verbessern, auf der Straße und dem Acker. Wenn auch smarte Feldroboter oder teilautomatisierte Landmaschinen besser die Spur halten, könnten Landwirte Zeit, Personal und Kosten sparen. Denn ein Acker ist meist heterogen. Mal liegt er am Hang, mal in einer Kuhle. Es gibt Hindernisse wie Bäume oder Telegrafenmasten.

"Natürlich haben wir optische Sensoren an Landmaschinen, die Hindernisse erkennen können. Aber es ist optimal, im Vorhinein bei der Planung einer Fahrtroute zu wissen: Wo muss ich einbremsen, wo muss ich aufpassen, weil dort ein Baum in der Nähe ist," erklärt Josef Bauerdick vom Lehrstuhl für Agrarsystemtechnik der Technischen Universität München.

Deutschland bewegt sich

Die Neuvermessung soll aber auch eine These überprüfen: Deutschland bewegt sich! Genauer gesagt: Die afrikanische Erdplatte schiebt sich weiter unter die eurasische, auf der sich die Bundesrepublik befindet.

Dadurch bewegt sich der Alpenhauptkamm jedes Jahr weiter in die Höhe. "Ich habe dem Kollegen in Bayern erst kürzlich gesagt: Die 3.000 Meter auf der Zugspitze, die schafft ihr noch! Aber natürlich nicht gleich morgen", scherzt André Sieland.

Alle dreizehn Jahre wird Deutschland neu vermessen – und das milimetergenau. Denn Form, Größe, Höhe und Tiefe sind immer in Bewegung. Unser Land verändert sich stetig.

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Neuvermessung hat Auswirkungen auf den Deichbau

Am anderen Ende Deutschlands, an der Nordseeküste, würde man auf derlei Rekorde gerne verzichten. Denn hier ist das Gegenteil der Fall: Das Land senkt sich ab. Die neuen Messdaten sollen klären, um wie viele Millimeter pro Jahr genau.

Denn das hätte Auswirkungen auf den Deichbau. Die niedersächsische Landesregierung lässt gerade die Sturmflut-Befestigungen an der Küste aufstocken, um rund einen Meter. 100 Millionen Euro seien dafür jährlich nötig, sagt der zuständige Umweltminister Olaf Lies (SPD).

Die Deiche sollen dann für das nächste Jahrhundert halten. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass sich die Nordsee-Küste um zwei Millimeter pro Jahr absenkt, hieße das: zwanzig Zentimeter in 100 Jahren. "Das sollte man schon in die Waagschale werfen, wenn man jetzt diese Finanzmittel in die Hand nimmt," sagt Sieland.

Zwei Jahre dauert die Auswertung

Die Arbeit der bundesweit 35 Messtrupps ist nach sechs Wochen nun abgeschlossen. Die Hauptaufgabe beginnt aber erst: In den nächsten zwei Jahren werden die Daten ausgewertet, etwa zehn Terrabyte werden wohl zusammenkommen.

Auswertungsstellen sind das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie in Frankfurt am Main und André Sielands Arbeitgeber, das Landesamt für Geoinformation in Hannover. Die oft kaum wahrgenommenen Landvermesser mit ihren Hightech-Geräten spielen eine wichtige Rolle - für Gesellschaft und Umweltschutz.

Elisabeth Schmidt ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Niedersachsen.

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