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Sexismus im Deutschrap - Ist #deutschrapmetoo längst überfällig?

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Der Hashtag #deutschrapmetoo hat auf Social Media eine breite Debatte ausgelöst. Er will auf das Sexismus-Problem in der Rap-Szene aufmerksam machen - und Veränderung schaffen.

Eine junge Frau zeigt auf ihrem Smartphone den Schriftzug #metoo. Millionen Frauen in Deutschland sind Opfer von sexuellen Belästigungen und Beleidigungen.
Der Hashtag #MeToo hat bereits 2017 eine Debatte über Sexismus und Machtmissbrauch losgetreten. Seitdem tauchen immer wieder Enthüllungen über sexualisierte Gewalt auf.
Quelle: dpa (Archiv)

Sie sind oft frauenfeindlich und sexistisch: Songtexte im deutschen Rap. Unbewiesene Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Rapper Samra, der die Anschuldigungen öffentlich zurückgewiesen hat, haben nun eine Debatte über Sexismus und Gewalt in der Szene ausgelöst.

Während sich auf Instagram und Twitter aktuell Zehntausende Nutzerinnen und Nutzer unter dem Hashtag #deutschrapmetoo mit sexualisierter Gewalt auseinandersetzen, finden Expertinnen und Experten: Eine Veränderung im Deutschrap hätte längst stattfinden müssen.

Denn die Kritik ist nicht neu. Aktionen, die auf das Problem aufmerksam machen wollten, haben aber bisher noch keine grundlegende Veränderung bewirkt.

Gewalt gegen Frauen - millionenfach "gehört, geliked und gefeiert"

Bereits 2020 startete die Frauenrechtsorganisation "Terre Des Femmes" die Kampagne #unhatewomen. Eine Aktion mit dem Ziel, Gewalt gegen Frauen, die millionenfach "gehört, geliked und gefeiert" wird, sichtbar zu machen. Lina Stotz, Referentin für häusliche und sexualisierte Gewalt bei Terre Des Femmes, sagt:

Die Rap-Szene in Deutschland hat ein Sexismus-Problem.

Das beginne bei Songtexten, gehe über sexistische Darstellungen in dazugehörigen Videos bis hin zu tatsächlicher Anwendung oder Anstacheln zu Gewalt gegen Frauen, erklärt Stotz im Gespräch mit ZDFheute.

Frauen sind besonders häufig von Hass und Hetze im Netz betroffen - oft mit sexualisiertem Hintergrund.

Beitragslänge:
12 min
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Expertin warnt vor Übertragung auf Realität

Zwar ist die Rap-Szene an sich "total divers", sagt Dr. Sina Nitzsche, Kulturwissenschaftlerin und Gründerin des European HipHop Studies Network, "aber das Rap-Game ist immer noch männlich dominiert".

Die Unterdrückung von Frauen im Hip-Hop-Business ist einfach real.
Dr. Sina Nitzsche

Frauenfeindlichkeit und Gewaltverherrlichung seien also auf der einen Seite Teil des Gangsta-Rap-Genres, doch die sprachlichen und medialen Inszenierungen könnten Auswirkungen auf die Realität haben, warnt die Expertin.

Auch wenn nicht alle Jugendliche, die sexistische Musik hören sexistisch seien, müsse man sich der prägenden Wirkung von Sprache und Musik bewusst sein, sagt auch Stotz.

Deshalb sei die Debatte den Expertinnen zufolge längst überflüssig. Dieser Meinung ist auch Rapperin Dr. Reyhan Şahin, die als Lady Bitch Ray bekannt ist. Sie twittert:

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Kommt jetzt der #MeToo-Moment im Deutschrap?

Jede gesellschaftliche Gruppe, in der Frauen eine andere Rolle zugeschrieben bekämen als Männer, brauche eine #meToo-Bewegung, findet Stotz daher. Mit #deutschrapmetoo hätte die Diskussion neuen Aufschwung erfahren - und das sei gut so.

Neben den zahlreichen Beiträgen unter dem Hashtag im Netz wurde auf Instagram ein gleichnamiger Account ins Leben gerufen, mit dem Ziel, eine Anlaufstelle für Betroffene zu bieten und Handlungsräume für Veränderungen zu schaffen.

Shirin David: Glaubwürdigkeit der Opfer wird oft in Frage gestellt

Shirin David, ebenfalls als Künstlerin der Rap-Szene bekannt, findet insbesondere die Schuldzuweisung problematisch: Jedes Mal, wenn eine Frau den Mut zusammenbringe, über Taten zu berichten, werde zunächst nicht der Mann beschuldigt. Stattdessen werde die Frau, ihre Kleidung und ihre Glaubwürdigkeit in Frage gestellt, so die Rapperin in einer ihrer Insta-Stories.

Dort stellt sie auch fest: "Es wird behauptet, dass das Opfer nicht glaubwürdig sei, weil jemand die Behauptung in den Raum gestellt hat, dass es möglicherweise irgendwann einmal Rauschmittel zu sich genommen hätte."

Gleichzeitig offenbart die Hip-Hop-Journalistin Visa Vie, sie habe in den vergangenen Jahren unzählige Fälle von sexualisierter Gewalt mitbekommen oder sogar selbst erlebt. Doch viele Betroffene würden schweigen, "weil sie in ihrem eigenen Verhalten Schuld sehen", schreibt sie auf Instagram.

Wie sich Frauen gegen digitale, sexualisierte Gewalt schützen können, erklärt Jospehine Ballon von HateAid.

Beitragslänge:
2 min
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Was muss sich ändern im Rap-Diskurs?

Auf die Frage, welche Veränderungen im Rap-Diskurs notwendig seien, betont Nitzsche:

Das Korrektiv muss aus der Szene selbst kommen.

Sexistische Songtexte gänzlich zu verbieten, sieht sie jedoch als eine Gefahr der Meinungs- und Kunstfreiheit. Wichtig sei, Strukturen zu ändern und neue zu schaffen - etwa durch die Vernetzung von Frauen in der Branche.

Gleichzeitig sieht sie in der #deutschrapmetoo-Debatte eine Chance. "Ich hoffe, dass sich Frauen jetzt zusammenschließen. Und dass dieser breite Diskurs den Rappern und Männern in der Mehrheitsgesellschaft zeigt, dass sie das einfach nicht machen können."

Immer mehr Frauen rappen. Viele spielen dabei mit den Klischees der stereotypen Frauenbilder aus dem männlichen Gangstarap.

Beitragslänge:
3 min
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Terre Des Femmes fordert Songtext-Verbot

Terre Des Femmes fordert weitreichendere Maßnahmen: "Lieder, die jugendgefährdend und sexistisch, antisemitisch oder anders diskriminierend sind, sollten von den entsprechenden Behörden konsequent auf den Index gesetzt werden." Ziel müsse sein, "dass verbale Gewalt gegen bestimmte Gruppen nicht länger als normal bagatellisiert wird und dass Opfern geglaubt wird", sagt Stotz.

Dazu müsse sich allerdings auch die Rechtssprechung ändern, führt Nitzsche an. Denn Sexismus sei nicht nur ein Problem in der Hip-Hop Kultur, sondern auch in der Gesamtgesellschaft.  

Eine Sammlung an Reaktionen zu #deutschrapmetoo auf Twitter:

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