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Bild-Verleger Mathias Döpfner - Kritik an Springer-Chef wegen DDR-Vergleich

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Springer-Verlagschef Mathias Döpfner soll in privaten Nachrichten vom "neuen DDR Obrigkeits-Staat" und Propaganda-Journalisten gesprochen haben. Der Konzern weist Kritik zurück.

Springer-Chef, Mathias Döpfner, Archivbild
Einer der einflussreichsten Verleger Europas: Springer-Chef Mathias Döpfner (Archivbild)
Quelle: dpa

Am Montag entband die "Bild"-Zeitung ihren Chefredakteur Julian Reichelt von seinen Aufgaben. Von der Affäre um Macht und möglichen Machtmissbrauch bei Deutschlands größter Boulevardzeitung ist indirekt auch Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner betroffen.

"Spiegel" und "New York Times" zitieren aus privater Nachricht

Der "Spiegel" zitierte am Montag aus einer privaten Nachricht Döpfners an den Schriftsteller und ehemaligen "Welt"-Autoren Benjamin von Stuckrad-Barre. Darin lobt Döpfner einen mutmaßlich am gleichen Tag erschienenen "Bild"-Artikel von Reichelt, worin dieser die Corona-Maßnahmen als willkürlich kritisierte.

Döpfner soll Reichelt mit den Worten gelobt haben:

Er ist halt wirklich der letzte und einzige Journalist in Deutschland, der noch mutig gegen den neuen DDR Obrigkeits-Staat aufbegehrt.
Mathias Döpfner über Julian Reichelt angeblich in einer privaten Nachricht

Die meisten anderen seien zu Propaganda-Assistenten geworden, soll Döpfner laut "Spiegel" weiter geschrieben haben. "Da macht sich einer jeden Tag viele mächtige Feinde", zitiert auch der "New York Times"-Journalist Ben Smith aus dem Austausch, der im März 2021 stattgefunden haben soll.

Ebenfalls im März hatte der "Spiegel" erstmals über interne Untersuchungen des Axel-Springer-Verlags gegen Reichelt berichtet. Auch damals ging es um den Umgang des früheren "Bild"-Chefs mit ihm unterstellten Mitarbeiterinnnen. Reichelt habe Berufliches und Privates auch nach dem im März abgeschlossenen Compliance-Verfahren nicht ausreichend getrennt, so der Springer-Konzern in einer Pressemitteilung.

Springer: Bundesrepublik und DDR für Döpfner nicht vergleichbar

Gegenüber ZDFheute bestätigte Axel Springer die Echtheit der privaten Nachricht, beklagte aber, dass der Kontext der Nachrichten in der öffentlichen Debatte fehle.

Erstens hält Mathias Döpfner die Bundesrepublik Deutschland selbstverständlich nicht für vergleichbar mit der DDR. Das wäre komplett absurd und sollte für jeden offenkundig sein, der den publizistischen Äußerungen von Döpfner folgt.
Springer-Sprecher zu ZDFheute

"Zweitens gibt es in privaten Dialogen Mittel der Ironie und bewussten Übertreibung. Ohne Kontext ist eine Bewertung des gemeinten Sinns überhaupt nicht möglich. Übrigens lässt sich schon dem ersten Satz der Nachricht entnehmen, dass das, was folgt, bewusst sehr überspitzt dargestellt ist", teilt das Unternehmen mit. Laut dem Journalisten Ben Smith habe Döpfner die Nachricht mit den Worten "um mal etwas Stimmung in unseren Austausch zu bringen", begonnen.

Springer betonte, dass es sich bei den Nachrichten um "private, bilateral ausgetauschte Nachrichten" handle. Sie sollten nicht als quasi-öffentliche Statements interpretiert werden, für die sich der Absender rechfertigen müsse. Die jetzt öffentlich gewordene Nachricht soll Teil eines umfangreicheren Chatverlaufs sein. Dessen vollständiger Inhalt ist bislang nicht bekannt.

Journalisten-Verband: "Döpfner bedient Narrative der Verschwörungserzählungen"

Dass mit Döpfner einer der einflussreichsten Medien-Manager Europas Journalisten vorwirft, einer neuen DDR-Diktatur den Weg zu bereiten, kritisieren andere Medien-Vertreter deutlich.

Viele Journalistinnen und Journalisten haben gerade in der Coronapandemie Herausragendes geleistet. Ich verwahre mich als Vorsitzender Europas größter Journalisten-Organisation entschieden gegen die Diffamierung der Kolleginnen und Kollegen als "Propaganda-Assistenten".
Frank Überall, Bundesvorsitzender Deutscher Journalisten-Verband

"Die heutige Bundesrepublik mit der DDR zu vergleichen, einem Land in dem es Stasi, Einheitspresse und Schießbefehl gab, ist aus meiner Sicht mindestens geschmacklos, auch wenn das ein Scherz gewesen sein sollte", sagte Überall ZDFheute. "Herr Döpfner bedient damit leider die Narrative der Verschwörungserzählungen, die zum Teil in der Gesellschaft herumgeistern."

Das Journalisten-Fachportal "DWDL" fragte am Dienstag in einem Kommentar: "Wenn Naidoo im TV schwurbelt, fliegt er raus. Und Döpfner?" Als Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) vertritt Döpfner ebenfalls 286 Tageszeitungen in Deutschland. Ob er als Vorsitzender des BDZV noch tragbar sei, wenn er die Verbandsmitglieder so gering schätze, müssten die Verlage entscheiden, gab der DJV-Vorsitzende Überall zu bedenken.

Berlin: Julian Reichelt, Chefredakteur "Bild", steht im Studio des TV-Senders "Bild". Archivbild

Julian Reichelt - "Bild"-Chefredakteur von Aufgaben entbunden 

Axel Springer entbindet "Bild"-Chef Julian Reichelt von seinen Aufgaben. Reichelt habe Berufliches und Privates auch nach Abschluss eines Compliance-Verfahrens nicht klar getrennt.

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