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Diagnose Dürrestress

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Deutschland im Klimawandel - Diagnose Dürrestress

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Trotz des Regens der vergangenen Wochen: Der deutsche Wald trocknet aus. Akribisch suchen Forscher nach Lösungen gegen Dürren. Sonst drohen auch den Bauern Missernten.

Die Experten sind sich einig. Extrem trockene Sommer werden häufiger. Ursache: Klimawandel. Auch im Jahr 2020 wird Regen weiter ausbleiben. Gibt es Konzepte gegen den Wassermangel?

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Der Regen prasselt auf Steffie Knoblauchs Jacke. "Eigentlich müsste es viel mehr regnen, doppelt so viel", sagt sie. Die Wissenschaftlerin betreut beim Thüringer Landesamt für Landwirtschaft unter einem Gerstenfeld sechs Lysimeter. Jeder der Stahlbehälter ist 2,5 Meter in die Erde eingelassen.

Sie funktionieren wie riesige Pflanztöpfe: Oben wächst das Getreide und am Boden sollte Sickerwasser austreten. Doch seit drei Jahren kam hier kein Tropfen heraus. Für den Mais oder auch den Weizen, die sich in Trockenzeiten das Wasser auch aus ein bis zwei Metern holen, ist das problematisch.

Regen oft nur schöner Schein

Gefühlt scheint alles in Ordnung zu sein. Es regnet doch. Aber für Klimaforscher zählen ganz andere Fakten. Denn Dürre ist nicht nur mangelnder Regen. Über die letzten 140 Jahre betrachtet haben sich die jährlichen Niederschläge tatsächlich kaum verändert. Vielmehr kommt es darauf an, wann, wo und wie viel vom Himmel kommt.

Bei sogenannten Starkregenereignissen fällt binnen weniger Stunden die Regenmenge ganzer Monate. Der ausgemergelte Boden kann solche Mengen nicht aufnehmen. Zudem hat sich die Anzahl der Tage mit Temperaturen über 30 Grad seit 1950 verdoppelt. Wenn es heißer wird, verdunstet auch mehr Wasser.

Dürre setzt Landwirte unter Druck

Vor allem der Landwirtschaft fehlt das Wasser. Für die Wintergerste von Landwirt Stefan Blöttner kommt der Regen zu spät. Viele der Ähren haben nur wenige Körner, weil es im Frühjahr monatelang nicht geregnet hat. Für ihn ist das eine prekäre Situation: "Wir können uns Ernteausfälle nicht leisten".

Der Landwirtschaft droht eine Missernte, der Wald ist in einem Besorgnis erregenden Zustand: Forschern und Wirtschaft bereiten die Wasserspeicher der Böden und der bislang fehlende Frühjahrsregen Sorgen.

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Das Futter für seine 1.000 Rinder am Rande des Thüringer Waldes wächst auf seinen Feldern. Allein im letzten Jahr musste er aber wegen der Dürre 400 Tonnen dazu kaufen. Irgendwann lohnt es sich für ihn betriebswirtschaftlich nicht mehr. Schuld daran ist auch die EU-Agrarpolitik. Denn die Bauern Europas konkurrieren auf dem Weltmarkt oft mit Billiganbietern. Durch die Dürren brechen ihnen die Erlöse weg.

Gentechnik soll helfen

Die Rettung kommt eventuell aus den Laboren der Gentechnik. An der TU Weihenstephan bei München schneiden Wissenschaftler mithilfe einer molekularen Genschere das Erbgut von Tomatenpflanzen gezielt an einer bestimmten Stelle entzwei.

Die Zellen reparieren diese, machen dabei aber kleine Fehler und legen die Gene lahm, die die Pflanzen empfindlich gegenüber Dürre machen. Dadurch könnte man in Zukunft schneller Tomatenpflanzen finden, die verstärkt Trockenresistenzen besitzen. Die Hoffnung ist, diese Methode in ein bis zwei Jahren auch auf Getreide anwenden zu können.

Der Wald: Todkranker Patient

Von solchen Zeiträumen träumen die Förster im Nürnberger Reichswald. Denn Fichten und Kiefern sind extrem geschädigt. Man setzt jetzt auf Laubbäume wie Eichen, die mit der Trockenheit besser klar kommen. Doch ob das hilft, ist fraglich.

Dürre und Borkenkäfer haben den Harz schwer getroffen. Die Fichtenwälder sind braun und kahl. Eine Katastrophe für viele Waldbesitzer – und auch Tourismusorte fürchten, dass Urlauber den Harz künftig meiden könnten.

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Denn der Anstieg der Jahresdurchschnittstemperatur hat im Reichswald jetzt schon jene kritische Grenze von 1,5 Grad erreicht, die im Pariser Klimaschutzabkommen vereinbart wurde, um dauerhafte Schäden für das Leben auf der Erde zu verhindern. Die Fichten haben die Förster bereits aufgegeben.

Dass die Dürren bald weniger werden, glaubt Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum in Leipzig nicht: "In Deutschland werden Hitzewellen ein größeres Problem werden. Sowohl die Andauer von Hitze als auch die absoluten Temperaturen werden weiter steigen."

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