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Trotz Regens: Dürregefahr noch nicht gebannt

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Sommer im April - Trotz Regens: Dürregefahr noch nicht gebannt

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Nach wochenlanger Trockenheit regnet es wieder. Für Natur und Landwirtschaft mehr als willkommen. Laut Wetterexperten ist die Dürre-Gefahr damit aber noch nicht aus der Welt.

Hitzesommer, Hagel, Schädlinge. Der Klimawandel stellt Deutschlands Bauern vor gewaltige Probleme. Um zu überleben, müssen sie sich anpassen. Doch mit welchen Strategien kann das klappen?

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Temperaturen wie im Sommer und kein Wölkchen am Himmel. Der April 2020 ist der sonnigste und dritttrockenste seit Aufzeichnungsbeginn vor rund 70 Jahren, teilt der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Die zurückliegenden Wochen wecken Erinnerungen an die große Hitze 2018. Damals war es von April an monatelang heiß. Der Schaden für die Landwirtschaft ging in die Milliarden. Jetzt aber immerhin ein Lichtblick: Regenwolken ziehen übers Land und bringen Wasser, das die Natur dringend braucht.

Niederschläge "irrelevant"

Die Frage ist nur: Reicht das? "Vermutlich eher nicht", befürchtet Dr. Christina Koppe vom DWD. Die Niederschläge würden zwar zumindest gebietsweise für eine leichte Anfeuchtung der oberen Bodenschichten sorgen, nicht aber für eine nachhaltige Durchfeuchtung. "Für tieferliegende Schichten sind die Niederschläge weitgehend irrelevant." Und: Schon in der kommenden Woche soll es wahrscheinlich wieder sommerlich und trocken werden, so Koppe.

Für Pflanzen ein Problem. Gerade für solche, die "noch nicht in die tieferen, noch feuchten Bodenschichten vorgedrungen sind", sagt Koppe. Aber auch diese Schichten drohen auszutrocknen,  sollte es nicht bald mehr Regen geben. Betroffen wären die tiefwurzelnden Bäume. Denny Ohnesorge vom Hauptverband der Deutschen Holzindustrie warnt: "Sollte die Trockenheit anhalten, kann es zu massivem Baumsterben in Deutschland kommen." Es wäre der dritte Dürresommer in Folge mit katastrophalen Folgen für die Wälder.

Höherer Wasserbedarf durch Klimawandel

Fakt ist: Es wird weltweit immer wärmer und das betrifft auch Deutschland. Neun der zehn wärmsten Jahre lagen innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte. Höhere Temperaturen führen zu höherer Verdunstung und damit zu einem höheren Wasserbedarf. Außerdem: "Aktuell wird beobachtet, dass die Andauer von Wetterlagen zunimmt", erklärt Christina Koppe. Als Ursache würden Veränderungen im Jetstream vermutet - also in einem Starkwindband, das die Nordhalbkugel umgibt. "Das kann dazu führen, dass sowohl trockene, als auch nasse Witterungsabschnitte länger andauern."

Klima-Veränderungen, auf die sich Landwirte bereits zunehmend einstellen, erklärt Dr. Ralf Bloch vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF).  So hätten etwa viele "die Aussaatstärke des Mais verringert, um den Wasserkonsum zu steuern, und auch den Aussaatzeitpunkt verfrüht."

Außerdem wachse das Interesse an neuen Anbausystemen - zum Beispiel an Agroforstsystemen, "bei denen forstwirtschaftliche und landwirtschaftliche Kulturen auf einer Fläche kombiniert werden." Der Vorteil: Bäume schützen vor Winderosion und Austrocknung, so Bloch. Auch Speichersysteme für Niederschläge aus dem Winter werden diskutiert. Für diesen Sommer bleibt aber wohl erstmal nur die Hoffnung auf besseres, also nasseres Wetter.

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion

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