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100. Geburtstag - Dürrenmatt: Vom Provokateur zur Schullektüre

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Seine Werke schwanken zwischen Witz und Tragik, man kennt sie aus der Schule: Heute wäre Dürrenmatt 100 geworden - wie es der einstige Provokateur ins Standardrepertoire schaffte.

Friedrich Dürrenmatt warf große, moralische Fragen auf und provozierte - von Spenden finanziert.

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2 min
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Was für ein Skandal! Die Schweiz ehrt 1990 Václav Havel, Präsident der Tschechoslowakei - und der gefeierte heimische Dramaturg Friedrich Dürrenmatt begrüßt den Gast im "Gefängnis Schweiz". Die Schweizer fühlten sich "frei als Gefangene im Gefängnis ihrer Neutralität", sagte Dürrenmatt.

Die Politelite regt sich auf, Dürrenmatt wird als Nestbeschmutzer gescholten. Dürrenmatt liebte die Provokation - am 5. Januar 2021 wäre er 100 Jahre alt geworden und steht inzwischen auf den meisten Lehrplänen der Schulen.

Start mit Crowdfunding-Aktion

Schon als Schüler entscheidet sich Dürrenmatt, Künstler zu werden. Die ersten Jahre sind hart. In den 50er Jahren startet die Zeitschrift "Schweizer Beobachter" den Vorläufer einer Crowdfunding-Aktion für ihn.

Sie bringt Leser dazu, Dürrenmatt über drei Jahre monatlich fünf Franken zu zahlen, er liefert im Gegenzug Geschichten im Fortsetzungsformat, darunter das Stück "Der Richter und sein Henker" (1952) über eine Wette zwischen einem Polizisten und einem Verbrecher.

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Welterfolge schon mit 40 Jahren

Schuld und Gerechtigkeit als Thema werden darin wie in den anderen berühmten Werken deutlich: "Der Verdacht" (1953) über einen nach dem Krieg praktizierenden Nazi-Arzt oder die Theaterstücke "Der Besuch der alten Dame" (1956) über Rache und Gerechtigkeit in einem Dorf und "Die Physiker" (1962) über die Verwerfungen des Kalten Kriegs.

Die Theaterstücke werden Welterfolge, die in vielen Ländern immer noch zu den meist gespielten Stücken gehören. Dürrenmatt steht da schon mit gut 40 Jahren im Zenit seiner Karriere.

2021 erscheint ein Band mit unveröffentlichtem Material

Die spätere Bilanz ist durchwachsen, neue Theaterstücke fallen bei Publikum oder Kritikern durch. Dürrenmatt schafft weiter: Dazu gehören Erzählungen und Fragmente, die teils erst nach seinem Tod herauskommen. Im Frühjahr 2021 plant der Diogenes-Verlag einen neuen Band mit unveröffentlichten Fragmenten aus Dürrenmatts Feder.

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Apropos Feder: Dürrenmatt war auch ein begnadeter Zeichner und Maler. Bekannt sind mehr als 1.700 Werke, die er nie verkaufte, sondern höchstens verschenkte. Viele sind im Museum Centre Dürrenmatt, seinem ehemaligen Wohnhaus bei Neuchâtel/Neuenburg in der französischsprachigen Schweiz.

"Sixtinische Kapelle" in der Gästetoilette

Als Maler hat der Künstler sich auch an den eigenen Wänden verewigt: "Sixtinische Kapelle" nannte er eine Gästetoilette, in der er jeden Zentimeter mit Figuren aus seinen Werken bemalt hat.

Dort sind etwa Romulus und der Minotaurus zu sehen, ein kleiner Papst und viele Neugierige, die auf das stille Örtchen hinunterstarren.

Die Wände in Dürrenmatts Gästetoilette sind bemalt mit Figuren aus seinen Werken.
Seine "Sixtinische Kappelle" nannte Dürrenmatt seine Gästetoilette - sie war bevölkert mit Figuren aus seinen Werken.
Quelle: dpa/Christiane Oehlrich

Schwierige Freundschaft mit Max Frisch

Dürrenmatt war immer für den Literaturnobelpreis im Gespräch. Aber er ging leer aus, so wie der andere große Schweizer Autor des 20. Jahrhunderts, Max Frisch ("Biedermann und die Brandstifter", "Andorra"). Die beiden verband eine schwierige Freundschaft mit Konkurrenzgehabe, wie Biograf Weber schreibt.

So seien sie am Tag der Preisverleihung immer erleichtert gewesen, dass nicht der andere gewonnen hatte, statt dass es sie bedrückt habe, selbst übergangen worden zu sein.

Kurz vor der Weltreise gestorben

Dürrenmatt war Diabetiker und erlitt mit 48 Jahren den ersten Herzinfarkt. Er war sich sicher, nicht alt zu werden, was ihn von Essgelagen mit Freunden nicht abhielt.

Seine Frau Charlotte Kerr wollte den Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag mit Fritz entfliehen und auf Weltreise gehen. Kurz vor der Abreise starb er am 14. Dezember 1990 zu Hause.

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