Sie sind hier:

Mobilität in Städten - E-Scooter - überflüssig oder Entlastung?

Datum:

E-Scooter haben begeisterte Anhänger oder strikte Gegner. Ein Jahr nach Einführung ist der Hype verflogen. Das heißt aber nicht, dass die Roller keine Zukunft haben könnten.

E-Scooter des Anbieters "Tier" stehen an einer Straße am 03.09.2019 in hannover
E-Scooter als Verkehrsmittel: Die Bewertungen der Elektro-Tretroller reichen von "völlig überflüssig" bis "ganz schön praktisch".
Quelle: dpa

Ein Junimittag in der Münchner Innenstadt: Einige Radfahrer, ein E-Scooter-Fahrer im Business-Anzug, ein anderer mit Hoodie - das ist heute ein ganz alltägliches Bild. Vor einem Jahr noch eine Besonderheit.

Fragt man die Fußgänger am Rand, ist es mit der Alltäglichkeit schnell geschehen: "Typisch überflüssige Erfindung", sagt ein älterer Herr mit Corona-Maske. "Völlig überflüssig", ergänzt eine Dame. Einige Jüngere finden die Leih-Scooter dagegen "ganz schön praktisch". Man würde sie auch regelmäßig nutzen. E-Scooter sind Polarisierer - noch immer.

Der ADAC sieht noch keinen echten Mehrwert

"Im Moment können wir noch keine nachhaltige Entlastung für Verkehr oder Umwelt durch die E-Scooter erkennen", sagt Verkehrsexpertin Melanie Mikulla vom ADAC. Das Versprechen, die überlasteten Innenstädte mit den Leihrollern vom Autoverkehr zu entlasten, wurde aus ihrer Sicht nicht eingelöst. Sie sagt:

Die E-Scooter werden zur nachhaltigen Mobilität erst dann beitragen, wenn man sie privat kauft und bewusst nutzt, um in die Arbeit zu kommen.
Melanie Mikulla, ADAC-Verkehrsexpertin

Ein Verleiher lobt die "Erfolgsgeschichte"

Moritz Werner, Chef von Deutschlands größten E-Scooter-Verleiher "Tier" sieht das ganz anders: "Es ist schon eine Erfolgsgeschichte", beschreibt er das Jahr nach Einführung der Leihroller: "Ich glaube, die Scooter haben einen langen Weg hinter sich in Bezug auf Nachhaltigkeit." Und:

Es ist mittlerweile eines der energieeffizientesten Fortbewegungsmittel, die wir überhaupt haben.
Moritz Werner, E-Scooter-Verleiher

Vorbei die Zeiten als die Roller der ersten Generation nachts noch eingesammelt und aufgeladen werden mussten. Heute werden beim Verleiher "Tier" nachts die Akkus der Roller einfach ausgetauscht.

Weniger Unfälle, weniger Verleiher

Beispiel München: Bis Ende des Jahres gab es rund 100 polizeilich erfasste Unfälle mit E-Scooter-Beteiligung, doch der Winter und das Coronavirus bremsten nicht nur den Hype, sondern auch die Anzahl der Probleme deutlich.

Auch bei der Zusammenarbeit der E-Scooter-Verleiher mit den Städten veränderte sich seit vergangenem Jahr einiges. Das Verhältnis sei gut, erklärt Johannes Mayer von der zuständigen Münchner Behörde, dem Kreisverwaltungsreferat.

"Wir haben gute Erfahrungen gemacht mit der Selbstverpflichtungserklärung für die E-Scooter Verleihanbieter." Wie auch beispielsweise in Hamburg und anderen deutschen Städten verpflichten sich die Anbieter dabei, nicht mehr als drei Roller pro 100 Quadratmeter aufzustellen.

Baustein in einer bunten Mobilitätswelt

Großangelegte Studien zu den E-Scootern liegen noch nicht vor, erklärt Verkehrsforscherin Laura Gebhardt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin. Eine fundierte Bewertung sei nach einem Jahr fast nicht möglich:

Mobilität ist stark von Routinen geprägt. Über Jahrzehnte etablierte Routinen ändern sich nicht innerhalb von einem Jahr, deswegen müssen wir noch länger hinschauen.

Mobilität ist stark von Routinen geprägt. Über Jahrzehnte etablierte Routinen ändern sich nicht innerhalb von einem Jahr, deswegen müssen wir noch länger hinschauen.
Laura Gebhardt

Dennoch ist sie sich sicher: "Diese Mobilitätsform könnte ein Baustein in einer bunten Mobilitätswelt sein, die eben ein Mix ist aus unterschiedlichen Angeboten. Und der Nutzer und die Nutzerin können situativ entscheiden: Auf welches Verkehrsmittel greife ich zurück." Eines haben die E-Scooter bereits ganz sicher erreicht: eine Diskussion darüber, wie städtischer Raum künftig verteilt wird.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.