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Perfekt angepasst, extrem bedroht

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Welteisbärentag - Perfekt angepasst, extrem bedroht

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Der Eisbär gilt als Symbol für die Folgen der globalen Erwärmung: Die Tiere sind stark vom Aussterben bedroht. Dabei kann jeder Eisbären einfach von zu Hause aus schützen.

Eisbär auf einer Eisscholle im Nordpolarmeer. Archivbild
Wie viele Eisbären es heute noch gibt, können Experten nur schwer schätzen.
Quelle: Ulf Mauder/dpa/Archivbild vom 14.08.2015

Schon 2004 rief ein Bündnis von Zoos in den USA den 27. Februar zum Welteisbärentag aus. Seitdem engagieren sich Menschen weltweit, um auf die prekäre Lage der Tiere durch den Klimawandel aufmerksam zu machen. Denn mit dem Meereis schmilzt auch ihr Lebensraum buchstäblich dahin. Dabei sind sie erstaunliche Tiere. Was Sie über Eisbären wissen müssen:

Eisbär gegen Mensch: Wer ist schneller?

Eisbären oder Polarbären (Ursus maritimus) gehören zu den größten Landraubtieren der Erde. Im Durchschnitt werden Männchen etwa 2,50 Meter lang. Einzelne Exemplare können vom Kopf bis zum typischen Stummelschwanz 3,40 Meter erreichen und 800 Kilogramm auf die Waage bringen. Trotz dieser gewaltigen Masse kann ein Eisbär auf etwa 30 Kilometer pro Stunde beschleunigen.

Zum Vergleich: Usain Bolt erreichte bei seinem Weltrekord über 100 Meter 44,72 Kilometer pro Stunde. Aber beide, Homo sapiens wie Eisbär, können das hohe Tempo nicht lange halten. Die Jagd auf Rentiere ist für Eisbären daher aussichtslos.

Eisbär unter Wasser
Im Wasser zeigen Eisbären eine erstaunliche Ausdauer, Hunderte Kilometer können sie problemlos am Stück schwimmen.
Quelle: dpa

Erstaunliche Ausdauer zeigen sie im Wasser, wo sie schwimmend Hunderte Kilometer am Stück zurücklegen können. Studien haben gezeigt, dass dieses durch Peilsender nachgewiesene Verhalten mit dem Rückgang des Meereises in Folge der globalen Erwärmung zusammenhängt.

Wie schützen sich Eisbären vor der Kälte?

Lebensraum der Eisbären ist die Arktis, wo sie sich meist in Küstennähe beziehungsweise am Treibeis aufhalten. Ihre enorme Größe ist eine evolutionäre Anpassung an die extremen Bedingungen der Nordpolarregion: Je größer der Körper, desto kleiner ist relativ betrachtet seine Oberfläche und damit der Wärmeverlust.

Schutz vor eisigen Temperaturen bietet außerdem der Pelz, dessen äußere Schicht aus transparenten (nicht weißen!) hohlen Haaren besteht, die ein Luftpolster bilden. Die schwarze Haut absorbiert zudem das Sonnenlicht und wandelt sie in Wärme um. Eine bis zu zehn Zentimeter dicke Fettschicht sorgt zusätzlich für eine nahezu perfekte Wärmedämmung, sodass Eisbären nicht nur gut getarnt, sondern auch für Wärmebildkameras praktisch unsichtbar sind.

Eisbären
Ein Eisbärenjunges herzt seine Mutter (Archiv): Schwarze Haut und Luftpolster aus Haaren schützen vor Kälte.
Quelle: ap

Wie und was jagen Eisbären?

Eisbären können in freier Wildbahn zwischen 20 und 30 Jahre alt werden. Wie alle Bären sind sie ausgesprochene Einzelgänger, die allein auf Nahrungssuche gehen.

Wenn im Winter das Eis der Arktis zufriert, suchen sie Atemlöcher von Robben auf und warten, bis ihre Beute auftaucht. Obwohl sich ihre Jagdreviere häufig überschneiden, zeigen die Rivalen kein Territorialverhalten. Die bisweilen beobachteten Kämpfe zwischen einzelnen Männchen sind eher ritualisierte Kampfspiele, bei denen die Kontrahenten meist unverletzt bleiben.

Eisbären beim Fressen ihrer Beute
Wenn im Winter das Eis der Arktis zufriert, suchen die Eisbären Atemlöcher von Robben auf und warten, bis ihre Beute auftaucht.
Quelle: imago

Wie viele Eisbären gibt es weltweit?

2015 schätzte die Weltnaturschutzunion (IUCN) die Zahl der Eisbären auf etwa 26.000 Tiere, die in 19 verschiedenen Populationen rund um den Nordpol leben. Diese Zahl ist jedoch nur ein Mittelwert. Die Angaben von Experten schwanken zwischen 16.000 und 35.000, da die in unzugänglichen Gebieten lebenden Tiere nur schwer zu zählen sind. Für viele Regionen liegen keine zuverlässigen Zahlen vor. Russland hat deshalb erst kürzlich das größte Tier-Monitoring der Geschichte angekündigt: Bis 2023 will das Land alle seine Eisbären zählen.

In den 1960er Jahren war die Zahl der Eisbären in Folge der ausufernden Jagd auf weltweit nur noch 5.000 Tiere geschrumpft. Erst seit in den USA und Grönland die Jagd der indigenen Bevölkerung vorbehalten ist, haben sich die Bestände erholt. Dennoch stuft die IUCN den Eisbär in der internationalen Roten Liste als "gefährdet" ein.

Eisbär liegt auf Eisdecke
Ein Eisbär, der sich auf einer sibirischen Halbinsel in Russland verirrt hatte, wurde in einer Rettungsaktion erfolgreich zurück in die Arktis transportiert und aufs Eis abgesetzt (Archiv).
Quelle: ebu; Alina Ukolova

Warum bedroht der Klimawandel die Eisbären?

Das größte Problem für Eisbären ist das schwindende Meereis, ihr bevorzugtes Jagdrevier. Durch die globale Erwärmung bricht im Frühjahr der Eispanzer immer früher auf, während er sich im Herbst später neu bildet. Im Vergleich zu 1979 stehen den Tieren heute bereits sieben Wochen weniger im Jahr mit günstigen Jagdbedingungen zur Verfügung.

Immer häufiger werden abgemagerte Tiere in der Nähe menschlicher Siedlungen zum Beispiel im Nordosten Russlands angetroffen, wo sie nach Essbarem suchen. Oder sie weichen auf Eier von Gänsen, Enten und Möwen aus, was diese Vogelarten bedroht, für die Bären auf Dauer aber keine Lösung darstellt.

Nach Angaben des WWF könnte bis 2050 rund ein Drittel der Eisbären verschwunden sein. In den Populationen der kanadischen Hudson Bay ist die Anzahl im Vergleich zu 2011 schon jetzt um knapp 20 Prozent zurückgegangen.

Eisbär (Ursus Maritimus) beim Plündern aus weggeworfenen Fässern auf Wrangel Island (Russland), aufgenommen am 12.02.2015
Eisbären müssen immer häufiger in Abfällen nach Nahrung suchen.
Quelle: imago images / Nature Picture Library

Helfen Zoos beim Schutz der Eisbären?

Knapp 40 Eisbären leben derzeit in 13 deutschen Zoos. Tierschutzorganisationen kritisieren immer wieder die Haltungsbedingungen und die zu kleinen Gehege. Diese führten zu Verhaltensstörungen und dazu, dass Eisbärenmütter ihren Nachwuchs verstoßen. Die Zoohaltung sei auch die Ursache dafür, dass die Bären in Gefangenschaft selten älter als 15 Jahre alt würden.

Befürworter sehen in der Präsentation von Eisbären und anderen bedrohten Arten in Zoos hingegen ein Mittel zum Zweck: Wer einmal ein Eisbär-Baby live gesehen hat, entwickelt vielleicht auch ein anderes Verständnis für dessen Artgenossen in freier Wildbahn. Fest steht: Seit Eisbär-Baby Knut 2006 ganz Deutschland verzückte und elf Millionen Menschen in den Zoologischen Garten Berlin lockte, sind seine Nachfolger Flocke und Co. Publikumsmagneten. 

Was kann ich für Eisbären tun?

Weil die Klimaerwärmung den unmittelbaren Lebensraum der Eisbären bedroht, ruft die Organisation Polar Bears International (PBI) am Welteisbärentag zur Thermostat-Challenge auf: Einfach die Heizung ein paar Grad runterdrehen und dadurch den CO2-Ausstoß reduzieren.

Archiv: Eisbär, aufgenommen am 11.09.2017
Der WWF schätzt, dass bis 2050 rund ein Drittel der Eisbären verschwunden sein könnte.
Quelle: epa

Auf ihrer Webseite bietet die von Wissenschaftlern gegründete Initiative außerdem viele Informationen, Eisbär-Live-Cams sowie die Möglichkeit, symbolisch einen Eisbären zu adoptieren.

Auch beim WWF kann man die Patenschaft für ein Tier übernehmen. Mit dem Geld werden unter anderem Schulungen zur Vermeidung von Konflikten mit den Eisbären finanziert, da die Tiere wegen der Eisschmelze immer häufiger in der Nähe menschlicher Siedlungen auftauchen.

Um die Eisbär-Wanderungen nachvollziehen zu können, werden ihnen Halsbänder mit Peilsendern angelegt. Mit dem Eisbär-Tracker des WWF kann man online die Wege einzelner Tiere in der Arktis verfolgen und so etwas über ihr Verhalten lernen.

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