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Alternative Energieträger : Die Wärmewende: eine Mammutaufgabe

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Klimaneutralität, weg von Energieengpässen und politischer Erpressbarkeit - die Energiewende soll es richten. Genau so dringend ist eine schnelle, kosteneffiziente Wärmewende.

Heizen könnte teurer werden. Archivbild
Der Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine markiert eine Veränderung der Energiedebatte in ganz Europa.
Quelle: Jan Woitas/ZB/dpa

Der Gebäudesektor ist einer der größten Energiefresser und Klimasünder. Gut 75 Prozent der Wohngebäude in Deutschland sind mit einer Öl- oder Gasheizung ausgestattet, davon ist jede vierte 25 Jahre und älter. Auf das Konto des Gebäudesektors gehen rund ein Drittel der klimaschädlichen Treibhausgase.

In einer aktuellen Studie fordert der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) eine Transformation der Wärmeversorgung: "Um die Klimaziele zu erreichen, aber auch um möglichst schnell unabhängig vom russischen Gas und Öl zu werden, müssen wir in der Wärmewende dringend einen Zahn zulegen", sagt Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin BDEW. Eine Mammutaufgabe also für die Bauwirtschaft sowie das Gebäudemanagement.

Explodierende Gaspreise, leere Speicher, Angst vor Rationierung und Abschaltung– Putins Krieg hat Deutschlands Abhängigkeit von russischem Erdgas gnadenlos offengelegt.

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Ganzheitliches Denken nötig

Eine, die sich intensiv damit beschäftigt, ist Prof. Lamia Messari-Becker. Die Bauingenieurin lehrt an der Universität Siegen und ist Mitglied im international renommierten Club of Rome. Zudem berät sie die Bundesregierung in Zukunftsfragen. Dass die Wärmewende hinterherhinkt, sei hausgemacht: "Bislang war Energiepolitik nur auf Strom fokussiert und hat die Wärmewende im Gebäudesektor sträflich vernachlässigt. Das fällt uns jetzt auf die Füße. Eine Wärmewende muss auf alternative Energieträger und Optionen wie etwa Geothermie und Solarthermie setzen", so Messari-Becker.

Und sie beschäftigt sich derzeit mit einer weiteren zukunftsweisenden Lösung: warmes Abwasser. Es fällt in Haushalten täglich in großen Mengen beim Duschen oder Händewaschen an und gelangt ungenutzt in die Kanalisation. Dabei lässt sich die darin enthaltene Wärme über einen Wärmetauscher leicht zurückgewinnen. Die sogenannte Abwasserwärmerückgewinnung birgt ein beachtliches Potential: "Ich habe Gebäude mitgeplant, die auf diese Weise 20 Prozent des Heizbedarfs decken. Abwasser-Wärmerückgewinnung ist besonders für dichte Zentren interessant. Dafür ist eine Förderung vom Staat notwendig", meint die Bauingenieurin. 

                      

Mit einem Gesetzespaket will Bundeswirtschaftsminister Habeck den Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2030 vorantreiben.

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Klimaretter Wärmepumpen?

Immer häufiger werden Öl- oder Gasheizungen durch Wärmepumpen ersetzt. Eine neue Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie belegt: In Deutschland sind bisher rund eine Million strombetriebene Wärmepumpen installiert. Für Lamia Messari-Becker ist diese Option allerdings nicht das Allheilmittel der Wärmewende: "Im Bestand sind energetische und technische Voraussetzungen derart verschieden, dass es nicht die eine Lösung geben kann, die für alle gut funktioniert. Wärmepumpen im Neubau funktionierten gut. Alleiniger Fokus auf Wärmepumpen im Altbau ist energiepolitisch nicht zielführend" so die Bewertung der Bauingenieurin.

Der Grund: Wärmepumpen kommen hier an ihre Leistungsgrenzen, es kommt zu einem hohen Stromverbrauch verbunden mit hohen Kosten. Ein ökologischer Vorteil besteht nur dann, wenn die Anlage mit Öko-Strom betrieben wird.

Ab 2024 muss jede neu eingebaute Heizung zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Eine Möglichkeit sind Wärmepumpen, doch unkompliziert ist der Einbau nicht.

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Große Maßstäbe ansetzen

Die Wärmewende muss von allen angepackt und mitgestaltet werden. Angefangen von den Kommunen über die Bauwirtschaft bis hin zu Häuslebauern und Mietern.

Aus ihrer Praxiserfahrung und wissenschaftlichen Arbeit kann Prof. Messari- Becker ableiten: "Wir müssen in größeren Maßstäben denken. Die Häuslebauer allein können die Wärmewende nicht stemmen. In Quartieren ließen sich Maßnahmen wie etwa gemeinsames Sanieren oder Gewinnung erneuerbarer Energien ökologischer, kostengünstiger und sozialverträglicher realisieren."      

Vernetztes Handeln also, das auch der BDEW in seiner aktuellen Studie fordert. Zu einer ambitionierten Wärmewende gehöre etwa auch der Einsatz grüner Fernwärme, welche aus Biogasanlagen ins Netz gespeist wird. Und auch grüner Wasserstoff könnte Teil der Wärmewende sein.

Interview

Grüne Energien - So kann Deutschland die Energiewende schaffen 

Ukraine-Krieg, Klimakrise und steigende Energiepreise zeigen: Deutschland muss unabhängig von fossilen Brennstoffen werden. Professor Quaschning erklärt, wie das klappen kann.

Christine Elsner ist Redakteurin in der ZDF-Umweltredaktion.

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