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Terra X - die Wissens-Kolumne : Tesla-Tempo - auch für die Energiewende bitte

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Genehmigungen, Gutachten - alles binnen Monaten. Das Land kann auch im Tesla-Tempo Großprojekte umsetzen, wie die Flüssiggasterminals zeigen. Das ist beim Klimaschutz nötig.

Terra X - Die Wissens-Kolumne: Ingolf Baur

In der Terra-X-Kolumne auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpert*innen jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.

Da sage noch einer, in Deutschland würde alles BER-lange dauern. Noch vor Ende des Jahres werden drei Flüssiggasterminals fertiggestellt sein. Genehmigungen, Gutachten, Großbaustellen - alles inklusive innerhalb eines Dreiviertel Jahres. Deutschland kann Tesla-Tempo, wenn es will! Nur leider nicht beim Ausbau der Erneuerbaren.

Natürlich muss Gas her - wir können ja die Industrie nicht gegen die Wand fahren lassen und mit ihr den Rest des Landes. Aber warum kein Turbo beim Aufbau einer autarken, günstigen und klimaneutralen Energieversorgung? Das ist so, als würde man nach einem Unfall mit dem Segelboot zwar das Loch im Rumpf reparieren, aber das Segel nicht flicken. Man säuft nicht direkt ab, kommt aber nicht mehr ans Land.

Ambitionierte Pläne hat die Regierung zum Ausbau der Erneuerbaren vorgelegt. Doch um Windkraftanlagen und Solarmodule aufzustellen, müssen sie erstmal produziert werden. Nur wie und von wem?

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Grüne erreichen nur wenig beim Windkraft-Ausbau

Da sitzen die Grünen in der Regierung und bekommen mit Putins Krieg eine Steilvorlage für das urgrünste Ziel: weg von den fossilen Energien, alles auf Sonne und Wind. Trotzdem sind in der ersten Jahreshälfte nur 238 Windräder neu errichtet worden. Fünf davon in Baden-Württemberg, drei in Bayern, zwei in Sachsen.

Und bundesweit wurden in der Zeit sogar 82 abgebaut. Bleiben 156 zusätzliche Windkraftanlagen, die uns klimaneutral Energie liefern. Ein Nichts. Und ein Alarmzeichen, dass die wichtigste Transformation unseres Landes - der Übergang zu einer sauberen Energieerzeugung - zu scheitern droht.

Fünffaches Tempo beim Ausbau benötigt

Und wir bräuchten eigentlich Faktor fünf. Fünffaches Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren. Das wäre der Weg zu den geplanten 80 Prozent sauberer Strom bis 2030 und Klimaneutralität bis 2045. Warum geht nichts Deutschland?

Die neue Bundesregierung will Deutschland nun auf diesen 1,5-Grad-Pfad bringen. Doch reicht der im Koalitionsvertrag vereinbarte Aus- und Umbau des Energiesystems dafür?

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Man kann Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) nicht vorwerfen, er hätte nicht geliefert: Erneuerbare Energien haben jetzt Vorrang vor Belangen wie dem Denkmalschutz, die Länder müssen zwei Prozent ihrer Fläche für Windräder freigeben (wenn auch erst bis 2030), Artenschutzprüfungen werden bundesweit vereinheitlicht, Genehmigungsverfahren vereinfacht. Warum geht trotzdem immer noch nichts?

Lieber am Windrad als am Kohlkraftwerk wohnen

Mir scheint, es fehlt bei vielen Ländern, Gemeinden und Behörden das Eigenengagement, die neuen Richtlinien umzusetzen. Statt volle Fahrt aufzunehmen, dümpelt man weiter vor sich hin.

Sicher: Wenn bei mir hinterm Garten (das wäre in Baden-Württemberg in mindestens 700 Meter Abstand) ein Windrad mit 250 Meter Höhe gebaut würde, müsste ich auch schlucken. Andererseits: Am Kohlekraftwerk wollte ich erst recht nicht wohnen.

Wir haben uns an die permanenten Zumutungen unserer Konsumgesellschaft gewöhnt: an Flugzeuge, die über Wohngebiete donnern - was wäre das Leben ohne Urlaubsflug? An Radfahren im Abgasdampf - wo kämen wir hin ohne Auto? An 18 Millionen Vögel, die jedes Jahr an den Fensterscheiben unserer Häuser sterben - Höhlen sind keine Option.

Gibt es so etwas wie "Grünes Wachstum" - also Klimaneutralität durch Innovationen ohne Wohlstandsverlust?

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Grüne Energieprduktion ist nicht umsonst

Und natürlich gibt es die grüne Energieproduktion nicht umsonst: Windräder, Stromtrassen und Solarparks brauchen Fläche, sie konkurrieren mit Lebens- und Erholungsräumen für Tiere und Menschen. Aber ist es wirklich so dramatisch, bei der Erzeugung von sauberer Energie zuschauen zu müssen?

Und manches Argument ist einfach keines: etwa die ewig wiederholte Mär vom Infraschall. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe musste einräumen, dass man sich bei den Berechnungen um den Faktor 4.000 vertan hatte. Tatsächlich bekommt man bei vier Stunden Autofahren schon mehr Infraschall ab, als wenn man sich 20 Jahre vor eine Windkraftanlage stellt.

Derzeit kommt der Löwenanteil der Erneuerbaren Energien mit etwa zwei Drittel aus der Windkraft. Das soll in Zukunft auch so bleiben. Der Ausbau der Windkraft muss also schnell vorangehen. Wie ist diese gewaltige Aufgabe zu schaffen?

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Sieben Jahre bis zur Genehmigung - viel zu lang

Und wie beseitigt man das größte Nadelöhr, nämlich die Bremse bei den Genehmigungsverfahren in den Behörden? Klar: mehr Mitarbeiter einstellen. Aber warum nicht mutiger: Jede Anlage, über die nach, sagen wir, einem halben Jahr noch nicht entschieden wurde, bekommt automatisch einen Zuschlag? Es kann doch nicht sein, dass es heute immer noch im Schnitt sieben Jahre bis zum Entscheid dauert.

Dies ist aber kein Plädoyer für einen rücksichtslosen Ausbau, der alle Bedenken des Artenschutzes wegfegt. Die Population der Rotmilane mag zugelegt haben, seit Windräder aufgestellt wurden, doch auf Nord- und Ostsee soll die Windleistung in den nächsten 23 Jahren verneunfacht werden. Was das mit Basstölpel und Trottellumme, aber auch den ganzen unscheinbaren Arten der Meere macht, kann keiner voraussehen.

 Wenn wir die Ökosysteme ruinieren, haben wir am Ende alles verloren.

Die ganze Doku zur Kolumne: Ist die Energiewende noch zu retten? Wie kann der große Umbau gelingen ohne Artenschutz und Biodiversität zu gefährden?

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