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Der Maestro der Filmmusik

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Nachruf auf Ennio Morricone - Der Maestro der Filmmusik

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Mit seinen Italowestern-Kompositionen wurde er weltberühmt, dabei war Ennio Morricones Repertoire viel breiter. Als junger Mann experimentierte er auch in Darmstadt. Ein Nachruf.

Mit der Filmmusik zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ kam der Durchbruch: Ennio Morricone komponierte zu 500 Filmen die Musik, noch im hohen Alter ging er als Dirigent auf Tourneen. 2016 bekam er einen Oskar. Ein Nachruf - mit einem seiner letzten Interviews.

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Drei schräge Töne für die Ewigkeit: Das Mundharmonika-Thema aus "Spiel mir das Lied vom Tod" ist weltberühmt. Der Schöpfer Ennio Morricone wurde dadurch zum Inbegriff der Komponisten für Italowestern. Doch das hat ihm nie geschmeckt: "Nur acht Prozent meiner Musik war für diese Western", sagte der Komponist bei jeder Gelegenheit.

Dennoch legten die Kompositionen für "Zwei glorreiche Halunken" oder "Für eine Handvoll Dollar" den Grundstein für seine Karriere. Besonders die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Sergio Leone war von Erfolg gekrönt. Die beiden verstanden sich blind und vertrauten sich - waren sie doch schon gemeinsam in der Schule.

Zusammenspiel von Musik und Bildern

Das Vertrauen ging so weit, dass Leone die gesamte Anfangsszene von "Spiel mir das Lied vom Tod" nach den Vorgaben der Musik drehte - ein absolut seltenes Vorgehen, dass die Bilder dem fertigen Soundtrack folgen.

Mit die berühmtesten Töne der Filmgeschichte - sie stammen aus dem Film "Spiel mir das Lied vom Tod". Wir trafen den Komponisten Ennio Morricone zu einem Exklusiv-Interview - und er sang die Melodie.

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Aber allein diese minutenlange Anfangsszene ist ein Dokument für die Genialität Morricones: Aus dem Quietschen und Knarren von Umweltgeräuschen und dem Tropfen eines Wasserhahns komponierte er einen Klangteppich, der nach und nach in die wunderbare volle Orchestermusik mündet - während dann letztlich Claudia Cardinale mit dem Zug ankommt. Ein unfassbares Zusammenspiel von Musik und Bildern.

Experimenteller Musiker: Pfiffe auf dem Baumstumpf

Überhaupt hat Morricone viel experimentiert. Als junger Komponist schloss er sich Ende der 50er-Jahre einer Gruppe an, die sich der "Neuen Musik" verschrieb - in Darmstadt. Im ZDF-Interview erzählte er von diesen Experimenten: "Wir gingen in den Wald und jeder stellte sich auf einen Baumstumpf. Und jeder suchte sich einen Ton aus und pfiff oder summte oder schrie den Ton. Und ich dirigierte dieses  Experiment." Wer will, kann diese schrägen Töne von damals als Leitmotiv seines Schaffens erkennen, das sich in viele Werke geschlichen hat. Experimentierfreudig war er stets auch mit Instrumenten: Von der Maultrommel bis zum großen Orchester nutzte er die volle Bandbreite. 

Morricone hat dem ZDF während seiner Konzertreise 2015 ein Interview gegeben. Darin erzählt der Komponist unter anderem über Erfahrungen, die er in Deutschland gesammelt hat.

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Akribisch und arbeitswütig schuf Morricone mehr als 500 Filmmusik-Kompositionen - und das bis ins hohe Alter. Auch mehrere Opern schrieb der Maestro. Fans aus aller Welt sammelten seine Platten. Die große Anerkennung blieb vorerst aus: Die Oscars für die Filmmusik gingen trotz der weltberühmten Melodien - beispielsweise wurde er für die Musik zu "Mission" nominiert - immer an andere. Aufträge aus Hollywood bekam er dennoch zuhauf. Und auch kuriose Angebote: "Die wollten mich in die USA locken, sie wollten mir eine Villa schenken und noch mehr." Aber der Komponist widerstand den Versuchungen: "Ich hätte mich und meine Musik verkauft. Ich hätte nie mehr meine Musik komponieren können."

Morricone: Oscar für sein Lebenswerk

Die späte Anerkennung aus Hollywood kam dann doch noch: 2007 gab es den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk. Bei der Preisverleihung hatte er feuchte Augen und er konnte vor Rührung kaum sprechen. Dennoch nahm man ihm ab, dass solche Preise für ihn nicht allzu wichtig waren - er galt als bescheiden. Wichtiger war ihm seine Musik und die Zusammenarbeit mit den Regisseuren: mit Quentin Tarantino zum Beispiel. Dieser nahm immer wieder Morricone-Stücke in seine Filme. Und 2016 gab es für das gemeinsame Werk "The Hateful Eight" dann einen regulären Oscar. Und wieder war es kurioserweise eine Komposition für einen Western, die Erfolg hatte.

Ennio Morricone, der Meister der Filmmusik, ist tot. Er hinterlässt viele Meisterwerke und viele Fans, die weltweit zu Konzerten kamen und ihn mit Liebe überschütteten. Selbst die Metalband Metallica outete sich als Anhänger und spielte immer wieder seine Musik: "The Ecstasy of Gold" klingt auch mit rauen E-Gitarren fantastisch.

Hubert Krech hat Ennio Morricone vor fünf Jahren interviewt und twitterte nach dessen Tod ein Foto, das ihn mit dem Maestro zeigt:

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