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Retter kämpfen gegen Zeit und Kälte

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Nach Erdbeben in der Türkei - Retter kämpfen gegen Zeit und Kälte

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Immer wieder fordern sie Stille, um Hilferufe hören zu können: Retter suchen im Osten der Türkei weiter nach Überlebenden des Erdbebens. Doch die Hoffnung schwindet.

Nach dem schweren Erdbeben in der Osttürkei ist die Zahl der Todesopfer auf 35 gestiegen. 45 Menschen seien bisher lebend geborgen worden, so der türkische Präsident Erdogan.

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Zwei Tage nach dem schweren Erdbeben in der Osttürkei mit Dutzenden Toten suchen Rettungskräfte bei Eiseskälte weiter nach Überlebenden. Am Sonntag bargen die Helfer vier weitere Leichen aus den Trümmern - die Zahl der Toten stieg damit nach offiziellen Angaben auf 35. Mehr als 1.600 Menschen wurden nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde Afad verletzt, 45 Menschen konnten lebend geborgen werden. Am Samstag waren laut Medienberichten mindestens zwei Kinder und eine Schwangere gerettet worden.

Das Beben der Stärke 6,8 hatte am Freitagabend gegen 21 Uhr (Ortszeit) die Provinz Elazig erschüttert, auch in der Nachbarprovinz Malatya starben Menschen. Das Epizentrum lag im Bezirk Sivrice.

Karte: Türkei, Elazig, Erdbeben
Karte: Erdbeben-Region um Elazig, Türkei
Quelle: ZDF

Tausende verbrachten Nacht in Zelten und Sporthallen

Innenminister Süleyman Soylu sagte am Sonntag, die Helfer vermuteten noch sechs Menschen unter den Trümmern. Mehr als 36 Stunden nach dem Beben und bei Temperaturen, die in der Nacht auf minus zehn Grad sinken, schwand aber die Hoffnung, noch Überlebende zu finden. Auf Bildern waren Rettungskräfte zu sehen, die schweigend auf den Überresten eines Hauses arbeiteten und Schutt beiseite räumten. Die Helfer forderten die Wartenden nach Angaben des Senders CNN Türk immer wieder zur Stille auf, um die Stimmen von möglichen Überlebenden hören zu können. Spürhunde wurden eingesetzt.

Bagger reißen ein zerstörtes Gebäude nach ein Erdbeben am 26..012020 in Elazig (Türkei) ab
In den Provinzen Elazig und Malataya stürzten rund 80 Gebäude ein, weitere rund 650 wurden schwer beschädigt.
Quelle: epa

Eine Frau sagte dem Sender CNN Türk unter Tränen, ihre Großmutter sei im zweiten Stock ihres Hauses verschüttet. Eine Gruppe von Frauen brach in Tränen aus, als die Leiche eines Angehörigen geborgen wurde. Eine Mitarbeiterin des Roten Halbmondes versuchte derweil eine Frau, deren Cousine vermisst wurde, zu beruhigen: "Wir tun, was wir können."

Das Gebäude schaukelte wie eine Wiege. Ich habe schon mehrere Erdbeben erlebt, aber noch nie etwas Vergleichbares.
Hasan Duran, Augenzeuge

Auch der 58-jährige Ladenbesitzer Hasan Duran verfolgte die Rettungsaktionen. "Wenn es Sommer wäre, könnten die Menschen vielleicht ein bisschen länger durchhalten. Aber bei dieser Kälte ist das schwer vorstellbar. Sogar wir zuhause frieren", sagte er. Er habe noch nie so große Angst gehabt, wie während des Bebens, erzählte er. "Das Gebäude schaukelte wie eine Wiege. Ich habe schon mehrere Erdbeben erlebt, aber noch nie etwas Vergleichbares."

Viele Bewohner trauten sich am Sonntag aus Angst vor Nachbeben noch nicht in ihre Häuser zurück. Seit Freitag wurden 714 Nachbeben registriert. Nach Behördenangaben wurden mehr als 15.000 Menschen in Turnhallen und Schulen untergebracht und mehr als 5.000 Zelte aufgebaut.

Fußballfans spenden Schals, Mützen und Decken

Fußballfans des Istanbuler Erstligisten Fenerbahce unterstützten die Erdbebenopfer derweil in einer aufsehenerregenden Aktion: Sie warfen am Samstagabend während des Spiels gegen Basaksehir ihre Schals und Mützen auf den Platz und skandierten: "Elazig friere nicht, Fenerbahce ist mit dir." Nach Angaben des Senders NTV wurden die Kleidungsstücke eingesammelt und sollen zu den Opfern geschickt werden. Die Fans des Erstligisten Besiktas schickten mehr als 3.800 Decken in die Erdbebenregion, wie der Club mitteilte.

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Elazig am Samstag besucht und versprach am Sonntag vor einer Reise nach Algerien, beschädigte und zerstörte Häuser schnell wieder aufzubauen. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde wurden in den Provinzen Elazig und Malatya insgesamt 645 Gebäude schwer beschädigt, 76 seien eingestürzt.

Die Türkei ist besonders erdbebengefährdet. Eines der folgenreichsten Beben war eines der Stärke 7,6 im Jahr 1999 mit Epizentrum in Gölcük südöstlich von Istanbul. Damals starben in der Region rund 18.000 Menschen. Forscher erwarten ein weiteres starkes Beben im Raum Istanbul, wann ist jedoch unklar. Erst zum 20. Jahrestag des Gölcük-Bebens im August hatte die Bauingenieurskammer von Istanbul gewarnt, dass geschätzt eine Million Gebäude in Istanbul nicht erdbebensicher seien.

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