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Kölner Missbrauchsgutachten : Betroffene: "Kein Ersatz für Aufarbeitung"

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"Freispruch für Woelki", "Showveranstaltung" - Betroffene kritisieren das Gutachten zum Umgang mit Missbrauch im Erzbistum Köln. Andere sehen es als wichtigen Mosaikstein.

Das Missbrauchsgutachten für das Erzbistum Köln stößt auf ein gemischtes Echo. Es sei ein Freispruch für Kardinal Woelki, sagte der Sprecher der Betroffenen-Initiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch. "Was man bestellt hat, hat man bekommen." Das Gutachten kläre weder moralische noch kirchenrechtliche Fragen. Die Perspektive der Betroffenen spiele in dem Gutachten keine Rolle - es sei kein Ersatz für eine Aufarbeitung des Missbrauchs.

Der ehemalige Sprecher des Betroffenenbeirats im Erzbistum Köln, Karl Haucke, sprach von einer "Showveranstaltung". Die Kirche brauche keine Moral, weil auch die "Kirchenfürsten" keine Moral hätten.

Patrick Bauer, eines der Opfer von sexuellem Missbrauch, sagte bei ZDFheute live, es habe ihn wirklich überrascht, dass Kardinal Woelki sofort personelle Konsequenzen gezogen und Weihbischof Schwaderlapp und Prälat Assenmacher von ihren Aufgaben entbunden habe. Erbärmlich sei, dass diese Männer anscheinend nicht begriffen hätten, dass der Schutz eines Kindes vor den Schutz eines Mitbruders oder der Institution zu stellen sei. Es sei gut, dass diese Dinge nun benannt wurden.

Maria 2.0: "System wird nicht in Frage gestellt"

Katholische Frauenverbände sehen das Gutachten als Beweis dafür, dass die Machtstrukturen in der katholischen Kirche grundlegend verändert werden müssen. Eine rein juristische Bewertung der Vorgänge reiche nicht aus - auch mit Blick auf die katastrophale Aktenlage, erklärten die Katholische Frauengemeinschaft (kfd), der Katholische Frauenbund (KDFB) und die Reformbewegung Maria 2.0.

Für die Mit-Initiatorin von Maria 2.0, Lisa Kötter, ist das Gutachten nicht geeignet, die Ursachen für den jahrzehntelangen Missbrauch aufzuarbeiten. Es gehe nur um die Taten Einzelner, "das System wird nicht in Frage gestellt", sagte Kötter den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Was übrig bleibt, ist die lebenslange Qual der Menschen, denen Gewalt angetan wurde.
Lisa Kötter, Maria 2.0

Wenn auch nur ein Mensch verletzt worden sei, um die Fassade einer Institution, eines Amtes, einer "Heiligkeitsbehauptung" zu schützen, habe diese Institution ihre Würde verloren.

Sternberg: Bei Klerikern andere Kriterien als bei Laien

Zunächst einmal sei gut, dass in dem Gutachten sachlich und konstruktiv die Vorgänge dargestellt wurden, sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, im ZDF.

Bei Fehlverhalten seien im Bereich des Klerus aber offensichtlich andere Kriterien angewandt worden als bei Laienmitarbeitern. "Das hat mich schon sehr erschrocken", so Sternberg. Das sei doch ein Hinweis darauf, dass es unter Klerikern so etwas wie "Männerbündisches" gibt.

Aus dem Gutachten, das der Strafrechtler Björn Gercke am Mittwoch vorstellte, geht hervor, dass übergriffige Laien im Kirchendienst sofort entlassen wurden, Kleriker unter den Tätern hingegen keine Konsequenzen zu spüren bekommen hätten.

Missbrauchsbeauftragter Rörig: Wichtiger Mosaikstein

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, nannte das Ausmaß des Missbrauchs im Erzbistum Köln "erschreckend". Das Gutachten sei aber ein "wichtiger von vielen weiteren Mosaiksteinen der unabhängigen Aufarbeitung". Nun müsse zügig eine Aufarbeitungskommission unter Beteiligung von Betroffenen und weiteren Experten gebildet werden.

Erst durch die nun anstehende unabhängige Aufarbeitung werde "auch das Leid der Betroffenen betrachtet und auch geklärt, warum Kirchenleute so rigoros und herzlos mit kindlichen Opfern umgegangen sind". Kardinal Woelki hatte am Montag eine Vereinbarung mit verbindlichen Kriterien für die Missbrauchsaufarbeitung unterzeichnet.

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