Sie sind hier:

Missbrauchsgutachten in Köln : Kardinal Woelkis Stunde der Wahrheit

Datum:

Wer trägt im Erzbistum Köln Verantwortung für sexuellen Missbrauch? Kardinal Woelki hat heute das lange erwartete Gutachten vorgestellt. Und es gab direkt Konsequenzen.

Woelki-Gutachten zu Missbrauch im Bistum Köln
Der jetzige Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki hat sich laut Gutachten nichts zu Schulden kommen lassen.
Quelle: dpa

800 Seiten umfasst das dicke schwarze Buch. Das Gutachten, das mit großer Spannung und lange erwartet wurde. Der Kölner Strafrechtler Björn Gercke hat es erstellt, und zwar zum allergrößten Teil auf Basis der im Erzbistum vorliegenden Akten.

Schutz der Institution Kirche stand im Vordergrund

Das Ergebnis: Von 1975 bis 2018 wurden 202 Beschuldigte und mindestens 314 Betroffene im Erzbistum Köln ausfindig gemacht. Mehr als die Hälfte davon Kinder unter Vierzehn.

Gercke spricht von chaotischen Zuständen der Aktenführung, die teils von Geheimhaltung geprägt gewesen sei. Jahrzehntelang habe sich niemand getraut, Missbrauchsvorwürfe überhaupt nur zu melden. Der Schutz der Institution Kirche habe oft im Vordergrund gestanden.

Zum ersten Mal werden in dem Gutachten auch Namen genannt. Mehrere Bischöfe werden schwer belastet. Der verstorbene ehemalige Kölner Erzbischof Joachim Meisner und der heutige Hamburger Erzbischof Stefan Heße, der in Köln von 2006 bis 2012 zuständig war für das Personal, müssen sich mehrfache Pflichtverletzungen vorwerfen lassen.

Woelki laut Gutachten unschuldig

Der jetzige Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki dagegen hat sich laut Gutachten nichts zu Schulden kommen lassen.

Es wäre ein leichtes gewesen, den Kardinal medial zum Schafott zu führen, aber die Aktenlage hat das nicht hergegeben.
Björn Gercke

Damit befinde man sich auch im Einklang mit einer Beurteilung aus Rom. Als Reaktion auf das Gutachten sagte Kardinal Woelki, nun sei, wie er versprochen habe, ein erster Schritt getan, um Vertuschung aufzuklären.

Zwei Führungskräfte suspendiert

Er suspendierte zudem postwendend zwei hochrangige Führungskräfte des Erzbistums. Ein Sprecher der Betroffenen in Köln sagte, man habe einfach zu lange auf das Gutachten warten müssen.

Woelki hatte monatelang massiv in der Kritik gestanden. Ende 2018 hatte er zunächst die Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl mit einem Gutachten beauftragt. Auch hier sollte aufgezeigt werden, wie Verantwortliche im Bistum mit den Missbrauchsanschuldigungen umgegangen sind und ob sie dabei gegen Straf- und Kirchenrecht verstoßen haben.

Dann entschied der Kardinal, das Gutachten aus juristischen Gründen unter Verschluss zu halten. Offenbar befürchtete Woelki Rechtsstreitigkeiten mit namentlich genannten Kirchenleuten und gab dann das neue Gutachten in Auftrag.

Professionelle Aktenführung gefordert

Es folgte eine monatelange und heftige Debatte um die schleppende Aufklärung, die das Erzbistum Köln in eine schwere Krise brachte. Die betraf nicht nur den Kardinal und die Kölner Bistumsleitung, sondern inzwischen die gesamte katholische Kirche in Deutschland - die sprunghaft gestiegenen Kirchenaustritte sprechen eine deutliche Sprache.

Als Konsequenz aus dem Gutachten fordern die Juristen heute für die Zukunft eine professionelle Aktenführung im Erzbistum. Außerdem müssten alle Fälle konsequent an den Erzbischof gemeldet werden. Ob damit nun Ruhe einkehrt am Kölner Dom bleibt abzuwarten.

Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.