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Klimaschutz und Landwirtschaft - Wohin steuert die europäische Agrarpolitik?

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Es ist eine Herkulesaufgabe. Europas Landwirtschaft muss klimaschonender werden. Dafür soll ein Teil der EU-Agrarsubventionen besser verteilt werden. Doch reicht das aus?

EU-Agrarsubventionen müssen "grün" neu verteilt werden. Kann das gelingen?

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Die EU schüttet seit Jahrzehnten über der europäischen Landwirtschaft ihr Füllhorn aus. Die Bauern in Europa werden pro Jahr mit 58 Milliarden Euro unterstützt. Nach Deutschland fließen pro Jahr 6,2 Milliarden Euro. Der größte Teil, 4,9 Milliarden Euro, wird nach Größe der Fläche ohne jegliche Bedürftigkeitsprüfung ausbezahlt, egal ob es einem Agrarunternehmen gut geht oder nicht.

Diese Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) fördert vor allem auch die intensive Landwirtschaft mit ihren immensen Umweltschäden, dem Insektensterben, dem Verlust an Biodiversität, kranken Böden und einer klimaschädlichen Massentierhaltung. Dabei ist die Landwirtschaft der einzige Sektor, der Treibhausgase auch aufnehmen kann.

Wie bunte Wiesen das Klima schützen

Sepp Braun gilt als ein Vordenker in puncto nachhaltige Landwirtschaft. Wenn er seine Felder inspiziert, dann passiert das mit einem fast schon detektivischen Blick. Denn eine Bio-Wiese besteht für ihn nicht einfach nur aus schnödem Gras. Sein geschultes Auge sieht sofort, ob da noch mehr ist. Kräuter, wie Spitzwegerich, Pimpernelle und Wiesensalbei schätzt er besonders.

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Zunächst ist die Vielfalt auf einer Wiese gut für die Insekten, aber auch für das Bodenleben. Denn dort bildet sich durch die Kräuterwiese mehr Humus, welcher Kohlenstoff bindet, was gut fürs Klima ist. Und als Viehfutter für Sepp Brauns 22 Kühe ist die Kräuter-Grasmischung nicht nur eine Delikatesse, sondern wirkt nochmals klimaschonend. Denn die Kräuter haben im Gegensatz zu Kraftfutter wie Soja einen hohen Anteil sogenannter Tannine, die die Bildung von klimaschädlichem Methan im Pansen minimieren.

Maßnahmen der EU nicht ausreichend?

Mit der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik der EU könnte bald diese Art der Landwirtschaft besser gefördert werden. Denn ab dem Jahr 2023 sollen in Europa mindestens 20 Prozent, in Deutschland 25 Prozent der Flächenzahlungen, direkt an Umwelt-und Klimaleistungen, den sogenannten Eco-Schemes, gekoppelt werden.

Für Biolandwirt Sepp Braun ist das viel zu wenig. Nur eine komplette Abschaffung der Flächenzahlungen zugunsten von Umweltprogrammen könne die Emissionen von Treibhausgasen aus der Landwirtschaft senken.

Auch Friedhelm Taube, Agrarwissenschaftler an der Universitär Kiel, fordert einen Umbau der EU-Subventionen innerhalb der nächsten zehn Jahre. Für ihn ist eine Gemeinwohlprämie denkbar, nachdem Landwirte nach einem Punktesystem Gelder für umweltschonende Maßnahmen erhalten. Mittlerweile wird dieses Modell auch von der EU-Kommission präferiert.

Streitpunkt Flächenzahlungen: Klimaschutz vs. Wettbewerbsfähigkeit

Allerdings ist die Bereitschaft nicht bei allen groß, das System der Flächenzahlungen ganz zu kippen. Vor allem dasBundeslandwirtschaftsministerium möchte daran festhalten und erklärt dazu:

Was gern vergessen wird: Die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik dient nicht nur der Umsetzung von Umwelt- oder Klimaleistungen, sondern in erster Linie der Sicherung der Ernährungs- und Versorgungssicherheit in Europa.
Bundeslandwirtschaftsministerium

"Dafür müssen Einkommen der Landwirte und ihre Wettbewerbsfähigkeit gesichert sein", heißt es in der Erklärung.

Doch ohne die Rettung des Klimas sind Ernten und die Einkommen der Bauern bedroht. Das ist auch bei konservativen Politikern angekommen. Der CDU-Agrarpolitiker Kees de Vries fordert deshalb eine radikale Kürzung der EU-Flächenzahlungen: "[Ich] stelle fest, dass die Gesellschaft nicht mehr bereit ist, das so zu honorieren. Und ich auch der Überzeugung bin, dass wir das so nicht brauchen."

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