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Wetterextreme treffen Verkehr - Teure Anpassung an Hitze, Sturm und Hagel

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Sturm, Starkregen- und Hitzeereignisse nehmen zu, die Schäden sind groß. Auch im Verkehr. Er muss sich schnell anpassen, so eine Expertin zum Start des ExtremWetterKongresses.

Im Flutgebiet an der Ahr haben die Reparaturarbeiten an der Bahnstrecke begonnen.
Im Flutgebiet an der Ahr haben die Reparaturarbeiten an der Bahnstrecke begonnen.
Quelle: dpa

Mehr als 1.000 Oberleitungs- und Signalmasten, 180 Bahnübergänge und über 50 Brücken wurden durch die Flut Mitte Mai ganz oder zum Teil zerstört. Die Deutsche Bahn schätzt den Schaden auf rund 1,3 Milliarden Euro. Ein besonders fatales Ereignis, das nicht nur eine menschliche Katastrophe war, sondern auch viel Geld kostet.

Gesperrte Straßen, niedrige Pegelstände

Weniger im Fokus stehen daneben die vielen kleineren Ereignisse, die sich über das Jahr summieren und im Verkehrssektor ebenfalls kräftig zu Buche schlagen. Das betrifft nicht nur die Bahn. Bei Sturm fallen Flüge aus, auch Straßen werden wegen Überflutung, abgerutschter Hänge oder umgestürzter Bäume gesperrt. Hochwasser oder zu niedrige Pegelstände bremsen den Schiffverkehr auf den Flüssen aus. 

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Ob und wie man sich darauf einstellen kann, ist eine der großen Fragen, mit denen sich in Hamburg der elfte ExtremWetterKongress bis Freitag befasst. Die Zunahme von extremen Wetterereignissen durch den Klimawandel sei "ein Prozess, der stattfindet - unabhängig davon, ob wir hinschauen oder nicht", sagt Dr. Lara Klippel vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Und sie lässt keinen Zweifel daran, dass "Hinschauen" für sie die bessere Variante ist.

Modelle zur Erderwärmung und ihre Folgen

Es sei für die Verantwortlichen wichtig, Wetterextreme "früh in Planungsprozesse und in Bauprozessen aktiv zu berücksichtigen, um genug Zeit zu haben, sich bis zum Ende des Jahrhunderts an Änderungen anpassen zu können." Klippel gehört zu einem Wissenschafts-Netzwerk, das Modelle zur Erderwärmung und deren erwartete Wirkung auf die Infrastruktur entwickelt.

Beispiel: Hitzephasen können künftig in bestimmten Flüssen zu Niedrigwasser führen oder auch die Brandgefahr entlang von waldreichen Bahntrassen erhöhen. Denn vor allem Hitzewellen, Dürren und Überflutungen haben seit den 50er-Jahren stark zugenommen, stellte erst im August der Weltklimarat fest.

Mehr Starkregen erwartet

Auch Starkregenereignisse würden künftig häufiger auftreten - pro Grad Erderwärmung steigt die Wahrscheinlichkeit um sieben Prozent. Der Grund: Warme Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf als kühle. Betroffen ist davon nach einer Studie der World Weather Attribution-Initiative auch Mitteleuropa. Die Intensität extremer Niederschläge habe sich dort durch den Klimawandel um drei bis 19 Prozent erhöht.

Wegen versiegelter Flächen läuft bei Starkregen vielerorts die Kanalisation blitzschnell voll. Die Folge: Überflutungen. Viele Städte wollen sich jetzt rüsten und sogenannte Schwammstädte werden.

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Das Bewusstsein ist in jedem Fall vorhanden,

stellt Klippel fest. Und zwar nicht erst seit der Katastrophe im Mai. Die Daten des Netzwerks sind gefragt, ebenso wie Anwendungen, die bei der Planung helfen. In die Modelle können zum Beispiel bereits Bauwerke hineingerechnet werden, die es noch gar nicht gibt, "um abzuschätzen, wie sich ein System ändert, wenn wir daran etwas umbauen", erklärt Klippel.

Bahn stellt sich auf Extreme ein

Auch die Bahn will sich in den kommenden Jahren "auf weiter zunehmende Wetterextreme wie Starkregen und Hagel sowie deutlich mehr Hitzetage einstellen2, sagt eine DB-Sprecherin auf Anfrage. Grundlage ist eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), die "detaillierte Prognosen zu klimatischen Besonderheiten in 34 einzelnen Regionen Deutschlands" ausweist.

Die Anpassungsmaßnahmen betreffen etwa die Vegetation am Gleis, die Fahrzeuge und die Infrastruktur selbst. Sensoren an den Anlagen zum Beispiel erfassen Temperaturen und Umgebungsbedingungen, damit schneller reagiert werden kann.

Jährlich gibt die Bahn nach eigenen Angaben einen dreistelligen Millionenbetrag aus, um den Verkehr "wetterfester" zu machen. Sturmschäden durch Bäume etwa konnten so seit 2018 um 25 Prozent reduziert werden.

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Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion

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