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Kindeswohl in Gefahr: So viele Fälle wie nie

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Dramatischer Anstieg - Kindeswohl in Gefahr: So viele Fälle wie nie

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Vernachlässigung, Misshandlung, sexuelle Gewalt: Jugendämter müssen immer öfter eingreifen, weil das Wohl von Kindern gefährdet ist. Die Zahl der Fälle ist so hoch wie nie.

Die Schatten einer erwachsenen Person und eines Kindes sind am 24.05.2015 in Dresden zu sehen.
Jugendämter melden Anstieg bei Kindeswohlgefährdungen
Quelle: dpa

Immer mehr Minderjährige sind in ihren Familien nicht sicher: Das legt eine Statistik nahe, die in Wiesbaden vorgestellt wurde. Die Jugendämter in Deutschland haben demnach 2019 bei rund 55.500 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt. Das waren zehn Prozent mehr als 2018, wie das Statistische Bundesamt berichtete. Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen habe einen neuen Höchststand erreicht, seit die Statistik 2012 eingeführt wurde.

"Ein Grund für den Anstieg könnte die umfangreiche Berichterstattung über Missbrauchsfälle in den vergangenen beiden Jahren sein, die zu einer weiteren generellen Sensibilisierung der Öffentlichkeit sowie der Behörden geführt haben dürfte", lautet eine mögliche Erklärung. "Gleichzeitig können auch die tatsächlichen Fallzahlen gestiegen sein", hieß es.

Kinderschutzbund: Präventive Netzwerke aufbauen

Für den Präsidenten des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, sind die Zahlen ein Warnsignal:

Das sind mindestens 55.000 Kinder in unserem Land, die schlimmer Vernachlässigung und physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind und deren Rechte damit massiv verletzt werden.
Heinz Hilgers, Kinderschutzbund-Präsident

Deutschland müsse mehr Geld in gut funktionierende präventive Netzwerke aus Jugendhilfe, Gesundheitsvorsorge und Bildungsinstitutionen investieren, forderte Hilgers. Kinderrechte müssten in das Grundgesetz aufgenommen werden.

Bundesweit hatten die Jugendämter 2019 mehr als 173.000 Verdachtsfälle im Rahmen einer Gefährdungseinschätzung geprüft. Das waren rund 15.800 mehr als 2018. Den neuen Ergebnissen zufolge war jedes zweite gefährdete Kind jünger als acht Jahre.

Die meisten Minderjährigen wuchsen bei Alleinerziehenden auf (42 Prozent). Bei beiden Eltern gemeinsam lebten 38 Prozent, bei einem Elternteil in neuer Partnerschaft 11 Prozent.

Hinweise von Polizei, Gericht und Staatsanwaltschaft

Etwa die Hälfte der gefährdeten Kinder und Jugendlichen nahm zum Zeitpunkt der Gefährdungseinschätzung bereits eine Leistung der Kinder- und Jugendhilfe in Anspruch.

Nur vier Prozent von ihnen hatten selbst Hilfe beim Jugendamt gesucht. Am häufigsten kam ein Hinweis von Polizei, Gericht und Staatsanwaltschaft (22 Prozent), Schulen und Kitas (17 Prozent) oder aus dem privaten Umfeld beziehungsweise anonym (15 Prozent).

Anzeichen von Vernachlässigung am häufigsten

Die meisten gefährdeten Kinder wiesen der Statistik zufolge Anzeichen von Vernachlässigung auf (58 Prozent). Bei rund einem Drittel aller Fälle (32 Prozent) gab es Hinweise auf psychische Misshandlungen wie Demütigungen, Isolierung oder emotionale Kälte. In weiteren 27 Prozent der Fälle gab es Indizien für körperliche Misshandlungen, bei 5 Prozent Anzeichen für sexuelle Gewalt. Von 2018 auf 2019 jedoch nahmen die Fälle durch sexuelle Gewalt um 22 Prozent zu.

Auch wenn Kindeswohlgefährdungen durch sexuelle Gewalt mit rund 3.000 Fällen am seltensten festgestellt wurden, war hier prozentual ein besonders starker Anstieg zu beobachten
Statistisches Bundesamt

2019 registrierten die Jugendämter auch mehr betroffene Jungen. "Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass inzwischen auch Jungen häufiger als potenzielle Opfer sexueller Gewalt wahrgenommen werden", vermuteten die Statistiker. Trotzdem seien Mädchen weiterhin am häufigsten betroffen.

In 20 Prozent aller Fälle schaltete das Jugendamt das Familiengericht ein, in 16 Prozent nahm es die Kinder vorübergehend in Obhut. Bei weiteren knapp 60.000 Kindern und Jugendlichen hat sich der Verdacht der Kindeswohlgefährdung nicht bestätigt, die Jugendämter sahen aber dennoch Hilfe- und Unterstützungsbedarf. Die Zahl dieser Fälle nahm um 12 Prozent zu. Nicht bestätigt hat sich der Verdacht in rund 58.400 Fällen, das waren acht Prozent mehr als im Vorjahr.

Wie Pflegeeltern Kinder aufnehmen und für sie sorgen

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28 min
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