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Vor allem Kinder sind gefährdet

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Weltmalariatag - Vor allem Kinder sind gefährdet

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Jedes Jahr sterben mehr als 400.000 Menschen an Malaria. Vor allem Kinder sind betroffen. Sechs Fragen und Antworten zum Weltmalariatag.

Patientin und Ärztin
Noch gibt es keinen lizensierten Impfstoff gegen Malaria, aber einen in Pilotphase.

Wie verbreitet ist Malaria?

Dem Weltmalariareport 2019 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge gibt es 228 Millionen Malaria-Fälle weltweit. Subsahara-Afrika ist am stärksten betroffen: 93 Prozent aller Erkrankungen wurden dort registriert.

Erst mit großem Abstand folgen Südostasien (3,4 Prozent) und der östliche Mittelmeerraum (2,1 Prozent). Die Erkrankungszahlen sind rückläufig: 2010 gab es weltweit noch 250 Millionen Malaria-Fälle.

Wie viele Menschen sterben an der Tropenkrankheit?

Laut dem jüngsten WHO-Weltmalariareport gab es im Jahr 2018 405.000 Todesfälle, über 90 Prozent davon in Subsahara-Afrika. Besonders gefährdet sind die Jüngsten: Zwei Drittel (67 Prozent) aller Malaria-Toten sind Kinder unter fünf Jahren.

"Menschen bauen erst im Laufe ihres Lebens durch überstandene und wiederkehrende Infektionen teilweise eine Immunität auf und erkranken später weniger schwer", erklärt Camilla Rothe, leitende Oberärztin in der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin des Münchener Universitätsklinikums.

Wie wird Malaria eingedämmt?

Da die Malaria übertragenden Mücken nachts zustechen, besteht der wirksamste Schutz vor allem in mit Insektiziden behandelten Moskitonetzen. Eine weitere Maßnahme: das Einsprühen von Wänden mit Insektiziden innerhalb von Gebäuden.

Um schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden, ist es zudem wichtig, Malaria-Fälle möglichst schnell zu erkennen und diese frühzeitig behandeln zu können. Dafür gibt es inzwischen Schnelltests, die ähnlich wie ein Schwangerschaftstest funktionieren.

Hinzu kommt gezielte Malaria-Prophylaxe in Form von Chemoprävention, also eine Vorbeugung durch Tabletten.

Welche Medikamente stehen derzeit zur Verfügung?

Für die gefährlichste Form, die "Malaria tropica", ist weltweit Artemisinin, ein altes chinesisches Medikament, Mittel der Wahl. Die Tabletten werden aus Blättern und Blüten des einjährigen Beifußes hergestellt und mit einem zweiten Medikament kombiniert, um schnelle Resistenzen zu vermeiden.

"Problematisch ist, dass es auch gegen diese Kombination immer mehr Resistenzen gibt, vor allem in Südostasien", gibt Professor Jürgen May vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg zu bedenken.

"Die Forschung an neuen Medikamenten läuft.", so der Tropenmediziner. Es sei jedoch nicht absehbar, wann eines verfügbar sein werde, das so gut wirksam wie die Artemisinine ist.

Wie sieht es in Sachen Impfstoffentwicklung aus?

Aktuell gibt es nur einen relativ weit entwickelten Impfstoff, bei dem nach 30 Jahren Entwicklung derzeit in einer Pilotphase in drei afrikanischen Ländern (Ghana, Kenia und Malawi) getestet wird, ob die Todesfälle verringert werden können. Dieser soll vor allem Kinder schützen.

Das Problem: "Der Impfschutz wird voraussichtlich nur ein paar Jahre halten und könnte das Risiko eines schweren Erkrankungsverlaufs einfach in ein späteres Lebensalter verschieben", betont Camilla Rothe.

Ein Impfstoff als Malaria-Prophylaxe insbesondere für Reisende ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten.

Wie groß ist die Malaria-Gefahr in Europa?

Über die Folgen des Klimawandels für die Malaria-Verbreitung in Europa wird viel spekuliert. Experten sind sich jedoch sicher: Obwohl es Malaria bis zu Beginn des letzten Jahrhunderts auch in Europa bis hoch nach Skandinavien gegeben hat, ist nicht damit zu rechnen, dass sich die Krankheit hier wieder etabliert. Die Trockenlegung von Sümpfen und die zunehmende Verstädterung machen es der Anophelesmücke schwer.

"In Deutschland ist der Großteil der circa 1.000 jährlich gemeldeten Malaria-Fälle von in Deutschland lebenden Afrikanern, die ihre Verwandten in Malaria-Gebieten besucht haben, importiert", betont Camilla Rothe.

Im Jahr 2016 steigen die Malariafälle wieder an.
Weibliche Anophelesmücken, die mit Malaria-Erregern infiziert sind, übertragen die Krankheit.
Quelle: US CfDCaP/EFE/dpa

Ganz selten ist zudem das Phänomen "Flughafen-Malaria" - infizierte Anophelesmücken, die im Gepäck mitreisen und Menschen im Flughafenumfeld stechen und infizieren.

Eine Gefahr sieht Professor Jürgen May in der derzeitigen Corona-Pandemie: "Wenn dadurch die Gesundheitssysteme zu sehr belastet werden, ist es nicht ausgeschlossen, dass es vor allem in Südeuropa wieder vermehrt zu Malaria-Fällen kommen wird."

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