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111. Geburtstag Ernst Neger - Von "Heile Gänsje" bis "Humba Täterä" - Zwischen Rührung und Ekstase

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Bei "Heile Gänsje" vergoss die närrische Gemeinde Tränen der Rührung. "Humba Täterä" löste ekstatische Zustände aus. Der Name Ernst Neger steht für karnevalistische Höhepunkte.

Ernst Neger
Ernst Neger
Quelle: ZDF

Herren mit bunten Hüten hüpfen grölend durch den Saal. Damen in Paillettenkleidern recken die Arme, während sich auf der Bühne das Komitee demonstrativ hinter der Zeitung versteckt oder gar schlafend stellt. Denkwürdige Bilder sind aus der TV-Sitzung "Mainz wie es singt und lacht" vom 2. Februar 1964 überliefert. Es ist der Abend, an dem Ernst Neger den schlicht-eingängigen Stimmungshit "Humba Täterä" präsentiert. Die Folge: Erstmals in der Geschichte der Sendung wird fast eine Stunde überzogen, weil sich das Publikum einfach nicht beruhigen kann und Neger das Lied immer wieder von vorne beginnen muss.

Der "singende Dachdeckermeister" begeisterte und rührte

Ernst Neger, damals 55 Jahre alt, ist längst eine Ikone der Mainzer Fastnacht und der TV-Sitzung, die seit 1955 immer freitags vor dem Rosenmontag läuft. Der Mann mit der abgewetzten Lederschürze, der nach seinem Zivilberuf als "singender Dachdeckermeister" auftritt, versteht es, sein Publikum mitzureißen - selbst bis hin zu Tränen der Rührung. Am 14. Januar wäre Ernst Neger närrische 111 Jahre alt geworden.

Bereits Ende der 20er Jahre stellt Ernst unter Beweis, dass sein Vorname nicht für seine innere Haltung steht. In Mainzer Gasthäusern beteiligt er sich an Preisbüttenreden; dem Sieger winken drei Flaschen Wein. Dabei muss er schon früh im heimischen Betrieb anpacken, da Vater Karl-Josef Neger im Ersten Weltkrieg beide Hände und ein Auge verloren hat. Nach dessen Tod 1933 übernimmt er das Dachdeckergeschäft, macht seinen Meister und muss schließlich selbst als Soldat in den Zweiten Weltkrieg.

Von "Heile Gänsje" bis zu Zuckmayers "Fastnachtsbeichte"

Danach wird Ernst Neger zum Star der "Meenzer Fassenacht": Durch das Lied "Heile Gänsje", das 1948 um Zeilen über das schrecklich zerbombte Mainz ergänzt wird: "Wär ich einmal der Herrgott heut, dann wüsste ich nur eins: Ich nähm' in meine Arme weit mein arm' zertrümmert Mainz. Und streichelte es sanft und lind und sagt': Hab nur Geduld. Ich bau Dich wieder auf geschwind, Du warst ja gar nicht schuld. Ich mach' Dich wieder wunderschön, Du kannst, Du darfst nicht untergehn." Trostreiches Pathos, das in heutigen Ohren schwülstig klingt.

Doch damals fließen stets Tränen, wenn Neger seinen Dauerbrenner zum Besten gibt; sogar im neuen Medium Fernsehen bleibt das "Gänsje" fast unvermeidliche Zugabe. Gemeinsam mit dem blinden Komponisten Toni Hämmerle, der ihn am Klavier begleitet, ist er jahrelang die "Zugnummer".

Praktisch jährlich präsentiert Neger neue Schlager - die meisten von Hämmerle, der für ihn rund 70 Lieder schreibt. Mit dem "Gänsje" und Hits wie "Rucki Zucki", "Meenz bleibt Meenz" oder "Humba Täterä" gelingt es Neger, über die Mainzer Humorgrenzen hinaus bekannt zu werden. Sogar vor die Filmkamera schafft er es: Mit Hans Söhnker und Götz George spielt er 1960 in der "Fastnachtsbeichte" nach Carl Zuckmayer praktisch sich selbst. Und "Humba Täterä" gehört seit den 90ern zum bundesweiten Fan-Repertoire in den Fußballstadien.

Engagement für Kinder mit Behinderung

Als Toni Hämmerle 1968 unerwartet stirbt, wächst in seinem langjährigen Bühnenpartner der Wunsch, Kindern mit Behinderung mehr Lebensqualität zu ermöglichen. Auf seine Initiative wird 1970 im westfälischen Ahlen die "Pony-Station Toni Hämmerle" gegründet, die bis heute besteht. Neger sammelt dafür Spenden und stiftet eigene Gagen. Eine weitere Facette des Ernst Neger, die ihm neben vielen anderen Auszeichnungen 1987 den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz einbringt. Knapp zwei Jahre später, am 15. Januar 1989, stirbt Ernst Neger, nur einen Tag nach seinem 80 Geburtstag.

Hinterlassen hat er 15 Langspielplatten und mehr als 60 Singles. Ein weiterer Verdienst: Neger brachte den närrischen Ruf "Helau" von einer Reise aus Düsseldorf nach Mainz mit, wo man zuvor "Hoch" oder "Bravo" skandiert hatte.

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