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Operation "Trojan Shield" : Wie Tausende Kriminelle in die Falle tappten

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Mit vermeintlich abhörsicheren Mobiltelefonen haben internationale Ermittler kriminelle Banden in eine Falle gelockt. Die ganze Aktion liest sich wie das Drehbuch eines Thrillers.

Der Jubel der Ermittler ist groß nach den weltweiten Razzien gegen das Organisierte Verbrechen mit mehr als 800 Festnahmen: In einer monatelangen Operation konnten von der Polizei die verschlüsselten Netzwerke und Handys der Kriminellen in mehr als 100 Ländern ausgewertet werden.

Damit seien die Ermittler den Banden einen entscheidenden Schritt voraus gewesen, berichtet der stellvertretende FBI-Direktor Calvin Shivers am Dienstag. "Wir haben die Rollen umgedreht. Wir bekamen Zugang zur Kommunikation über die verschlüsselten Apparate."

Wie gingen die Ermittler vor?

Es liest sich wie das Drehbuch eines Thrillers: Undercover-Agenten verkauften mehr als 12.000 angeblich verschlüsselte Telefone an über 300 Banden, die in mehr als 100 Ländern aktiv waren. "Tausende von Nutzern dachten, dass sie ungestört und sicher waren", berichtete die niederländische Polizeichefin Jannine van den Berg. Aber in Wahrheit waren sie verbunden mit einem Netzwerk, das das FBI gemeinsam mit der australischen Polizei bereits 2018 eingerichtet hatte: ANOM.

Wie schnappte die Falle zu?

Die Kriminellen wussten nicht, dass sie in die Falle gelaufen waren und besprachen alle Deals und Pläne auf dem Netzwerk, teilten Fotos und andere Dokumente. Und die Polizei hörte mit. Über 27 Millionen Berichte und Daten wurden gelesen, wie die Ermittler von Europol mitteilten - gefiltert nach bestimmten Stichworten.


Was brachte die Ermittler auf die entscheidende Spur?

Das Knacken der zwei kriminellen Netzwerke EncroChat (2020) und Sky ECC (2021) hat zum Erfolg der Operation "Trojan Shield" (Trojanisches Schild) beigetragen. Viele Nutzer "suchten schnell nach einem verschlüsselten Ersatz", erklärten die Experten von Europol, "um unentdeckt von der Justiz zu kommunizieren." Und das war der Moment von ANOM, der FBI-Plattform. Ein Teil der Nutzer der zuvor aufgeflogenen Chat-Dienste griff gerne zum angebotenen Service und kaufte angebliche Kryptohandys.

Auf welche Technik setzten die kriminellen Banden?

Kryptohandys versprechen eine abhörsichere Kommunikation. Ein Dienst, der nach Angaben von Ermittlern in den Niederlanden rund 1.500 Euro für ein halbes Jahr kostet. Die Telefone haben oft nur eine spezielle Chat-App und einen Panikknopf, mit dem man alle Daten schnell löschen kann. Diese speziell präparierten Smartphones sollen über die App eine verschlüsselte und damit abhörsichere Kommunikation mit anderen Kryptohandys des gleichen Anbieters ermöglichen.

Wer hat die internationale Operation initiiert und geleitet?

Die Operation "Trojan Shield" stand unter Leitung des amerikanischen FBI, der US-Drogenbekämpfungsbehörde dea, der Polizei von Schweden sowie der Niederlande und war von Europol koordiniert worden. Ermittler in 16 Ländern seien beteiligt gewesen, darunter auch in Deutschland.

Wie waren die deutschen Ermittler involviert?

Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt waren federführend bei den Ermittlungen hierzulande. Sie erhielten die entscheidenden Informationen aus den USA. So konnten über 150 Wohnungen, Lagerhallen und Geschäftsräume durchsucht und bundesweit mehr als 70 Personen festgenommen werden, darunter mehr als 60 in Hessen.

Ging es bei den Razzien nur um Banden?

Nein. Die Polizei ging gegen jede Art von Organisierter Kriminalität vor. Die Razzien drehten sich aber vor allem um Banden, die mit Drogen handelten. Das verbindende Element bei den weltweiten Aktionen war die Nutzung der verschlüsselten Kommunikation, erklärten die deutschen Experten der ZIT. Für den bandenmäßigen Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sowie das bandenmäßige unerlaubte Einführen und Herstellen von Betäubungsmitteln droht in Deutschland eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren.

Wer ging der Polizei in Deutschland ins Netz?

Es gibt hierzulande zwei größere Ermittlungsverfahren: Eines richtet sich gegen eine Gruppierung aus dem Main-Kinzig-Kreis mit derzeit insgesamt 19 Beschuldigten im Alter von 25 bis 37 Jahren. Sie stehen im Verdacht, bandenmäßig mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge Handel getrieben zu haben.

Das andere Ermittlungsverfahren betrifft eine Bande im Rhein-Main-Gebiet mit insgesamt 16 Beschuldigten im Alter von 24 bis 46 Jahren. Sie sollen Betäubungsmittel in nicht geringer Menge nach Deutschland eingeführt haben. In extra dafür eingerichteten Laboren soll die Gruppierung selbst Betäubungsmittel für den Weiterverkauf hergestellt haben.

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