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Eine Revolution auf dem Teller

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Fleischkonsum - Eine Revolution auf dem Teller

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Hygieneskandal, Gammelfleisch und Massentierhaltung. Fleisch hat einen schlechten Ruf. Mehr und mehr Erzeuger wollen etwas ändern und setzen auf Handwerk, Qualität und Transparenz.

Burger mit Rote Beete: Das Patty sieht aus wie Fleisch, schmeckt wie Fleisch und „blutet“ sogar – ist aber vegetarisch. Der Markt für Fleischersatzprodukte wächst rasant.
Burger mit Rote Beete: Das Patty sieht aus wie Fleisch, schmeckt wie Fleisch und „blutet“ sogar – ist aber vegetarisch. Der Markt für Fleischersatzprodukte wächst rasant.
Quelle: Dirk Heuer/GBF

Ein schönes Nackensteak, ein würziges Grillwürstchen oder ein Stück saftig marinierte Pute, das gehört einfach dazu, zum Sommer.

Doch die Schlagzeilen um Gammelfleisch, Hygieneskandal oder unwürdige Massentierhaltung verderben inzwischen vielen Menschen den Appetit.

Trotz Gammelfleisch, Hygieneskandel und Massentierhaltung

Und doch essen wir Deutsche unverdrossen weiter Rind, Schwein und Huhn - jeder Bundesbürger sechzig Kilogramm Fleisch im Schnitt pro Jahr. Woher das Fleisch kommt, was drin ist und welche Auswirkungen die Herstellung auf Umwelt, Mensch und Tier haben, die wenigsten achten bewusst drauf. Hauptsache besonders billig muss es sein, was dann auf dem teuren Spitzengrill landet.

Erzeuger denken um

Dabei gibt es immer mehr Alternativen zum gewohnten Fleischkonsum. Wenn es um die Wurst, den Burger oder das Steak geht, denken viele Erzeuger längst um.

May-Britt Wilkens gründete 2017 zusammen mit dem Öko-Agrarmanager Brian Lettkemann die Internetplattform "Besserfleisch". Darauf bietet sie seitdem Fleisch zum Verkauf nach einem einfachen Prinzip an.

Transparente Vermarktung von Fleisch

Ein Rind wird großgezogen. Kunden können sich dann ein Fleischsortiment bestellen, wobei es nicht nur die besten Stücke gibt. Erst wenn das Tier komplett verkauft ist, wird es geschlachtet. Die Rinder werden artgerecht gehalten. Alle Schritte bei der Erzeugung werden transparent gemacht.

Für May-Britt Wilkens ist das die sinnvollste Art des Fleischkonsums: "Ich möchte das Rind auf der Weide sehen, wie es Gras frisst, in der Herde lebt. Ich möchte, dass der Bauer fair bezahlt wird. Die Fleischwirtschaft ist so undurchsichtig, da braucht der Kunde Klarheit. Wenn er weiß was da alles dranhängt, ist er auch bereit, den Preis für zu bezahlen."

Corona-Ausbruch bei Tönnies lässt Nachfrage steigen

Anfangs verkauften sie ein Rind pro Monat, inzwischen sind es zehn Tiere. Zuletzt, nach dem Corona-Ausbruch im Tönnies Schlachthof, stieg die Nachfrage noch einmal.

Als Konsequenz aus den Corona-Ausbrüchen berät Agrarministerin Klöckner über strengere Regeln für Fleischbetriebe. Laut ZDF-Politbarometer ist eine Mehrheit für schärfere Gesetze.

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Auch Ersatzprodukte werden immer beliebter

Weniger und dafür "gutes" Fleisch ist ein Weg, etwas zu verändern. Inzwischen gibt es aber auch viele Menschen, die ganz auf Fleisch verzichten. Der Markt für Fleisch-Ersatzprodukte wächst rasant.

In den letzten fünf Jahren sind in diesem Sektor allein in Deutschland die Umsätze um knapp 60% gestiegen.

Es geht auch ohne Tiere

Dass dabei keiner den Geschmack von Fleisch missen muss, daran arbeitet Simeon van der Molens.

Aus gesundheitlichen Gründen musste er beim Fleisch kürzer treten. Weil es jedoch keine vernünftigen fleischlosen Angebote gab, wurde er selbst tätig. In Gouda, in den Niederlanden, baute er das Unternehmen "Moving Mountains" auf - mit veganen Produkten.

Selbst wenn seine Burger nur aus Erbsen und Rote Beete bestehen, sein besonderes Rezept lässt sie wie Fleisch aussehen und sie bluten sogar. Die Mischung ist geheim, denn der Markt ist umkämpft.

Unser Traum ist es, dass pflanzenbasierte Produkte die Fleischindustrie übernehmen und in 20 Jahren kein Tier mehr sterben muss, um als Würstchen zu enden.
Simeon van der Molens

Und es geht van der Molens noch um etwas anderes: "Der Klimawandel ist in vollem Gang. Und wir setzen bei Lebensmitteln an, um etwas dagegen zu tun. Die Leute müssen ihre Essgewohnheiten ändern. Es geht nicht nur um Autos oder Plastik. Wenn wir jetzt nichts tun, ist es zu spät."

In Deutschland verzichten derzeit über 6 Millionen Menschen auf Fleisch und ernähren sich vegetarisch. Fleisch oder fleischlos, bewusst und nachhaltig, die Revolution auf dem Teller, für viele hat sie längst begonnen.

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