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"Die Schlachtbranche ist eine Blackbox"

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Landwirte zur Fleisch-Debatte - "Die Schlachtbranche ist eine Blackbox"

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Die Fleischindustrie ist in der Kritik. Von Landwirten ist wenig Protest zu hören - denn oftmals wissen sie nicht, wo ihre Tiere verarbeitet werden. Zwei Bauernhöfe berichten.

Ein Landwirt stallt seine Mastferkel um
Fleischkonsum in Deutschland: Masse oder Klasse?
Quelle: picture alliance/AGRAR-PRESS

Nach dem Corona-Ausbruch in Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies ist eine neue Debatte über die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie entflammt. Was sagen Landwirte dazu? Wie abhängig sind sie von den Schlachtbetrieben? Und welche Lösungen sehen sie?

Wie eng arbeiten Landwirte und Schlachter zusammen?

Für den konventionellen Landwirt Moritz Maack sind bei der Auswahl des Schlachtbetriebes vor allem zwei Dinge wichtig: Wunsch-Gewicht der Schweine und die Länge des Transports. In der Regel kann er einen Wunsch äußern, wo die Vierbeiner hinkommen, und dieser Wunsch wird auch berücksichtigt. Mehr weiß er nicht: "Ich habe selber keine Information über Arbeitsbedingungen, Bezahlungen, Werksverträge und so weiter." Er treffe seine Entscheidung danach, welcher Schlachthof die besten Modalitäten biete.

Aus meiner Sicht ist die Schlachtbranche eigentlich eine Blackbox.
Moritz Maack, konventioneller Landwirt

Anders sieht das in der "Schweinothek" von Bernd und Maren Bornheimer-Schwalbach aus: Der Bioland-Betrieb hat gerade einmal 60 bis 100 Schweine. Seine Produktionskette ist überschaubar, somit kann er genauer auf die Arbeitsbedingungen achten: "Ich habe mir meinen Partner ausgesucht, ganz bewusst und mit Bedacht. Alle Leute, die für ihn arbeiten, könnten von ihrem Job leben."

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3 min
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Wie stark sind Bauern von Schlachtbetrieben abhängig?

Bei Landwirt Maack gilt: Planung ist alles. Als Tönnies plötzlich vorübergehend schließen musste, hatte das auch negative Auswirkungen auf seine Arbeitsabläufe. Konkret: mehr Arbeit und weniger Einnahmen. Es wurden weniger Schweine abtransportiert, in der Folge mussten sie länger auf dem Hof bleiben, haben mehr gefressen - und damit mehr gekostet. Pro Schwein entstand ein Mehraufwand von zehn Euro. Doch das war noch nicht alles: "Die werden größer und irgendwann sind die Schweine auch so groß, dass wir beim Schlachthof Abzüge kriegen. Aus meiner Sicht müssen wir vorne mehr Geld ausgeben und kriegen hinten weniger Geld raus."

Auf dem Bio-Hof beobachtet man genau das Gegenteil: Immer, wenn es einen neuen Skandal gibt, nehmen die Kunden in ihrem "Schweinothek"-Hofladen zu - trotz der Preise:

Ich muss für die Schlachtung mehr bezahlen, aber das ist mir letzten Endes egal. Das muss der Kunde, der zu uns in den Laden kommt, mit bezahlen.
Bernd Bornheimer-Schwalbach, Bio-Landwirt

Mehr Kunden hieße allerdings nicht immer mehr Verständnis: "Es gibt auch immer wieder Leute, die das nicht kapieren. Die kommen freitags und sagen: Morgen hätte ich gerne das und das. Und dann darf ich wieder erklären: Leute, ich habe hinten keinen Container, zu dem ich hingehe und da mal eben noch zwanzig Schweine rausholen kann", so die Bio-Landwirtin.

Geht günstiges Fleisch nur mit Massenproduktion?

Die Zustände bei Tönnies waren für beide Seiten wenig überraschend. Massenproduktion sei die logische Konsequenz aus der Nachfrage und der Wertung von Lebensmitteln. Der Vorwurf sollte also nicht alleine gegen die Betreiber gerichtet werden, so Maack: "Wenn die ganze Gesellschaft sagt, wir möchten relativ günstig Fleisch essen, schaffen dafür einen lockeren gesetzlichen Rahmen und die Schlachtfirmen bewegen sich innerhalb dieses Rahmens, dann finde ich, können wir denen nicht fragwürdige Bedingungen vorwerfen."

Es reiche aber nicht aus, nur die Regelungen für die deutsche Produktion zu ändern: "Wenn wir uns jetzt hierzulande bemühen, das Tierwohl zu steigern, die Bedingungen für die Arbeiter zu verbessern, dann kann es nicht sein, dass gleichzeitig billige Produkte aus dem Ausland importiert werden und neben einem hochwertigen deutschen Produkt im Supermarkt stehen."

Ob Bio oder konventionell: Am Ende hätten es auch die Konsumenten in der Hand: "Man kann nicht immer sagen, man wartet darauf, dass die Politik etwas ändert, aber tut nichts. Kauft weiterhin massenhaft ein, schmeißt viel weg. Es muss sich jeder an die Nase fassen und jeder muss dafür was tun", so Maren Bornheimer-Schwalbach.

Ganz Deutschland spricht seit Tönnies über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Werkvertragmitarbeitern.

Beitragslänge:
29 min
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Der Autorin auf Twitter folgen: @JeniferGirke

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