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Flucht aus Haiti - Nur noch raus aus dem Inferno

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Die Flüchtlingszahlen aus Haiti steigen dramatisch an. Der Grund dafür ist die aussichtslose Lage der Menschen im Land.

Eine Gruppe Haitianer verlässt mit Taschen den Flughafen in Port-au-Prince
Viele Migranten, die versucht haben zu fliehen, werden wieder zurück nach Haiti abgeschoben. (Archivbild)
Quelle: Reuters/Ralph Tedy Erol

Die Behörden in Panama schlagen Alarm: Allein in den ersten neun Monaten des Jahres sei die Zahl der Migranten, die das mittelamerikanische Land aus Kolumbien kommend durchqueren auf über 90.000 gestiegen.

Die meisten der Flüchtlinge stammen aus Haiti. "Das ist der Beginn von etwas", sagte Panamas Außenministerin Erika Mouynes in Bezug auf die anhaltenden Migrationsbewegungen.

Naturkatastrophen und politische Krise in Haiti

Tatsächlich erlebt Haiti derzeit einen richtigen Exodus. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Da sind zunächst einmal verheerende Naturkatastrophen wie Erdbeben und Wirbelstürme, die das ohnehin ärmste Land der westlichen Welt immer wieder zurückwerfen.

Hinzu kommt eine tiefe politische Krise. Vor wenigen Wochen wurde Staatspräsident Jovenel Moise ermordet. Seitdem tobt im Land ein Machtkampf, kriminelle bewaffnete Banden kämpfen um die Vorherrschaft.

Derzeit harren Zehntausende Flüchtlinge an der Grenze zwischen Mexiko und den USA aus, doch ihr Warten dürfte vergeblich sein: Tausende wurden bereits nach Haiti abgeschoben.

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Kriminalität nimmt deutlich zu

Das alles führt zu noch mehr Kriminalität: In den ersten drei Quartalen verdreifachte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum allein die Zahl der Entführungen in Haiti auf über 600. Hinzu kommen Morde, Erpressungen und Raubüberfälle.

Ein gesellschaftliches Klima, das immer mehr Menschen in die Flucht treibt, weil sie in die eigenen Institutionen kein Vertrauen haben. Schlepperbanden versprechen den Menschen zudem sie sicher in die USA zu bringen, obwohl sie dort kaum Chancen auf Asyl haben.

Auch Nichtregierungsorganisationen nicht sicher

Diejenigen, die sich trotz allem etwas aufgebaut haben, werden nicht selten Opfer von Schutzgelderpressungen. Der Unternehmer Daphne Bourgoin sagte einer Zeitung im Nachbarland Dominikanische Republik:

Kein Platz ist mehr sicher. Jederzeit kann überall irgendetwas passieren.
Daphne Bourgoin, Unternehmer

Nicht einmal mehr Nichtregierungsorganisationen sind sicher. "Ärzte ohne Grenzen" mussten ihren Sitz in Martissant aufgeben und zogen in die Hauptstadt Port-au-Prince.

Zehntausende Menschen aus Haiti haben inzwischen ihre Heimat verlassen und versuchen sich irgendwie in Richtung USA durchzuschlagen.

Derzeit versuchen Tausende haitianische Geflüchtete die Grenze zwischen Mexiko und den USA zu überqueren. Die große Mehrheit wird abgewiesen.

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Dominikanische Republik will Grenzmauer bauen

Zuletzt hatten berittene US-Sicherheitskräfte an der Grenze zwischen Mexiko und den USA in Del Rio Migranten aus Haiti mit Gewalt zurückgedrängt, die über den Fluss Rio Bravo in die USA gelangen wollten.

Grenzpolizisten in Texas treiben Flüchtlinge mit Pferden zurück
Grenzpolizisten in Texas treiben Flüchtlinge mit Pferden zurück
Quelle: ap

Die US-Regierung hat sich für das Vorgehen inzwischen entschuldigt - und die Migranten abgeschoben. Das Nachbarland Dominikanische Republik erwägt den Bau einer Grenzmauer, um die Zuwanderung aus Haiti zu stoppen.

Zehntausende Flüchtlinge wollen in die USA

Weiter südlich warten immer noch zehntausende Haitianer auf ihre Chance in Richtung USA zu gelangen. "Früher liefen durch den Darién-Urwald jährlich etwa 10.000 meist erwachsene Migrantinnen und Migranten. In diesem Jahr waren es bereits rund 90.000, größtenteils Familien", sagt die Kolumbien-Referentin von Adveniat, Monika Lauer Perez zu Migrationsbewegung zwischen Kolumbien und Panama.

Dabei handele es sich vor allem um Menschen aus Haiti, Kuba oder Afrika. Sie waren vor Jahren nach Argentinien, Chile und Peru migriert, um sich dort ein neues Leben aufzubauen, sagt Lauer Perez - oder kommen mit aktuellen Schlepperbanden.

Das jüngste Erdbeben in Haiti Mitte August hat die schwierige Lage der Menschen noch einmal verschärft. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt, 980.000 Menschen, die in den vier besonders vom Erdbeben betroffenen Provinzen leben, seien einer Gefahr von Hunger ausgesetzt. Das Beben hatte nicht nur mehr als 2.000 Menschenleben gekostet, sondern auch landwirtschaftliche Produktionsstätten zerstört.  

Ein Flugzeug mit Rolltreppe steht auf dem Rollfeld eines Flughafens während ein Bus vorfährt.

Seit Mitte September - Mehr als 10.000 Haitianer zurückgeführt 

In den vergangenen Wochen sind mehr als 10.000 aus Haiti geflohene Menschen in ihre Heimat zurückgeschickt worden. Vor allem aus den USA, aber auch aus Kuba und von den Bahamas.

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