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Flüchtlingsbericht - 82,4 Millionen Menschen auf der Flucht

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UN-Generalsekretär Guterres hatte gehofft, dass das Coronavirus die Menschen wachrüttelt und Konflikte beendet werden. Ein Trugschluss, wie der neue UNHCR-Flüchtlingsbericht zeigt.

Die Zahl der Flüchtlinge hat sich laut UNHCR in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Weltweit sind mehr als 82 Millionen Menschen auf der Flucht – so viele wie nie zuvor.

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Ungeachtet der Corona-Pandemie sind im vergangenen Jahr weltweit so viele Menschen auf der Flucht gewesen wie nie zuvor. Ende 2020 waren 82,4 Millionen Menschen wegen Konflikten, Verfolgung und Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben worden. Das enpricht in etwa der Einwohnerzahl Deutschlands.

Flüchtlings-Zahlen zu 2010 verdoppelt

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) hatte die Zahlen in Genf vorgelegt. Im Vergleich zu 2019 ist das ein Anstieg um vier Prozent, im Vergleich zu vor zehn Jahren eine Verdopplung. Die meisten Flüchtlinge kamen aus Syrien (6,7 Millionen). Auch der Klimawandel treibt immer mehr Menschen in die Flucht.

Hinter jeder Zahl steht eine Person, eine Geschichte der Vertreibung, Enteignung und des Leids.
Filippo Grandi, UN-Hochkommissar für Flüchtlinge

Grandi forderte: "Sie verdienen unsere Aufmerksamkeit und unsere Unterstützung, nicht nur durch humanitäre Hilfe, sondern auch dadurch, dass wir eine Lösung für ihre Not finden." Weil viele Länder in der Pandemie ihre Grenzen schlossen, fanden viel weniger Flüchtlinge eine neue Heimat. Nur 34.400 Menschen konnten in 21 Länder umgesiedelt werden - etwa ein Drittel der Zahl des Vorjahres. Eigentlich bräuchten 1,4 Millionen Menschen solche Plätze, so das UNHCR.

Viele Minderjährige auf der Flucht

Deutlich mehr als die Hälfte der Menschen war innerhalb des eigenen Landes vertrieben. Wer ins Ausland flüchtete, blieb vor allem in den Nachbarländern. 86 Prozent wurden von Entwicklungsländern aufgenommen.

Die EU-Staaten hatten vor Wochen vereinbart, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus den völlig überfüllten Lagern in Griechenland zu übernehmen. Heute landeten in Luxemburg die ersten zwölf, sie kommen aus den Lagern auf Lesbos und Chios.

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Minderjährige machen zwar rund 30 Prozent der Weltbevölkerung aus, unter den Geflüchteten sind es aber 42 Prozent. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sprach in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe von einem "traurigen Rekord".

Wir dürfen in Europa nicht wegschauen von dieser dramatischen Entwicklung. Vor allem die ärmsten Länder leisten die Hauptlast dieser Flüchtlingskrise.
Gerd Müller, Bundes-Entwicklungsminister (CSU)

Die Aufnahmebereitschaft für Flüchtlinge ist nicht überall gegeben. Weltweit befürwortet laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos jeder Zweite Grenzschließungen im eigenen Land für Geflüchtete. Am meisten plädieren dafür Malaysia (82 Prozent) und die Türkei (75 Prozent), am wenigsten Polen (34 Prozent), Japan (38 Prozent) und in die USA (41 Prozent).

Zahlreiche Staaten hätten die Gesundheitskrise missbraucht, "um weiter rechtsstaatliche Prinzipien aufzulösen“, kritisiert Amnesty International. Geflüchtete sowie Frauen und Mädchen litten am stärksten unter der Pandemie – auch vorerkrankte Menschen.

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Solidarität in Corona-Zeiten schwer

Hierzulande sind laut Umfrage 42 Prozent der Ansicht, dass Deutschland seine Grenzen für Flüchtlinge derzeit schließen sollte - ein Anstieg um drei Prozentpunkte seit 2020, der mit der Corona-Pandemie zusammenhängen könnte. Denn generell halten es 71 Prozent der Bundesbürger für richtig, dass Menschen in Deutschland Zuflucht finden können. Laut UNHCR hat Deutschland 1,2 Millionen aufgenommen. Am meisten nahm die Türkei mit 3,7 Millionen auf.

UN-Flüchtlingskommissar Grandi sieht wenig Anzeichen für eine Verbesserung der Lage. Keine der alten Krisen - Syrien, Afghanistan, Venezuela - sei gelöst. Trotz Aufrufen etwa von UN-Generalsekretär António Guterres, angesichts der globalen Gesundheitsbedrohung durch das Coronavirus Konflikte zu beenden und als Menschheit zusammenzurücken, seien neue Krisen ausgebrochen, etwa in der Tigray-Region Äthiopiens oder im Norden Mosambiks.

Nachrichten | heute - in Europa - Flüchtlingskrise auf Lesbos 

Die Situation für die Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos ist schon lange schwierig. Seit die Türkei sich nicht mehr an den Flüchtlingsdeal mit der EU hält, drängen noch mehr Menschen auf die Insel.

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