Chaos an Flughäfen: "Wir kriechen auf dem Zahnfleisch"

    Chaos an deutschen Flughäfen:Security: "Wir kriechen auf dem Zahnfleisch"

    von Fabian Köhler
    23.07.2022 | 07:09
    |

    Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt oder Hannover - Die Bilder an deutschen Flughäfen ähneln sich. Lange Warteschlangen am Check-In, genervte Urlauber, überlastetes Personal.

    Personen warten in der Abflughalle des Terminal A im Hannover Airport an einem Check-In Schalter am 14.07.2022.
    Auch am Flughafen Hannover stauen sich die Passagieren vor dem Abflug.
    Quelle: dpa

    Das Ende der Schlange am Hannover Airport ist nicht auszumachen. Fast bis ins nächste Terminal stehen die Reisenden in der Warteschlange für die Sicherheitskontrolle. Es ist gegen drei Uhr morgens. Viele Urlauber und Fluggäste sind schon deutlich früher zum Airport gekommen - manch einer macht hier die Nacht zum Tag. Was für ein Ferienstart.

    Sicherheitskontrolle ist Nadelöhr

    Aber den Flug in den wohlverdienten Sommerurlaub will niemand verpassen. Zumeist sind es Touristen, die trotz der frühen Uhrzeit, trotz der Strapazen geduldig warten, um endlich durch die Sicherheitskontrolle zu gelangen.
    In Hannover ist sie derzeit das Nadelöhr. Jeder Fluggast muss hindurch, doch nur wenige Kontrollstraßen haben geöffnet. Es fehlt an Personal an allen Ecken und Enden. Die Luftsicherheitsassistenten des Dienstleisters Securitas versuchen, die Massen hinter der Glasscheibe so gut es geht abzufertigen. Sie fischen Flaschen aus dem Handgepäck, die hier nicht hingehören, verweisen auf die Vorschriften.

    Ferienbeginn und Personalmangel
    :Das erwartet Reisende am Flughafen Frankfurt

    Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland starten in die Ferien. Doch an den Flughäfen fehlt Personal. Worauf müssen sich Passagiere am Frankfurter Airport einstellen?
    von Larissa Hamann
    Passagiere am Flughafen Frankfurt
    FAQ

    Touristen warten sechs Stunden auf Abflug

    "Gegen 1:30 Uhr sind wir hier angekommen", berichtet eine Urlauberin. Sie wollten nach Lanzarote, erzählt sie. Der Flug mit der TUIfly X3 2188 ist für 6 Uhr geplant.

    Als wir angekommen sind hatte der Check-In noch nicht geöffnet, aber die ersten Reisenden standen schon an, am verwaisten Tresen zur Kofferaufgabe.

    Urlauberin am Flughafen Hannover

    Mittlerweile hat die Familie das Gepäck aufgegeben, jetzt stehen auch sie in der Schlange zur Sicherheitskontrolle. Die Uhr zeigt 3:08 Uhr. Bis zum Abflug sind es noch knapp drei Stunden.
    Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für die Sicherheitskontrolle zuständig sind, stehen in Hannover im Fokus. Gut 450 Angestellte waren es mal vor Corona, aktuell arbeiten für den Dienstleister Securitas noch rund 320 in Hannover, berichtet die zuständige Gewerkschaft ver.di. Die Pandemie hat viele in andere Jobs getrieben. Die Verbliebenen müssen die Situation ausbaden und kommen an ihre Grenzen.

    Private Firmen haben Job von Bundespolizei übernommen

    Vor vielen Jahren haben noch Beamte der Bundespolizei diese hoheitliche Aufgabe übernommen - die Passagiere kontrolliert. Doch das Outsourcing dieser Aufgaben begann schon in den neunziger Jahren. Die Bundespolizei hat die Aufgabe in Hannover an die Firma Securitas abgegeben.
    Eine Securitas-Mitarbeiterin hat mit uns über die derzeitige Situation gesprochen. Aus Angst, ihren Job zu verlieren, möchte sie unerkannt bleiben - wir nennen sie Paula.

    Die Securitas hat uns im Prinzip ins offene Messer laufen lassen. Es ist wirklich viel Personal gegangen und es kommt kein neues Personal nach, wir kriechen auf dem Zahnfleisch.

    Mitarbieterin Securitas

    Schichtdienst, sechs Tage am Stück und zehn Stunden arbeiten viele der Kolleginnen und Kollegen hier. Immer unter dem Druck, die enormen Massen abzufertigen. In den frühen Morgenstunden heben von dem niedersächsischen Flughafen viele der Ferienflieger ab - Richtung Mallorca, Kreta, Hurghada oder Antalya. Hannover hat kein Nachtflugverbot.

    Viele Flüge, viele Krankmeldungen - "dann scheppert es"

    Vor der Coronapandemie, war es an dem mittelgroßen Flughafen in den Ferien auch schon mal voll, aber diese Warteschlangen sind neu. "Es gibt Tage, da komme ich die Rolltreppe hochgefahren und schaue auf die große Anzeigetafel. 26 Abflüge in den nächsten sechs Stunden, dann weiß ich genau, was auf mich zukommt", sagt Paula. "Dann haben sich an diesem Tag vielleicht noch zahlreiche Kollegen krank gemeldet und dann scheppert es."
    Paula macht den Job schon viele Jahre. Aber seit der Pandemie, seit gut einem Jahr, hat er sich verändert. Es war mal ihr Traumjob, aber das ist lange her. Eine Kontrollspur wird normalerweise mit elf Kollegen besetzt. Jeder hat seine Aufgabe. Aber häufig kommt es vor, dass nur sieben Kollegen da sind, berichtet die Mitarbeiterin. Und die müssen sich dann die Arbeit und die Stationen aufteilen.

    Mehr zur Situation an Flughäfen