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Betroffene berichten von der Ahr - Was hat die Flut mit den Menschen gemacht?

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Die Hochwasserkatastrophe am 14. und 15. Juli hat den Menschen im Ahrtal über Nacht teils alles genommen. Wie haben sie die Flut erlebt und wie geht es für sie weiter?

Den von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Menschen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat man unbürokratische Soforthilfe versprochen. Ein Besuch im Flutgebiet Rureifel zeigt: das Geld kommt an, ist aber nur eine kleine Hilfe.

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Als Manuela Göken am Tag nach der verheerenden Flutwelle im Ahrtal das dpa-Foto eines Mannes auf einem Wassertank im Internet entdeckt, traut sie zunächst ihren Augen nicht. Es ist ihr Mann - Daniel Schmitz - im überfluteten Insul vor Trümmern der Katastrophe.

Daniel Schmitz
Durch die Flut verliert Manuela Göken ihren Mann aus den Augen. Ein Foto von ihm im Internet ist das erste Lebenszeichen ihres Mannes Daniel Schmitz.
Quelle: dpa

"Das war das allerallererste Lebenszeichen, das ich von ihm hatte", erzählt die Gastronomin zwei Wochen später unter Tränen vor ihrem beschädigten Haus.

Das ist das bedeutendste Foto in meinem ganzen Leben.
Manuela Göken

Ehepaar durch die Ahr getrennt

Am Tag der Katastrophe am 14. Juli, ist Göken bei der Arbeit etwa 45 Kilometer entfernt. Zunächst kommt sie bei einer Freundin in Sinzig unter, fährt dann umher, um nach Hause zu kommen. Schließlich erreicht sie in Insul das andere Ahr-Ufer und sieht ihren Mann vor dem gemeinsamen Haus.

Aber alles Rufen und Winken nutzt nichts - die Entfernung ist zu groß, das Wasser zu laut, alle Brücken zerstört. Erst etwa zwei Tage nach Beginn der verheerenden Regenfälle, fällt sich das Paar im Nachbarort Hönningen in die Arme.

Wir haben uns wieder, alles andere ist ersetzbar,

sagt Göken rund zwei Wochen später. Der Keller und das Erdgeschoss des Hauses sind unbewohnbar, die Einrichtung und der Garten zerstört. "Aber unsere drei Katzen kamen nach acht Tagen zurück", berichtet Göken.

Im Ahrtal kämpfen sich die Menschen durch Schutt- und Schlammberge. Die Koordination von Hilfsorganisationen und Freiwilligen ist vielerorts schwierig, viele Bewohner fühlen sich im Stich gelassen.

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Göken und Schmitz wohnen zur Miete und denken ans Weggehen. "Unser Baby war unser Garten", sagt Göken. "Ich habe jeden Stein geliebt und wusste genau, wo jede Pflanze her kam." Übrig ist davon nichts.

Zerstörter Hotelbetrieb an der Ahr

Der Hotelier Wolfgang Ewerts hatte sich eigentlich mit seiner Frau langsam aus dem Betrieb zurückziehen wollen. Die untere Etage ihres Hotels mit Küche und Speisesaal sowie der Biergarten an der Ahr sind nach der Flut völlig zerstört.

In den ersten zwei Tagen hätte ich weglaufen können.
Wolfgang Ewerts, Hotelier

Die Kraft, alles wieder aufzubauen, habe er zunächst nicht gesehen. "Jetzt habe ich sie, aber nur, weil mein Sohn mit im Geschäft ist." Er habe in der Corona-Zeit noch mehrere Zehntausend Euro in das Hotel investiert und glücklicherweise eine Elementarversicherung, berichtet der 53-Jährige. Für sein neues Wohnhaus, hat er sie aber nicht abgeschlossen. Erst im November ist er mit seiner Frau eingezogen.

"Spenden sind zweckgebunden - das Geld wird ausschließlich für Menschen in den Katastrophengebieten eingesetzt“, so Dariush Ghobad, Caritas, Aktionsbündnis Katastrophenhilfe.

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Ewers hat, wie die meisten, Soforthilfe beantragt. Nur, was sind die 1.000 bis 3.500 Euro angesichts der Millionenschäden allein in seiner Familie? "Aber es hat ja Zehntausende getroffen", sagt er.

Schutz vor den Wassermassen auf dem Dachboden gesucht

Die Geräusche, die Kälte, die Dunkelheit: "Ich hab' gedacht, das war es jetzt", sagt Maria Günzel aus dem besonders getroffenen Altenahr-Altenburg. Auch ihr kommen die Tränen, wenn sie von der Nacht zum 15. Juli erzählt, die sie gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang auf dem Dachboden ihres Hauses verbracht hat.

"Das Wasser stieg immer weiter, wir haben irgendwann die Dachluke aufgemacht und sind hoch", berichtet er. Nur ein paar Anziehsachen hätten sie mitgenommen, wichtige Papiere lagen auf dem Dachboden.

Alles andere ist weg und existiert nicht mehr,

sagt Wolfgang Günzel. Sie hätten versucht, einiges zu waschen, "aber auch nach zweimal waschen roch das immer noch nach Öl".

Altenahr-Altenburg fürchtet, vergessen zu werden

Rolf Gasner, dessen Familie auch mit mehreren Häusern betroffen ist, schildert beim Schlammschippen seine Eindrücke von der Bürgerversammlung in dem evakuierten Ortsteil. "Wir haben Angst, dass die Politik uns vergisst." Denn Altenburg werde im Gegensatz etwa zu Schuld oder Bad Neuenahr-Ahrweiler fast nie erwähnt. Allein gelassen habe er sich schon in der Katastrophennacht gefühlt:

Wir standen oben auf dem Dach und haben gerufen.

"Es kam keine Rettung." Die ersten Hubschrauber seien erst am Donnerstagmittag gekommen - wegen der Wetterverhältnisse konnten sie nicht früher starten. Gasner müsse bald wieder arbeiten und suche eine Wohnung. "Aber jeder sucht jetzt eine Wohnung."

Tote, Verletzte, Vermisste, überflutete Dörfer, eingestürzte Häuser: Weite Teile im Westen Deutschlands kämpfen mit den Folgen der schweren Regenfälle.

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