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Folge der Corona-Pandemie - 2020 Offenbar weniger Krebsbehandlungen

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Im Vergleich zum Vorjahr gab es im Pandemiejahr 2020 weniger Krebsbehandlungen. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Experten warnen vor einer Vernachlässigung von Krebspatienten.

Behandlung einer jungen Krebskranken. Archivbild
Experten befürchten schon länger verspätete Krebsdiagnosen und -behandlungen als Folge der Pandemie.
Quelle: Matthias Balk/picture alliance/dpa/Archivbild

Im und nach dem Corona-Shutdown im Frühjahr 2020 hat es nach Daten eines großen deutschen Klinikbetreibers weniger Krebsbehandlungen gegeben als in der gleichen Zeit 2019. Der Rückgang der stationären Aufnahmen für Diagnostik und/oder Therapien betrage im Schnitt 10 bis 20 Prozent, heißt es in einer Studie von Autoren um den Mediziner Peter Reichardt vom Helios-Klinikum Berlin-Buch.

Besonders betroffen seien Patienten über 75, bei denen im Schnitt 20 Prozent weniger Behandlungen durchgeführt worden seien.

Die Einschnitte in der Onkologie betrafen laut der Studie insbesondere größere Kliniken und Häuser in Bundesländern mit höheren Covid-19-Fallzahlen. Helios ist nach eigenen Angaben Europas größter privater Klinikbetreiber.

Vermutlich verspätete Diagnose von Krebserkrankungen

Besonders bedenklich sei, dass es 2020 nicht deutlich weniger Krebserkrankungen gab, "sondern die Erkrankungen wahrscheinlich erst später festgestellt wurden", erklärte Studienautor Reichardt.

Gerade bei Krebs sei ein früher Therapiestart aber wichtig für die Überlebenschancen. Weitere Untersuchungen sind nach Einschätzung der Helios-Kliniken nötig, um die Gründe für den Rückgang zu klären.

Vermutet wurde ein Einfluss von Ängsten von Patienten vor einer Ansteckung im Krankenhaus, aber womöglich auch von geschlossenen oder eingeschränkt geöffneten Arztpraxen im Shutdown.

Für Antworten auf die Frage, ob der Rückgang an Behandlungen und Diagnosen auch zu einer höheren Sterblichkeit von Krebs-Patienten führe, sei es noch zu früh, sagte Lorenz Trümper, der Geschäftsführende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, auf dpa-Anfrage.

Krebspatienten in Angst

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Mehr ambulante Behandlungen

Bei den Krankenhausdaten müsse man auch bedenken, dass ein Teil der Patienten möglicherweise stattdessen ambulant behandelt worden sei, sagte Trümper.

Der in der Studie beobachtete Rückgang der Krankenhausaufnahmen könne zudem teils auch dadurch bedingt sein, dass zu der Zeit weniger Patienten während der Therapie zwischendurch nach Hause entlassen wurden.

Im vergangenen Frühjahr hatten Krankenhäuser sogenannte Freihaltepauschalen bekommen, damit genug Betten für Covid-19-Patienten zur Verfügung stehen. Diese Regelung gibt es nun nicht mehr.

Vernachlässigung von Krebskranken in der Corona-Pandemie

Experten warnten auch noch Ende 2020 vor der Vernachlässigung von Krebskranken. Die Corona Task Force von Deutscher Krebshilfe (DKH), Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) und Deutscher Krebsgesellschaft (DKG) kritisierte:

Immer mehr onkologische Eingriffe werden verschoben, diagnostische Untersuchungen und Nachsorge teilweise stark zurückgefahren.

Die Fachgesellschaft hatte bereits im Mai vergangenen Jahres betont, dass Vorsichts- und Schutzmaßnahmen getroffen worden seien, damit Patienten etwa Therapien sicher wahrnehmen können - und dass für die allermeisten Patienten der Krebs "eine weitaus größere Gefahr für ihr Leben" darstelle als Covid-19.

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