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WHO ehrt Henrietta Lacks - Ihre Krebszellen machten sie unsterblich

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Ihre Krebszellen revolutionierten die Medizin - dafür hätte Henrietta Lacks eigentlich mehr als den Nobelpreis verdient. Doch sie starb mittellos, ihre Familie ist verbittert.

Die Familie von Henrietta Lacks steht bei der Enthüllung einer Statue anlässlich ihres 70. Todestages im Royal Fort House in Bristol, aufgenommen am 04.10.2021
Die Familie von Henrietta Lacks steht bei der Enthüllung einer Statue anlässlich ihres 70. Todestages im Royal Fort House in Bristol. Die Frau, deren Zellen Millionen Menschenleben retteten, wurde nun durch die WHO geehrt.
Quelle: dpa

Für ihren Beitrag zur Medizin hätte Henrietta Lacks eigentlich mehr als den Nobelpreis verdient. Stattdessen starb die Amerikanerin mittellos mit 31 Jahren. Jetzt wurde ihr bei der WHO eine späte Ehre zuteil, aber die Familie will mehr.

Lacks früher Tod rettet Millionen Menschenleben

Henrietta Lacks war verheiratet, bekam fünf Kinder, doch dann beendete ein aggressiver Krebs ihr Leben. Die Amerikanerin starb mit 31 Jahren. Und hinterließ ein beispielloses Geschenk:

Sie hat unsterbliche Zellen hinterlassen, die die Welt verändert haben,

sagte ihr Enkel Alfred Carter in Genf. Dort ehrte die Weltgesundheitsorganisation Lacks, 70 Jahre nach ihrem Tod. Millionen Menschen verdanken Henrietta Lacks ihr Leben.

Gewebeprobe wurde zur medizinischen Sensation

Henrietta Lacks kurz nach ihrem Umzug mit ihrem Mann David Lacks von Clover nach Baltimore
Die Amerikanerin Henrietta Lacks starb 1951, mit 31 Jahren. (Archivfoto)
Quelle: dpa

Lacks war 1951 mit Blutungen in die Johns-Hopkins-Klinik in Baltimore bei Washington gekommen. Ärzte stellten Gebärmutterhalskrebs fest. Sie starb trotz Behandlung wenige Monate später. Eine Gewebeprobe, die Lacks entnommen worden war, wurde aber zur medizinischen Sensation.

Der Zellbiologe George Gey und seine Frau Margaret legten wie üblich eine Kultur an, doch anders als bis dahin starben die Zellen nicht nach kurzer Zeit ab. Lacks' Krebs war so aggressiv, dass die Zellen sich alle 24 Stunden verdoppelten.

Die HeLa-Zelllinie - benannt nach den ersten Buchstaben von Lacks Vor- und Nachnamen - ist in Medizinerkreisen legendär. Sie wurde zu einem Grundpfeiler der modernen Medizin. Inzwischen gibt es andere Zelllinien, aber die HeLa-Zellen sind weiter sehr begehrt.

HeLa-Zellen als Basis lebensrettender Medikamente

50 Millionen Tonnen seien bislang produziert und erforscht worden, sagte WHO-Chefwissenschaftlerin Soumya Swaminathan, mehr als 75.000 Studien basierten auf der Forschung an HeLa-Zellen. Mit ihnen seien der Polioimpfstoff entwickelt worden, jede Menge Medikamente gegen Krebs, HIV, Aids, Leukämie und Parkinson. Auch bei der Entwicklung der Corona-Impfstoffe spielten sie eine wichtige Rolle.

Firmen haben sich bestimmte Verwendungsweisen der Zellen patentieren lassen und damit viel Geld verdient. Der deutsche Krebsforscher Harald zur Hausen fand darin die humanen Papillomviren HPV16 und HPV18, die zur Entwicklung des HPV-Impfstoffs führten. Er bekam den Nobelpreis dafür.

Stolz und Verbitterung bei Lacks Familie

Bs zu der WHO-Ehrenzeremonie für Henrietta Lacks dauerte es dagegen 70 Jahre.

Worte können nicht beschreiben, wie viel mir das bedeutet,
Lawrence Lacks, Sohn von Henrietta Lacks

Sohn, Enkel und Urenkel feierten den Moment - aber klar ist auch, dass die Familie verbittert ist. Bekanntheit erreichte Lacks erst durch den Bestseller "Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks" von Rebecca Skloot 2010. Sie beschrieb dem "Ärzteblatt" damals den Ärger der Familie:

Da sind die Zellen Henriettas, die so viel für die Menschheit getan haben und mit denen Firmen sehr viel Geld verdienten, dort die Menschen selbst, denen das Geld für den Arzt fehlt.
Autorin Rebecca Skloot

Rassismus habe eine Rolle gespielt: Die Afroamerikanerin Lacks war arm, Menschen wie sie wurden damals übergangen, ignoriert und nicht respektiert.

WHO-Chef: "Lacks wurde ausgenutzt"

"Henrietta Lacks wurde ausgenutzt", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Ihr seien Zellen entnommen worden, ohne sie zu fragen. Sie wäre sicher froh gewesen, zu wissen, dass ihr Leid am Ende so viele Menschen gerettet habe.

Auch Tedros erwähnte die medizinische Benachteiligung der Armen in der Welt. So sei mit Hilfe der HeLa-Zellen der HPV-Impfstoff entstanden: In reichen Ländern problemlos verfügbar, wird der Stoff nur in weniger als einem Viertel der ärmsten Länder angeboten.

Lacks Familie verklagt Firma

Die Familie hat nun die HeLa100-Initiative ins Leben gerufen, die Lacks einmaligen Beitrag zur Medizin feiert und bekannt macht.

Wir wollen auch Gleichbehandlung in der Gesundheit für alle und soziale Gerechtigkeit fördern.
Victoria Baptiste, Urernkelin von Henrietta Lacks

Die Familie hat zudem eine erste Klage gegen eine Biotech-Firma eingereicht. Sie wirft ihr vor, Geschäfte mit Zellen zu machen, die Lacks in einem rassistischen medizinischen System ohne Zustimmung entnommen worden waren. Weitere Klagen sollen folgen.

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