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Warum die Zahlen in Frankreich so hoch sind

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Corona-Neuinfektionen - Warum die Zahlen in Frankreich so hoch sind

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Die Hauptstadt Paris, die Côte d'Azur und vor allem die südliche Hafenstadt Marseille: Frankreich ist in Europa besonders von der Corona-Pandemie betroffen. Warum ist das so?

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist mit über 16.000 auf einen neuen Höchststand gestiegen. Zugleich regt sich Widerstand gegen verschärfte Maßnahmen der Regierung.

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In Frankreich haben sich binnen 24 Stunden mehr als 14.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Seit Freitagabend seien 14.412 Infektionsfälle registriert worden, teilte die französische Gesundheitsbehörde mit. An den beiden Vortagen waren mit jeweils mehr als 16.000 Neuinfektionen sogar neue Tagsrekorde verzeichnet worden.

Die Gründe für die zahlreichen Neuinfektionen: vielfältig. Gleicheitig reißen die Proteste gegen die neuen Corona-Schutzmaßnahmen der Zentralregierung in Paris, vor allem aber im Süden des Landes nicht ab.

Corona-Lockdown in Marseille kürzer als geplant

So waren in Marseille am Freitag erneut mehrere Hundert Menschen auf die Straße gegangen, um gegen einen am Mittwoch angekündigten Lockdown von Bars und Restaurants zwei Wochen ab Samstag zu protestieren - offenbar mit Erfolg.

Auch wenn Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran das Vorgehen der Regierung weiter verteidigte, kündigte der Präsident der Region, Renaud Muselier, an, dass er sich mit Véran darauf geeinigt habe, dass Bars und Restaurants erst ab Sonntag schließen müssen - zunächst nur für sieben Tage, statt wie geplant zwei Wochen.

Wieso ist Frankreich so stark von Infektionen betroffen?

Marseille samt Umland sind mit am stärksten von der zweiten Welle der Corona-Infektionen in Frankreich betroffen. Zuletzt wurden dort mehr als 280 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner registriert, fast das Sechsfache des Warnwerts.

Generell ist Frankreich mit mehr als 550.000 Infizierten und 31.600 Corona-Todesfällen mit Spanien und Großbritannien - trotz Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht am Arbeitsplatz oder öffentlichen Räumen - eines der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder Europas. Die Ursachen dafür sind vielfältig:

  • Überlastung der Testlabore und fehlende Schnelltests: Da Infizierte die Ergebnisse oftmals erst nach einer Woche erhalten, lassen sich Infektionen schlecht nachverfolgen und Infektionsketten nicht effektiv durchbrechen.
  • Offene Grenzen zu anderen EU-Ländern: Eine Quarantäne- und Testpflicht für Reiserückkehrer gilt nur für einige ausgewählte Länder. Eine Reisewarnung gibt es nicht einmal für den besonders betroffene Nachbarland Spanien.
  • Die Corona-Tracking-App "StopCovid" gilt als Flop: Runtergerladen wurde sie nur von rund zwei Millionen Menschen, angeschlagen hat sie weniger als 200 Mal - nicht mal Frankreichs Premier Castex selbst nutzt sie, wie dieser in einem Interview bekannt gab.
  • Fehlende Kontaktformulare in Restaurant und Bars.
  • Ähnlich wie in Spanien infizieren sich in Frankreich durch eine Vielzahl von Feiern viele Jüngere mit dem Virus. Gleichzeitig haben seit Ende August die Schulen wieder geöffnet.

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  • In den französischen Medien merkt man außerdem an, dass der Mindestabstand in Frankreich bei einem Meter liegt - nicht wie in Deutschland bei 1,50 Meter.
  • Missachtung von Hygieneregeln: Laut Befragungen der nationalen Gesundheitsbehörde befolgen die Franzosen Ratschläge wie regelmäßiges Händewaschen inzwischen deutlich seltener als auf dem Höhepunkt der Krise Anfang April.
  • Vielen Franzosen fällt es zudem schwer, den Wangenkuss zur Begrüßung wegzulassen. Auf Wangenkuss und Händeschütteln verzichten laut Umfragen nur noch 66 Prozent statt 92 Prozent, wie Anfang April.
  • Aus Angst vor Arbeitsplatzverlust halten sich viele Franzosen nicht an die Selbstisolationen, räumte Gesundheitsminister Olivier Véran ein. Um für größere Akzeptanz zu sorgen, hat die Regierung die Quarantänezeit deshalb von 14 auf sieben Tage verkürzt.

Alarmstimmung in Frankreich -
Corona-Chaos: Wirte protestieren
 

Die Corona-Zahlen sind auf Rekord-Niveau, Paris reagiert panisch. Unterdessen protestieren Wirte und Hotelbesitzer in Marseille gegen die Schließung von Bars und Restaurants.

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