Umfrage: Internetsurfen ist beliebteste Freizeitaktivität

    Freizeit-Monitor 2022:Mehr im Internet als mit Freunden unterwegs

    von Luka Simon
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    Mehr im Internet surfen, weniger mit Freunden verabreden: Freizeit findet zunehmend in den eigenen vier Wänden statt - das zeigt der aktuelle Freizeit-Monitor.

    Eine Frau liegt auf auf der Couch und hält ihr Smartphone in der Hand, aufgenommen am 09.08.2022
    Die meisten Befragten verbringen ihre Freizeit im Internet, mit sozialen Medien.
    Quelle: imago

    • 97 Prozent der Befragten verbringen ihre Freizeit im Internet
    • Soziale Medien sind erstmals unter den zehn beliebtesten Freizeitbeschäftigungen
    • Jeder dritte Deutsche fühlt sich von eigener Lebensplanung gestresst.

    Wenn sich die Deutschen entscheiden können, was sie in ihrer Freizeit tun möchten, dann geben die meisten dem Internet daheim den Vorrang - vor Aktivitäten in der Natur. Das zeigt der aktuelle Freizeit-Monitor, den die BAT-Stiftung für Zukunftsfragen vorgestellt hat.
    Über 3.000 Personen zwischen 18 und 74 Jahren wurden repräsentativ für die seit 1982 durchgeführte Studie befragt. Das Internet stellt sich auch in diesem Jahr als dominante Komponente der Freizeitgestaltung heraus.

    Soziale Medien erstmals unter den Top 10

    Demnach verbringen 97 Prozent der Befragten ihre Freizeit im Internet. Daneben zählen Fernsehen (Platz 2) und Beschäftigung mit dem Computer (Platz 3) wie bereits 2021 zu den häufigsten Freizeittätigkeiten.
    Zum ersten Mal reihen sich die sozialen Medien in die Top 10 der Freizeitgestaltung. Der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Professor Ulrich Reinhardt, stellt fest:

    Medien dominieren unsere Freizeit. Am häufigsten sind passiv mediale Freizeitaktivitäten.

    Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Studienleiter

    Wie die Mehrheit der Deutschen ihre Freizeit verbringt
    ZDFheute Infografik
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    Häufiger Medienkonsum fördert "Freizeitstress"

    Auffällig sei, so Reinhardt, dass vor allem junge Personen darunter leiden. Dem geht die Studie in einer Sonderfrage nach. Häufiger Medienkonsum fördere "Freizeitstress", man wolle überall dabei und immer erreichbar sein. Im Vergleich zum Referenzjahr 2015 hat das Gefühl der Verpflichtung gegenüber anderen deutlich zugenommen.
    Dem versuchen junge Menschen gerecht zu werden: Es werde parallel gegessen, gepostet und gechattet.

    Man übt Verabredungen fast gleichzeitig aus und das stresst natürlich.

    Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Studienleiter

    Viele Aktivitäten seien "Nebenbei-Medien" geworden.

    Von eigener Lebensplanung gestresst

    Mehr als die Hälfte der Befragten empfindet Stress bei Zeitvergeudung durch Stau oder Warteschlangen - wenn auch weniger als vor der Pandemie. Viele leiden an zu hohen Geldausgaben und fühlen sich durch Werbung und Lärm von Dritten belästigt.
    Weniger Menschen lesen Bücher, weil sie ihre Freizeit eher in den sozialen Netzwerken verbringen. Dafür kaufen Leser im Schnitt mehr Bücher. Woran liegt's?07.06.2018 | 2:36 min
    Deutlich zugenommen hat der Druck um die Lebensplanung - jeder dritte Deutsche (33 Prozent bei den Frauen und 35 Prozent bei den Männer) fühlt sich davon gestresst. Die Gründe, so Reinhardt: Unsicherheit und ein Überangebot an Lebensmodellen. Das betreffe nicht nur Berufseinsteiger, sondern auch die "Sandwich-Generation":

    Sie müssen nach oben und unten was leisten, nebenbei sich selbst verwirklichen, produktiv im Job sein und Kinder kriegen.

    Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Studienleiter

    Nur jeder Fünfte trifft wöchentlich Freunde

    Im 40-Jahres-Vergleich wird deutlich: Fernsehen, Musik hören (Platz 4), seinen Gedanken nachgehen (Platz 8) und über wichtige Dinge reden (Platz 9) sind die einzigen Aktivitäten, die schon in den 80ern beliebt waren.
    Wohingegen Verabredungen mit Freunden (1982 auf Platz 2) an Beliebtheit eingebüßt haben: Nur etwa 20 Prozent der Befragten geben dies an. Soziale Kontakte laufen vielmehr über Textnachrichten, stellt Reinhardt fest.
    Eine Mehrheit geht wie schon 2021 mindestens einmal pro Woche in die Natur. Häufiger zählen die Befragten jedoch Backen, Kochen und Faulenzen auf. Außerhäusliche Aktivitäten seien mehr Highlight als Normalität, so Reinhardt.