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Klima in der Stadt - Hamburgs Weg zur Klimaneutralität

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Rund 30 Prozent der Deutschen Leben in einer Großstadt, in Zukunft noch viel mehr. Die Folgen der Klimakrise werden hier besonders zu spüren sein, sagen Wissenschaftler*innen.

Archiv: Spaziergänger sind bei starkem Niedrigwasser am 26.04.2020 an der Elbe zwischen Övelgönne und Teufelsbrück unterwegs.
Auch in Hamburg werden die Folgen des Klimawandels spürbar.
Quelle: dpa

Ab Freitagmittag ruft nach Monaten der Corona-bedingten Pause die Klimabewegung Fridays for Future zum siebten globalen Klimastreik auf. Die Forderung nach wie vor: eine echte und gerechte Krisenbewältigung. Wegen der Pandemie kann die Demonstration nur online stattfinden.

Protestaktionen von FFF in vielen Städten

Geplant sind jedoch kleinere Protestaktionen in vielen Städten, auch in Hamburg: 60 Meter der Mönckebergstraße in der Innenstadt werden seit den frühen Morgenstunden von den Aktivist*innen grün eingefärbt und mit dem Schriftzug "Wir alle für 1,5 °C" versehen. Senat und Bezirksamt Mitte haben dafür grünes Licht gegeben.

Für mindestens vier Wochen wird die Farbe und der Schriftzug mahnen: "Die Klimakrise wird in den Städten verursacht, hier muss sie auch bekämpft werden", fordert Hamburgs Fridays for Future-Sprecherin Annika Kruse. Die Mobilitätswende sei dabei längst überfällig. Hamburg solle sich ein CO2-Budget setzen und den Autoverkehr noch drastischer reduzieren.

Tagung zu Ursachen der Klimaerwärmung

Dass Städte in Folge der wachsenden Bevölkerung ganz besonders von den Konsequenzen des Klimawandels betroffen sind, wurde in dieser Woche auch auf der 12. Deutschen Klimatagung in Hamburg noch einmal sehr deutlich. Im Schatten der Pandemie sprachen rund 250 Wissenschaftler*innen virtuell über Ursachen der Klimaerwärmung und berieten zu lokalen und regionalen Anpassungsmaßnahmen.

Auch die Hansestadt muss sich darauf einstellen, dass sich das städtische Leben im Zuge des Klimawandels verändern wird. Das Jahr 2020 war mit einer Durchschnittstemperatur von 10,81 Grad das bislang wärmste in der Geschichte Hamburgs.

Die Elbe wärmt Hamburg

Hochwasser und Sturmfluten werden häufig mit Hamburg in Verbindung gebracht. Heute schützen 103 Kilometer Hauptdeichlinie die Stadt. Aktuell laufen Bauarbeiten, um die Hochwasserschutzanlagen von teilweise knapp acht auf bis zu zehn Metern zu erhöhen. In der Klimakrise bringt die Lage am Strom jedoch weitere Problematiken mit sich: Die Elbe ist "Hamburgs nächtliche Zentralheizung", erklärt Professorin Heinke Schlünzen, die seit etwa zwanzig Jahren an der Universität Hamburg zu den Folgen des Klimawandels in Städten forscht.

Durch das sich erwärmende Klima wird auch die Elbe wärmer und erhöht damit in Flussnähe die nächtlichen Temperaturen. Auch die dichte städtische Bebauung habe einen Zusatzeffekt, sagt Schlünzen, denn Gebäude speichern die Sonnenwärme des Tages; daher bleibe es in Städten auch nachts wärmer.

Wir müssen alles erdenklich Mögliche tun, um die Klimaerwärmung wenigstens auf unter zwei Grad zu beschränken.
Heinke Schlünzen, Institut für Erdsystemwissenschaften der Universität Hamburg

Die Flut kommt! In den nächsten 25 Jahren sind in Deutschland siebenmal mehr Menschen von Überflutungen bedroht als heute. Davor warnt eine Studie des Potsdamer Instituts für Klimawandel.

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29 min
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Hamburg strebt Klimaneutralität bis 2050 an

Den Verantwortlichen im rot-grün regierten Hamburg sind die verschiedenen Problematiken bekannt: Deutlich vor 2050 soll Hamburg klimaneutral sein und der CO2-Ausstoß bis 2030 um 55 Prozent gesenkt senken, sagt die von den Grünen geführte Umweltbehörde.

Ein Ende 2019 beschlossener Klimaplan mit mehr als 400 Einzelmaßnahmen ist eines der wichtigsten Klima- und Konjunktur-Projekte der Stadt. Dazu zählen:

  • Schaffung von Versickerungsflächen für Regenwasser
  • Ausbau von Solarenergie auf Hamburgs Dächern
  • Pflicht zur Installation von Solaranlagen auf Dächern von Neubauten
  • Weiterer Ausbau des Rad-, Bus- und U-Bahnnetzes zur Emissionsveringerung

62 Kilometer Radwege hat die Stadt 2020 neu gebaut oder saniert - 63 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Stadt setzt auf Wärmeenergie

Auch der Kohleausstieg bis 2030 ist gesetzt, dafür wird das alte Kraftwerk in Wedel spätestens 2025 vom Netz gehen. Im inzwischen abgeschalteten Kohlekraftwerk Moorburg elbabwärts von Hamburg soll ab 2025 grüner Wasserstoff aus regenerativen Energien produziert und auch an die Hamburger Industriebetriebe verteilt werden.

Ein Mammutprojekt, das Hamburg gemeinsam mit Vattenfall und anderen Unternehmen umsetzen will. Auf der Elbinsel Wilhelmsburg wird derweil in rund 3.500 Meter Tiefe gebohrt, um Erdwärme zum Heizen für rund 5.000 Haushalte zu erschließen.

Dürre, Überflutungen, Gletscherschmelze: Das Klima ändert sich auch in Deutschland. Die Dokumentation sammelt die Fakten und fragt, wie sich das Leben hierzulande verändern wird.

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43 min
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Corona-Krise begünstigt Klimaziele

Auch jede*r Einzelne kann aktiv werden und die eigenen Emissionen wo immer möglich reduzieren, empfiehlt Stadtklimaforscherin Schlünzen. Statt Vorgärten zu pflastern, sollten Bürger*innen Grünstreifen vor der Haustür schaffen, damit bei zukünftigem intensiverem Starkniederschlag das Regenwasser versickern kann und Verdunstung möglich wird. Das reduziere auch die Temperaturen, so Schlünzen weiter. Allgemein würden Grünflächen in der gesamten Stadt gegen Überflutungen helfen.

Deutschland konnte seine Klimaziele für 2020 zwar gerade so erreichen. Dass spätestens nach dem Shutdown weltweit Emissionen wieder drastisch steigen werden, ist jedoch vorprogrammiert. Fridays for Future fordert daher eine langfristige Strategie zur Krisenbewältigung: "Wir müssen jetzt handeln und zeigen, dass nachhaltiges Leben möglich ist", sagt Sprecherin Annika Kruse. Sie hofft, dass alle Hamburger*innen an die Dringlichkeit erinnert werden, wenn sie demnächst über die grün eingefärbte Mönckebergstraße gehen.

Leere Autobahn bei Landsberg

Studie - Corona-Pandemie hält Klimawandel nicht auf 

Die Pandemie hat Wirtschaft und Verkehr gebremst und Treibhausgas-Emissionen reduziert. Für einen nennenswerten Effekt beim Klimawandel braucht es aber dauerhafte CO2-Einsparungen.

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