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Mordanschlag in Dresden - Radikale Islamisten und Schwulenhass

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Im Oktober griff ein Attentäter ein schwules Paar in Dresden an. Die Ermittlungen haben ergeben: Der Täter, ein radikaler Islamist, soll aus Schwulenhass getötet haben.

Nach dem Mordanschlag auf ein schwules Paar in Dresden steht ein radikaler Islamist vor Gericht.

Beitragslänge:
13 min
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Die Tat geschieht am 4. Oktober 2020. Thomas L. und sein Lebenspartner machen Urlaub in Dresden. Um 21.25 Uhr ist das schwule Paar auf dem Rückweg zum Hotel. Mitten in der Altstadt sticht der Täter mit brutaler Gewalt auf sie ein. Thomas L. stirbt im Krankenhaus. Er wird 55 Jahre alt. Sein Lebenspartner überlebt den Anschlag schwer verletzt.

Zwei Wochen später nimmt die Polizei den mutmaßlichen Täter fest. Der ist den Behörden seit langem bekannt: Abdullah H. kommt 2015 als Flüchtling aus Syrien nach Sachsen und radikalisiert sich. 2018 verurteilt ihn das Oberlandesgericht Dresden zu einer Gefängnisstrafe. Der damals 18-Jährige war Anhänger des "IS" und plante einen Selbstmordanschlag. Er wurde als islamistischer Gefährder eingestuft.

Ermittler werten Handydaten und Chats aus

Die Ermittler finden auf seinem Handy Chats aus dem Jahr 2017, die Frontal 21 vorliegen. Ein Chatpartner fragt Abdullah H.: "Wir hören, dass Ihr Menschen mit dem Messer schlachtet. Warum?" Abdullah H. antwortet:

Wir schlachten ausschließlich diejenigen, die vom Glauben abfallen.
Abdullah H. in Chatnachricht

Nur fünf Tage nach der Haftentlassung soll Abdullah H. den Anschlag auf das schwule Paar begangen haben.

Anklage: Versuchter Mord und schwere Körperverletzung

Die Bundesanwaltschaft hat Anklage erhoben. Sie wirft Abdullah H. Mord, versuchten Mord und schwere Körperverletzung vor. Er habe die beiden Opfer als schwules Paar wahrgenommen und sie "als Repräsentanten einer von ihm als 'ungläubig' abgelehnten freiheitlichen Gesellschaft auslöschen" wollen. Abdullah H.s Anwalt teilte Frontal 21 mit, man wolle sich derzeit nicht äußern.

Zur Gewalt gegen Homosexuelle gibt es in Deutschland kaum Zahlen. Nur die Berliner Polizei führt systematische Statistiken. Demnach ist die Zahl der homophoben Gewalttaten dort von 72 im Jahr 2018 auf 91 im Jahr 2019 gestiegen, ein Anstieg um 26 Prozent. Die Polizistin Anne von Knoblauch ist Ansprechpartnerin für Lesben, Schwule, Trans- und Bisexuelle in Berlin:

Die Gewaltbereitschaft steigt. Es gibt massive Übergriffe in U-Bahnen, Tritte gegen den Kehlkopf, wo wirklich ganz schlimme Verletzungen die Folge sind oder auch lebensbedrohliche Situation entstehen können.
Anne von Knoblauch, Polizistin in Berlin
Queerfeindliche Straftaten in Berlin

Freunde von Thomas L. können Einschätzung der Behörden nicht nachvollziehen

Nach dem tödlichen Anschlag auf Thomas L. hatten die sächsischen Behörden zunächst von einem "Mord an einem Touristen" gesprochen - und ein mögliches homophobes Tatmotiv verschwiegen. Viele Wegefährten des Opfers aus der schwulen Community in seiner Heimatstadt Krefeld können das nicht nachvollziehen. Levent Sirkal, Vorsitzender des Krefelder CSD-Vereins, fordert, dass die Hintergründe des Anschlags aufgeklärt und klar benannt werden:

Wir leben in einer offenen Gesellschaft. Da muss man sagen dürfen, dass der mutmaßliche Täter ein Islamist war. Man muss sagen dürfen, dass der Anschlag homophob war.
Levent Sirkal

Redaktioneller Hinweis: Der Artikel wurde am 14.04.2021 durch ein aktuelles Video ergänzt.

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