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Experte zur Greenpeace-Aktion - Wie sicher sind unsere Stadien?

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Die Greenpeace-Aktion beim ersten EM-Spiel der Deutschen wirft Fragen zur Sicherheit von Großveranstaltungen auf. Wie kann man Stadien richtig schützen? Ein Experte klärt auf.

Ein Greenpeace-Aktivist hatte bei seiner Gleitschirm-Notlandung im Münchener Stadion zwei Menschen leicht verletzt. Für die missglückte Protestaktion hagelt es nun Kritik.

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Eigentlich wollte Greenpeace gegen den DFB- und EM-Sponsor VW protestieren. Ein Aktivist sollte mit einem Gleitschirm über das Stadion in München fliegen und einen gelben Latexball mit dem aufgedruckten Motto "Kick out Oil" auf den Rasen herunterlassen.

Doch die Aktion ging schief: Im Anflug streifte er mit seinem Schirm ein Drahtseil am Dach und kam ins Trudeln. Zwei Menschen wurden am Kopf verletzt, die Polizei ermittelt, die Umweltorganisation entschuldigte sich.

Bleibt die Frage: Wenn Greenpeace es schafft, so in ein Fußballstadion einzudringen - explizit ohne das Vorhaben, Menschen zu schaden - könnten dann auch andere, gewaltbereitere Gruppen einen Anschlag auf diese Weise verüben?

Die Aktion deckt in jedem Fall eine Schwachstelle im Präventionskonzept auf.
Sicherheitsexperte Uwe Gerstenberg

Im Gespräch mit ZDFheute erklärt Sicherheitsexperte Uwe Gerstenberg, es gebe auch Optionen, um sich vor derartigen "Angriffen" zu schützen.

Protestaktion bei EM-Spiel - Notlandung im Stadion - Polizei ermittelt 

Ein Greenpeace-Aktivist wollte gegen einen EM-Sponsoren protestieren, und landete mit einem Motorschirm im Stadion. Zwei Menschen wurden verletzt. Nun ermittelt die Polizei.

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Schwachstelle offenes Stadiondach

Die einfachste Lösung des Sicherheitsproblems wäre, einfach das Stadiondach zu schließen, so Gerstenberg. Das ist in der Münchner Allianz Arena - anders als in anderen Stadien - nicht möglich. Eine andere Option wäre, Stahlseile über das Spielfeld zu spannen. Damit wäre weiterhin die Atmosphäre unter freiem Himmel gegeben, ein Eindringen mit einem Gleitschirm aber verhindert.

Über der Allianz Arena in München gilt bei den EM-Spielen ein totales Flugverbot. Es ist Aufgabe der Polizei und der Bundeswehr, den Luftraum zu überwachen. Das Polizeipräsidium München teilte auf Anfrage mit:

Wir konnten den Anflug kurz vorher wahrnehmen und haben bei der ersten Einschätzung auch erkannt, dass es sich um eine Aktion einer Umweltorganisation handelt.

Die Bayerische Polizei werde bei den kommenden EM-Spielen die Luftüberwachung verstärken, insbesondere zusammen mit der Hubschrauberstaffel.

Zu genauen Abläufen der Maßnahmen und auch zu technischen Details der Luftraumsicherung im Allgemeinen und speziell auch zu dem Vorfall am Dienstag will die Polizei aus einsatztaktischen Gründen keine weiteren Angaben machen.

Drohnen kann man abfangen - Menschen eher nicht

Einfacher sei die Abwehr von Drohnen. In der Vergangenheit hatten Umweltaktivisten schon häufiger Flughäfen mit Drohnen attackiert, um Abläufe zu stören. Es gab auch schon Anschläge mit Drohnen - etwa auf Anlagen der saudi-arabischen Ölgesellschaft Saudi Aramco durch Huthi-Rebellen.

Doch Drohnen könne man einfacher abfangen als von Menschen gesteuerte Flugobjekte.

Es gibt Systeme, die über eine Radartechnik bestimmte Areale schützen. Die Drohne kann dann per Software übernommen und gelandet werden.
Uwe Gerstenberg, Sicherheitsexperte

Bayerns Innenminister spricht von Scharfschützeneinsatz

Bei Angriffen und Aktionen mit Flugobjekten stellt sich meist auch die Frage: Abschießen oder nicht? Im deutschen Recht sei ein Abschießen erstmal nicht vorgesehen, so Gerstenberg. Aber unter gewissen Umständen gebe es immer Gründe für eine Abwägung.

Der Gleitschirmflieger scheint jedenfalls nach Aussage des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann nur durch seine offensichtliche Zugehörigkeit zu Greenpeace mit dem Leben davongekommen. Dieser sagte gegenüber "Bild":

Man hat aufgrund der Beschriftung 'Greenpeace' davon abgesehen, dass Scharfschützen hier eingegriffen haben.
Joachim Herrmann, bayerischer Innenminister

Wäre die Polizei zu einer anderen Einschätzung gekommen, nämlich, dass es sich um einen Terror-Anschlag handeln könnte, dann hätte der Flieger die Aktion möglicherweise mit seinem Leben bezahlen müssen, so Herrmann weiter. Auch die Polizei in München unterstreicht bei einer Pressekonferenz am Mittag, dass man sich nicht darauf verlassen könne, dass solche Aktionen immer "glimpflich ausgehen".

Sicherheitsexperte Gerstenberg hält diese Aussagen eher für einen Einschüchterungsversuch um Nachahmungstäter zu verhindern. Rechtlich könne sich Herrmann nach dem Polizeigesetz nur auf den "Finalen Rettungsschuss" beziehen. Dies setzte aber voraus, dass es sich um eine konkrete Bedrohung handelt, wenn zum Beispiel ein Geiselnehmer eine Waffe an den Kopf einer Geisel hält. Ein Abschuss hätte nicht in Frage kommen können, "es hätte sich ja auch um einen unglücklichen Notfall oder eine Notlandung gehandelt haben können".

Luftabwehrraketen auf Wohnhäusern in London

Dass sich die Veranstalter von sportlichen Großereignissen mit der Gefahr von Angriffen aus der Luft befassen, zeigt auch ein Blick auf die Olympischen Spiele in London 2012. Damals wurden an sechs Standorten in der Stadt Flugabwehrraketen stationiert und ein Geschwader "Typhoon"-Kampfflugzeuge in der Nähe bereit gehalten. Der Luftraum wurde zur "No-Fly-Area" erklärt und "tödliche Gewalt" als letztes Mittel bei Verstößen explizit als Option genannt.

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