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Expertin zu Gaskrise und Krieg : Psychisch gesund bleiben in Krisenzeiten

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Krieg, Gasknappheit, steigende Preise: Die Bevölkerung blickt mit Sorge auf den kommenden Winter. Eine Psychologin erklärt, wie wir uns wappnen können.

Ein Mann sitzt auf dem Sofa zu Hause mit einer warmen Decke bedeckt.
Die schlechten Nachrichten der vergangenen Monate können einem schon einmal über den Kopf wachsen. Wie schützt man also die Psyche davor, auszulaugen?
Quelle: imago

Benzin wird wieder teurer und gleichzeitig sorgen sich viele Menschen, dass im Winter das Gas nicht für alle reichen könnte. Gestiegene Energiekosten und die Gasumlage belasten Haushalte - und auch die Lebensmittel werden teurer. Eva Asselmann ist Professorin für Differentielle und Persönlichkeitspsychologie an der Health and Medical University in Potsdam. Sie sagt:

Die Überzeugung, Kontrolle über das eigene Leben zu haben, ist sehr wichtig für das psychische Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen.
Eva Asselmann, Psychologin

Unsichere Situationen mit schwer vorhersehbaren Entwicklungen seien geeignet, diese Überzeugung zu erschüttern.

Schon in den ersten Jahren der Corona-Pandemie hatte der Krankenstand bei den Beschäftigten einen neuen Höchststand erreicht. Das berichtet die DAK Gesundheit nach einer Erhebung des IGES Instituts mit Daten aus dem Jahr 2021. Depressionen waren dem Report zufolge der häufigste Grund für die Krankschreibungen, Angst- und Anpassungsstörungen verzeichneten das stärkste Wachstum.

Die Schwächsten haben es am schwersten

Wer bereits mit Unsicherheit oder Armut zu kämpfen habe, dem falle der Umgang mit den kaum vorhersehbaren Bedingungen des kommenden Winters besonders schwer, sagt Asselmann. "Es macht einen Unterschied, wenn jemand finanziell bereits knapp dasteht und sich abends Gedanken um die Heizrechnung machen muss."

Die Bundesregierung will mit weiteren Vorgaben zum Energiesparen Deutschland für den Winter rüsten: Öffentliche Gebäude sollen künftig nur noch bis etwa 19 Grad beheizt werden.

Beitragslänge:
2 min
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Menschen können an herausfordernden Situationen wachsen – aber das gelingt nicht immer. Asselmann erforscht die Persönlichkeitsmerkmale der Big Five (siehe Infobox). Besonders relevant für den Umgang mit Krisen und unsicheren Zeiten sei die emotionale Stabilität.

Emotional stabile Menschen sind robuster, stressresistenter, weniger anfällig für negative Gefühle. Sie sind für Krisenzeiten besser gewappnet als sensiblere Menschen.
Eva Asselmann, Psychologin

Gleichzeitig helfe Offenheit für neue Erfahrungen dabei, neue Situationen anzunehmen und kreative Lösungen für Probleme und Herausforderungen zu finden.

"Wir wissen aus der Forschung, dass stressreiche und belastende Erlebnisse im Schnitt nicht zu einer Stabilisierung der Psyche beitragen", sagt Asselmann. "Menschen werden durch sie eher zerbrechlicher, ängstlicher und niedergeschlagener." Menschen gingen allerdings sehr unterschiedlich mit Belastungen um - einige wüchsen durch sie tatsächlich.

Was Menschen stark macht

Das Gefühl, Kontrolle über das eigene Leben zu haben und etwas zu bewirken, hilft, sich in Krisenzeiten stärker zu fühlen. Professorin Asselmann rät:

  • Erinnern Sie sich an schwierige Situationen, Umbrüche und einschneidende Erfahrungen der Vergangenheit, die Sie bereits bewältigt haben. Was hat Ihnen damals Kraft gegeben, aus dem Sie auch jetzt schöpfen können?
  • Machen Sie sich Ihre Stärken und Fähigkeiten bewusst: Was bringen Sie mit, das Ihnen durch diesen Winter und durch unsichere Zeiten hilft?
  • Tun Sie aktiv etwas für Ihr Wohlbefinden und setzen Sie den negativen Gedanken etwas Positives entgegen. Gibt es neben den möglichen Worst-Case-Szenarien auch ein Best-Case-Szenario?
  • Gehen Sie raus. Viel Licht und Bewegung an der frischen Luft bauen Stress ab und erhellen die Stimmung.
  • Entwickeln Sie kreative Lösungen für Probleme: Sie können sich nicht mit anderen treffen? Finden Sie eine gute Alternative.
  • Tauschen Sie sich mit Menschen aus, die pragmatisch oder optimistisch denken.

Immer mehr Menschen suchen Hilfe wegen psychischer Probleme. Doch oft müssen sie lange auf einen Therapieplatz warten. Es fehlten Kassensitze für Psychotherapeuten, klagen deren Vertreter.

Beitragslänge:
28 min
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Nachrichten bewusst konsumieren

"Auch, wenn sich gerade viele neue Herausforderungen abzeichnen, verdeutlichen uns solche Zeiten auch, dass vieles in unserem Alltag nicht selbstverständlich ist", sagt Asselmann. Gleichzeitig helfe es, belastenden Nachrichten im Alltag eine feste Zeit zuzuweisen: "Reservieren Sie sich einen bestimmten Zeitpunkt, vielleicht eine halbe Stunde am Morgen für die Nachrichten."

Wer sich im Tagesablauf immer weiter durch schlechte Nachrichten klicke, laufe Gefahr, damit sein Gefühl der Kontrolle über das eigene Leben zu reduzieren. Bewusster Medienkonsum helfe, dies zu verhindern, sagt Asselmann.

Die Zeichnung zeigt einen Mann, der mit dem Rücken zu einem Abgrund steht - und versucht, einen Stein aufzuhalten, der ihn Richtung Klippe drängt.

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