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Gebärmutterhalskrebs in Kenia - "Ich fühlte mich so hilflos"

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Fast doppelt so viele Frauen wie in Deutschland sterben in Kenia an Gebärmutterhalskrebs, etwa neun Frauen pro Tag. Und das, obwohl die Krankheit oftmals besiegt werden könnte.

Mobile Klinik in Kenia
Mobile Klinik in Kenia
Quelle: Joy Lusige

Ost-Afrika hat die höchste Rate an Gebärmutterhalskrebsfällen auf der ganzen Welt. Und das, obwohl der Krebs eigentlich besiegt sein könnte. In Kenia sterben etwa neun Frauen pro Tag an dieser Krebsform - fast doppelt so viele wie in Deutschland. Wie Kenia darauf reagiert und dem Krebs den Kampf ansagt.

Wie entsteht Gebärmutterhalskrebs und was kann man tun?

Fast 80 Prozent aller sexuell aktiven Frauen erleiden mindestens einmal im Leben eine Infektion mit humanen Papillomviren (oder Papillomaviren, auch HPV). Für gewöhnlich heilen diese von alleine wieder aus. Doch sie können, abhängig vom Virustyp, Folgeerkrankungen nach sich ziehen, die wiederum Krebs auslösen und zum Tod führen können.

HP-Viren sind eine der Hauptursachen für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs. Sie werden durch Hautkontakt übertragen. Mithilfe einer Impfung vor dem ersten Sexualkontakt kann dieser Infektion jedoch vorgebeugt werden. Rund 90 Prozent aller Erkrankungen könnten so verhindert werden.

Was tut Kenia gegen den Krebs?

Was in Deutschland schon seit 2006 Routine ist, hält nun auch in Kenia Einzug: Seit Oktober 2019 können sich alle Mädchen im Alter zwischen zehn und 14 Jahren kostenlos gegen HPV impfen lassen. Dies ist eine Initiative der kenianischen Regierung, die auf die ernste Lage im Land reagiert.

Die kostenlosen Impfungen sind eine Revolution im Kampf gegen den Krebs: Viele Frauen, vor allem in ländlichen Regionen, haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung oder ihnen fehlt schlichtweg das Geld. Hinzu kommt, dass teilweise selbst Ärzte negative Vorurteile gegenüber der Impfung verbreiten.

Elizabeth Mbuthia, die erlebte, wie ihre Tante an Gebärmutterhalskrebs starb
Krankenschwester Elizabeth Mbuthia engagiert sich mit ihrer Hilfsorganisation gegen den Krebs.
Quelle: Joy Lusige

Elizabeth Mbuthia verlor im Kindesalter ihre Tante durch den Krebs. "Das Einzige, was ich tun konnte, war, mit ihr zu weinen. Wenn sie weinte, musste auch ich weinen, und so ging es die ganze Zeit. Damals ging ich noch in die Schule. Ich fühlte mich so hilflos." Dieses Erlebnis ließ Elizabeth Mbuthia nie wieder los. Sie wurde Krankenschwester und gründete eine Hilfsorganisation, die möglichst vielen Frauen kostenlose Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen ermöglichen soll. Mit mobilen Kliniken will ihre Hilfsorganisation vor allem Frauen in ländlichen Regionen erreichen.

Während ihrer letzten Tage wohnte sie bei uns. Ich sah, wie sehr sie leiden musste.
Elizabeth Mbuthia, Angehörige und Krankenschwester

Vision: Medizinisch aufgeklärtes Kenia

David Muyodi, der seit langer Zeit als Arzt und Wissenschaftler in Kenia arbeitet, unterstützt die Organisation und kämpft vor allem in diesen Regionen gegen negative Vorurteile. "Wir verteilen Flyer, sprechen zu den Gemeinden und klären sie über Anzeichen und Symptome auf, damit sie so früh wie möglich zum Krankenhaus kommen und eine Diagnose im frühen Stadium erhalten können.

Neben dem Testen wollen wir ein Bewusstsein für Gebärmutterhalskrebs schaffen.
David Muyodi, Arzt

Viele Leben konnten so schon gerettet werden, so wie das von Pamela Savai. Vor einem Jahr erhielt sie die Diagnose Gebärmutterhalskrebs. Pamela hatte weder die finanziellen Mittel noch den Mut, die Erkrankung alleine durchzustehen. Sie dachte, sie müsse sterben und traute sich aufgrund der herrschenden Vorurteile nicht, ihrer Familie von der Erkrankung zu erzählen. Dank Elizabeth Mbuthias Hilfsorganisation hat sie es jedoch geschafft, wieder völlig gesund zu werden. Sie wurde kostenlos medizinisch, juristisch und vor allem psychisch durch den gesamten Prozess hindurch begleitet.

Mein Leben hat sich durch den Krebs nicht verändert. Es ist genauso wie zuvor.
Pamela Savai, Erkrankte

Solche Geschichten treiben Elizabeth Mbuthia an. Sie weiß, dass noch viel getan werden muss, bis ihre Vision von einem medizinisch aufgeklärten Kenia, Wirklichkeit wird. Bis dahin werden sie und ihr Team jedoch alles dafür tun, diese zu verwirklichen.

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